Peugeot 208 110 e-DSC6, Seat Ibiza 1.0 TSI: Test
Zwei mit Schmiss und Biss: Peugeot 208 trifft auf Seat Ibiza

Voll vernetzt, mit Assistenzsystemen, sparsam – so gehen Kleinwagen heute. Gute Beispiele: die Klassiker Peugeot 208 und Seat Ibiza.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Es war einmal ... Kleinwagen waren klapprig, vorrangig dürr motorisiert, ärmlich gepolstert, mäßig ausgestattet. Aber auch günstig. Das hat sich längst gedreht. Über den ersten Aspekt freuen wir uns natürlich. Typen wie der schnieke Peugeot 208 zeigen, dass kleine Typen längst vollwertige Alltagsbegleiter sind.
Zwei Kleinwagen im Test
Punkt Nummer zwei: Na ja – da müssen wir wohl durch. Mehr Technik, mehr Komfort und mehr Tempo kosten halt Geld. Auch hier das Beispiel Peugeot 208: Für den verlangen die Franzosen (als 110 PS starken Hybrid 110 e-DSC6 mit hohem GT-Ausstattungsniveau, leichter Hybridisierung und Doppelkupplungsautomatik) fast 31.000 Euro. Ist er das viele Geld wert?
Testwagenpreise über 30.000 Euro
Das prüfen wir im Abgleich mit einem sehr ähnlich gestrickten Konkurrenten. Der gerade leicht überarbeitete Seat Ibiza 1.0 TSI setzt als FR ebenfalls auf eine umfangreichere Ausstattung, einen 116 PS starken Dreizylinder-Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung (1.0 TSI DSG), der seine Kraft so wie der Franzose über ein Direktschaltgetriebe an die Vorderräder leitet. Der Ibiza kostet in dieser Ausführung ab 28.300 Euro.

An der Kasse eher unbescheiden: Inklusive aller testrelevanten Extras werden für den Seat 30.175, für den Peugeot 31.885 Euro fällig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Und damit nicht genug. Denn auch die besseren Ausstattungslinien der beiden sind noch ausbaufähig. Genauer: Sowohl bei der Fahrassistenz als auch bei der Komfortausstattung lässt sich zusätzlich nachjustieren. So rechnen wir beim Peugeot das Sicht- und Navipaket hinzu. Das erhöht den Kaufpreis (inklusive weiterer Extras, die für diesen Test relevant sind) auf 31.885 Euro. Auch der Seat folgt dieser Linie. Inklusive Ablagenpaket (mit variablem Gepäckraumboden), 9.2-Multimediasystem und weiteren Optionen kommen wir auf unbescheidene 30.175 Euro Kaufsumme für den Ibiza FR.
Fahrzeugdaten
Modell | Peugeot 208 110 e-DSC6 GT | Seat Ibiza 1.0 TSI DSG FR |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid | Dreizylinder, Turbo |
Hubraum | 1199 cm³ | 999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 81 (110)/5500 | 85 (116)/5500 |
Nm bei 1/min | 205/1750 | 200/2000 |
Vmax | 193 km/h | 200 km/h |
Getriebe | Sechsgang-Doppelkupplung | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Verbrauch* | 4,6 l/100 km | 5,5 l/100 km |
Tankinhalt | 44 l | 40 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1200/645 kg | 1100/580 kg |
Stützlast | 55 kg | 50 kg |
Kofferraumvolumen | 309–1004 l | 355–1165 l |
Länge/Breite/Höhe | 4055/1745–1960**/1430 mm | 4059/1780–1942**/1447 mm |
Radstand | 2540 mm | 2564 mm |
Grundpreis | 27.215 Euro | 25.340 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 31.885 Euro | 30.175 Euro |
Außerdem müssen wir die Folgekosten betrachten. Hier steht der Seat besser da. Sowohl bei den Fixkosten als auch in Sachen Wartung kommt das Auto günstiger. Zählen wir zusammen, geht das Kostenkapitel an den Seat. Zumal sein stärkerer Motor hier einen nur minimal größeren Durst als der Franzose bewiesen hat.
Fahrleistungen auf Augenhöhe
Sowohl Datenblätter der Hersteller als auch unsere Messreihen belegen dagegen: Im Prinzip liegen die beiden sowohl konzeptionell als auch bei den Fahrleistungen auf einem Niveau. In beiden Typen generieren recht emsige Dreizylindermotoren die Leistung, rund 200 km/h Höchstgeschwindigkeit liegen an, den Spurt auf Tempo 100 packen die Kleinwagen in rund zehn Sekunden.

