Ein Seat Leon gegen Mercedes-AMG C 63 und Audi RS 6? Was wird denn das für eine Nummer? Nun, diese Geschichte geht so: Auf der Suche nach neuen Tuning-Kombis stießen wir auf Mathilda. Nein, nicht die Kleine aus der Nachbarschaft, sondern der gleichnamige Tuner. Inhaber Michael Paatz benannte seine Tuning- und Rennwagenschmiede (2016 mit TCR-Seat Leon VLN und 24h) vor einigen Jahren nach seiner Tochter. Und dieser Herr Paatz pries uns sein jüngstes Projekt, den Seat Leon Cupra RST, an. Auf unsere spaßig gemeinte Frage, ob es sein Spanier mit Gegnern jenseits der 600 oder gar 700 PS aufnehmen könne, hallte prompt ein lautes "Ja" durch den Telefonhörer.

Die brachiale Kraft holt SKN aus der Motorsteuerung

SKN Audi RS 6
Nomen est Omen: Die 730 steht für die Leistung. Dieses Exemplar entfesselte sogar 744 Pferdchen.
Mit gemischten Gefühlen nahmen wir sein Angebot an – nicht ohne ihn noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es sein Zweiliter-Spielzeug mit einer 612 PS starken C-Klasse von Performmaster und einem 744 PS starken RS 6 von SKN zu tun bekäme. Dagegen dürfte der 480 PS starke Seat wirklich alt aussehen, oder? Wir rechnen kurz durch: 242 PS pro Liter, drei Kilo pro PS – wow! Das könnte ja doch spannend werden. Auch Ralf Nissel von SKN ist wie Paatz kein Kind von Traurigkeit. Sein neues Werk hört auf den Namen RS 6 730. Der Zusatz steht freilich für die Power, jedenfalls die des offiziellen Kits. 5490 Euro berechnet der Tuner für die 170 Extra-PS. Der blaue Testwagen stand ab Werk schon so gut im Futter, dass die Leistungsmessung gar 744 PS ergab. Ein derartiges Plus klingt schwer nach Turboumbau. Doch SKN fasst die Mechanik nicht an. Nissel arbeitet vor allem und ausgiebig am Motormanagement, stimmt die Herstellersoftware im Kennfeldbereich ab. Dazu spendiert er dem V8 etwas mehr Drehzahl.

Der RS 6 rückt näher an die Fahrbahn bekommt breitere Reifen

SKN Audi RS 6
Asphaltkleber: SKN sorgt mit neuem Fahrwerk und breiten Reifen für besten Fahrbahnkontakt.
Um im Stage-3-Kit die volle Mehrleistung zu mobilisieren, ist ein Wechsel der kompletten Auspuffanlage ab Turboladern unumgänglich. SKN montiert statt ihrer eine großvolumige Milltek-Klappenabgasanlage. Zwischengeflanscht sind zudem zwei 200-Zellen-Sportkats. Die Endrohre beließ SKN beim Testwagen im Originalzustand, andere Designs sind aber möglich. Die Klappen lassen sich per Fernbedienung öffnen und schließen. Zum RS 6 730-Umbau zählen außerdem ein Tieferlegungsmodul für das elektronische Serienfahrwerk (- 30 Millimeter) sowie ein neuer Radsatz. Auch hier hat Nissel nicht gekleckert, sondern geklotzt. Serie sind 20 Zoll, auch 21-Zöller sind ab Werk zu haben; Nissel ging dazu noch in die Breite. So bedient er sich bei Schmidt Revolution und bestückt beide Antriebsachsen mit 10,5 x 21-Zöllern samt 295/30er-Conti SportContact 6. Die Bremse beließ er im Serienzustand.Die Stopper des C 63 S T-Modells von Performmaster wurden bereits ab Werk aufgerüstet. Für 4998 Euro verzögert die Vorderachse nun keramisch, die Sportabgasanlage wurde ebenfalls gleich mitbestellt. Alles Weitere steuert der Tuner bei.

