(dpa/cj) Neue Modelle in boomenden Segmenten, aber billiger in der Herstellung: Mit diesem Rezept soll der verlustreiche Autobauer Opel seine schwere Krise überwinden. "Wir werden eine ganze Reihe von neuen Fahrzeugen in den Markt bringen, mit denen wir Lücken in unserem Portfolio schließen und in Wachstumssegmente vorstoßen", sagte Interimschef Thomas Sedran. Zugleich will Opel bei den Kosten den Rotstift ansetzen: Beim Personal, aber vor allem bei der Fahrzeugproduktion. Opel habe seine Fahrzeuge jahrelang mit teuren Anforderungen gebaut, die andere Hersteller nicht hätten – auch nicht im deutschen Oberklasse-Bereich. Zudem werde aktuell mit dem Betriebsrat über den Abbau von Bürokratie und die Verschlankung von Strukturen auch im Management diskutiert.
Der neue Unternehmensplan trägt den Titel "Drive Opel 2022". Vom lange befürchteten Kahlschlag beim Personal spricht der Strategievorstand der Adam Opel AG derzeit nicht: Die Gespräche mit den Arbeitnehmern zum Deutschlandplan, der Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 ausschließen soll, laufen. Und zwar ohne Zeitdruck, wie Sedran betonte: "Wir werden mit der IG Metall und dem Betriebsrat eine bestmögliche Einigung finden, die uns so schnell wie möglich wieder nachhaltig profitabel macht. Das ist die beste Zukunftssicherung."
Opel Mokka
Der Opel Mokka ist ein Hoffnungsträger für die angeschlagene Blitz-Marke. Das Kompakt-SUV kommt im Oktober 2012.
Bild: Werk
Zu den zuletzt von Opel vernachlässigten Segmenten gehören etwa die Bereiche SUV und Kleinwagen. Diese Lücken werden bald mit dem Mokka (Oktober 2012) und dem Adam (Anfang 2013) geschlossen. Zudem sei noch ein Kleinstwagen (Citycar) geplant, so Sedran. Im März 2013 will Opel wieder ein Mittelklasse-Cabrio auf Astra-Basis namens Cascada in den Verkauf bringen. Große Limousinen plant Opel hingegen nicht. Sedran: "Das Segment oberhalb des Insignia schrumpft eher.“
Der Zehn-Jahres-Plan sei vom neuen Managementteam ausgearbeitet worden, zusammen mit GM-Vize Steve Girsky, der dem Aufsichtsrat der Adam Opel AG vorsitzt. Darin sind milliardenschwere Investitionen in neue Fahrzeuge vorgesehen. Auch der finanzielle Rahmen sei mit GM abgestimmt. Zahlen nannte Sedran nicht, sagte aber: "Mit diesem Portfolio an neuen Fahrzeugen und Motoren werden wir wieder auf die Erfolgsspur kommen." Darüber hinaus verhandelt das Management mit dem Partner PSA Peugeot-Citroën über Synergien durch Kooperationen bei Einkauf, Logistik und Entwicklung. Spekulationen über Pläne, französische Autos in Rüsselsheim zu bauen, wies Sedran zurück: "Wir haben hierzu keine Entscheidungen." Es gebe jede Menge Gerüchte, "aber die sind meist falsch".

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Krisen-Management: Kurzarbeit bis Ende 2012

Die Rückkehr zum Erfolg strebt Sedran vor allem in Europa an. Einen massiven Eintritt der Marke Opel in den boomenden chinesischen Automarkt – wie von der Arbeitnehmerschaft gefordert – schließt er aus. Stattdessen stehe vor allem Russland im Focus: "Russland ist mein China. Das ist für uns die Chance, da gibt es eine hohe Affinität zur Traditionsmarke Opel", erklärte der Manager. In den ersten sieben Monaten 2012 legte Opel im größten Land der Erde um 29 Prozent zu und wuchs damit mehr als doppelt so schnell wie der Markt. Nach 67.600 verkauften Autos 2011 sollen es in diesem Jahr mehr als 80.000 sein. In China setzt Opel gerade einmal 5000 Wagen jährlich ab.
Ungeachtet aller herben Verluste rechnet Opel 2012 mit einem Millionen-Absatz. "Wir werden auch dieses Jahr wieder deutlich über eine Million Fahrzeuge an Kunden verkaufen", sagte Sedran. 2011 verkaufte Opel 1,2 Millionen Autos.