Auf Sportschuhen: passend zur FR-Linie straff abgestimmtes Fahrwerk des Seat Ibiza, agiles Fahrgefühl.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Obwohl der Peugeot über etwas mehr Hubraum (hier ist ein 1.2er am Werk) und zusätzliche Kraft aus einer 48-Volt-Elektromaschine verfügt, zieht er nur gefühlt und auf den ersten Metern satter an. Speziell niedrige Drehzahlen überdeckt die kleine E-Maschine erfolgreich, gibt den spürbaren Extra-Schubser mit auf den Weg, kann unter entspannten Bedingungen – sprich lastfreiem Umherrollen – sogar rein elektrisch fahren. Unseren Messungen nach sieht das anders aus. Die Werte zeigen nämlich, dass im mittleren Drehzahlbereich fast Gleichstand herrscht.
Verzögertes Ansprechen kostet im 208 Nerven
Dazu kommt: Ein durchgetretenes Gaspedal hat immer ein verschlafenes Ansprechen zur Folge. So wirkt der 208 verhaltener und mühevoller bei Überholsprints. Auch in anderen Bereichen haben wir diese "Müdigkeit" festgestellt und als störend empfunden. Starttaste, Gangwahl, Bedienleiste unterhalb des Touchscreens, Lösen der E-Handbremse – alles reagiert verzögert, verhalten, spät. Wir fassen das so zusammen: Der Umgang mit dem 208 kostet Nerven.

Das Interieur des 208 ist eher farblos gestaltet, die Materialien aber ansehnlich. Leider reagieren viele Systeme etwas verzögert.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Seat flutscht es dagegen. Allein der "echte" Wählhebel der Automatik schließt Fehlbedienungen aus, dazu kommen schnell reagierende Tasten und das fehlerfrei arbeitende Schließsystem (ohne Schlüssel). Und: Das Cockpit mit angedeuteten "klassischen Uhren" ist schneller erfassbar als das kleinteilige Mäusekino des 208.
Messwerte
Modell | Peugeot 208 Hybrid 110 e-DSC6 | Seat Ibiza 1.0 TSI DSG |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,4 s | 3,5 s |
0–100 km/h | 10,0 s | 9,7 s |
0–130 km/h | 17,1 s | 16,0 s |
0–160 km/h | 30,0 s | 26,7 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 5,7 s | 5,4 s |
80–120 km/h | 7,6 s | 6,9 s |
Leergewicht/Zuladung | 1270/420 kg | 1177/523 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 64/36 % | 61/39 % |
Wendekreis links/rechts | 10,7/10,7 m | 10,9/10,9 m |
Sitzhöhe | 550 mm | 565 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,3 m | 36,1 m |
aus 100 km/h warm | 34,7 m | 35,2 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 60 dB(A) | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 71 dB(A) | 70 dB(A) |
bei 160 km/h | 75 dB(A) | 75 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 4,8 l S/100 km | 5,2 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,0 l S/100 km (+30 %) | 6,3 l S/100 km (+15 %) |
Sportverbrauch | 8,0 l S/100 km | 8,3 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 142 g/km | 147 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 733 km | 634 km |
Komfort im Peugeot, Sport im Seat
Der Peugeot kompensiert seine kleine Bedienschwäche über die komfortablere Fahrwerksauslegung. Dank der feiner reagierenden Federung wirkt das Auto erwachsener und läuft in der Folge stressärmer auf schlechten Straßen. Obwohl die Lenkung arg spitz reagiert (unter dem typischen, sehr kleinen Lenkradkranz) und schnelle Richtungswechsel mit mehr Ansatz zum Lastwechselübersteuern ausgehen.

Dynamiker: Im Seat Ibiza steckt mehr Fahrspaß, das Auto fühlt sich leichter und aktiver an. Dazu passen Lenkung und Bremsgefühl.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Den Ibiza hat Seat auf Sport gestellt. Er nimmt kaputte Straßen unter kurzhubigeren Federbewegungen auf, rollt zudem spröder ab. Gleichfalls wird die Maschine unter Last und Drehzahl präsenter als der 1.2er im 208. Dafür fühlt sich der Ibiza leichter und aktiver an, Lenkung und Bremsgefühl – wobei die effektivere Bremsanlage im Peugeot steckt – passen bestens zu einem Kleinwagen mit 116 PS. Im flinken Seat steckt somit tatsächlich ein kleiner Heißsporn. Auch seine Sitze stützen seitlich besser als die weniger konturierten Sessel des 208.
Platzierung
Modell | Seat Ibiza 1.0 TSI DSG FR | Peugeot 208 110 e-DSC6 GT |
|---|---|---|
Punkte* | 522 | 504 |
Platz | 1 | 2 |
Testnote | 2,5 | 2,7 |
Fazit | Handliches Fahrgefühl, gute Fahrleistungen, funktional –und insgesamt sogar ein Stückchen günstiger als der Franzose. | Die leichte Hybridisierung des Antriebs spielt er nicht vollends aus. Gut: Komfort und Ausstattung. |
Noch etwas ist uns am Ibiza positiv aufgefallen: Er macht Fondgäste glücklicher. Einsteigen fällt leichter, die Platzverhältnisse sind großzügiger, das Raumgefühl wirkt entspannter. So fährt der Spanier letztlich an die Spitze.
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