Performmaster dürfte die Spoiler beim C 63 S ruhig weglassen

Performmaster C 63 S
Der Dachspoiler des Performmaster C 63 S erhöht die Windgeräusche bei hohem Tempo erheblich.
Der Name Performmaster klingt neu in der Mercedes-Szene, dabei ist man seit 27 Jahren im Business tätig. Bislang eher im Hintergrund aktiv, geben Udo Heinzelmann und sein Team nun auch an der Tuningfront ordentlich Gas. Beim neuen Vierliter-Biturbo des C 63 S kommt das sogenannte PEC Tuningmodul zum Einsatz – eine Zusatzbox, die dem Motorsteuergerät vorgeschaltet wird. Sie versorgt die Bordelektronik mit neuen Kenndaten für unter anderem eine höhere Benzinzufuhr und mehr Ladedruck. Ergebnis: Statt 510 wüten nun 612 PS in der C-Klasse. Damit diese nicht ständig in die 250-km/h-Begrenzung donnert, ist die Vmax-Anhebung auf 310 km/h beim PEC-Modul inklusive. Doch Performmaster macht nicht nur Power, sondern auch Beine. An den Achsen rotieren schwarze Kreuzspeicher in 8,5 und 10 x 20 Zoll, besohlt mit Michelin Super Sport. Für etwas mehr Pfeffer im Auftritt sorgen ein Satz Front-Cupwings und ein Dachspoiler von Piecha. Leider geht mit dieser Maßnahme eine deutliche Zunahme der Windgeräusche einher.

Bis auf ein paar Aufkleber ist der Leon von Mathilda serienmäßig

Mathilda Seat Leon
Wolf im Schafspelz: Der Leon von Mathilda bleibt äußerlich im Serienlook – unterm Blech tobt ein Biest.
Inzwischen ist auch der Mathilda in der Redaktion angekommen. In Erwartung eines ultrafetten Seat eilen die Kollegen gleich zur Begrüßung. Doch was da vom Hänger rollt, ist äußerlich die blanke Serie. Höchstens die orangen Räder aus dem ab Werk erhältlichen Performance-Paket fallen ins Auge. Schön, die Sponsorenleiste oberhalb des Schwellers klingt verheißungsvoll: Pagid, KW und HJS steuern Bremsbeläge, Gewindefahrwerk und Sport-Kat bei. Ein Name fehlt jedoch: HGP. Turbo-Papst Martin Gräf höchstpersönlich legte bei diesem ursprünglich 290 PS starken Seat-Motor Hand an. Das Innenleben blieb weitgehend Serie, dafür beschäftigte er sich mit dem Turbolader, der nun sage und schreibe 2,0 Bar maximalen Druck liefert. Direkt an der Turbine sitzen der Sportkat und eine völlig neu konstruierte Sportauspuffanlage. So wie man es von HGP kennt, macht dieser Klangkörper optisch nicht auf dicke Hose, sondern erscheint im Serienlook. Doch der Sound, der den beiden ovalen Rohren entweicht, ist einfach rattenscharf. Unglaublich, dass ein Vierzylinder derart klingen kann! Allen, deren Stirn sich in Sorgenfalten legt angesichts von 242 PS Literleistung bei entsprechendem Ladedruck, sei gesagt, dass die HGP-Truppe weiß, was sie tut. Damit das Doppelkupplungsgetriebe vor der Power nicht kapituliert, erhielt es zusätzliche Lamellen, die Schaltzeiten wurden verkürzt und etwas mehr Drehzahl spendiert.
Wie sich die drei Power-Kombis fahren, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Sicher, rein nach der Längs- und Querdynamik heißt der Sieger natürlich SKN RS 6 – der blaue Kombi ist eine wahre Macht. Doch die Krone dieses Vergleichs erhält der Mathilda Seat. Warum? Subjektiv flasht er am meisten, rennt fast 300 Sachen, kostet im Vergleich zur Konkurrenz aber – wenn überhaupt – gerade mal die Hälfte. Auch der Performmaster macht Spaß, ist schneller als die Serie, hadert aber etwas mit dem Tuning.