Da gab es nichts schönzureden. Mit den Schlussrängen elf und zwölf blieb Peugeot bei den 24 Stunden von Le Mans deutlich hinter den Erwartungen zurück – vor allem hinter den eigenen. Dabei hatten die Franzosen zuletzt noch Hoffnung schöpfen dürfen.
Der Saisonauftakt in Imola verlief mit den Plätzen vier und 15 im Qualifying sowie zwölf und 16 im Rennen zwar durchwachsen, hinterließ aber den Glauben an ein mögliches Leistungshoch. Und beim zweiten Lauf in Spa startete der junge Däne Malthe Jacobsen tatsächlich von der Pole Position, während im Rennen Platz sieben, aber auch ein Ausfall heraussprangen.
Nun also Le Mans, das Saison-Highlight. Über 350.000 Zuschauer meldete der Veranstalter ACO über das Wochenende. Peugeot-Boss Alain Favey resümierte: „Klar, das Ergebnis entspricht nicht unseren Erwartungen. Dass wir kein Podest einfahren – damit kann ich leben. Aber Performance stelle ich mir anders vor.“
Der smarte Konzernlenker gibt offen zu: „In Spa standen wir noch auf der Pole Position. Auch Imola war für uns erfreulich. Aber unser Qualifying hier hat mich sprachlos gemacht. Das war ein großer Schock.“

Die BoP machte Peugeot zu schaffen

Nun sind Spa und Imola andere Strecken als Le Mans. Zumindest Spa gilt mit seiner langen Geraden als einigermaßen aussagekräftig für die Sarthe. Doch die technische Ausgleichsregel Balance of Performance (BoP), die die beiden Hypercar-Kategorien LMH (Le Mans Hypercar) und LMDh (Le Mans Daytona Hybrid) auf ein vergleichbares Leistungsniveau bringen soll, wird für Le Mans separat festgelegt.
Peugeot hatte sich für die 24 Stunden von Le Mans deutlich mehr vorgenommen.
Bild: FIA WEC / DPPI
Dies geschieht, um den Herstellern beim wichtigsten Rennen des Jahres das vorsätzliche Verschleiern der eigenen Leistungsfähigkeit zu erschweren. „Sandbagging“ nennt man dieses Vorgehen im Fachjargon. Und plötzlich fand sich Peugeot im sprichwörtlichen Nirgendwo wieder. Die Franzosen nahmen am Rennen teil – mehr aber auch nicht.

Vier Sekunden pro Runde auf Toyota verloren

Analysiert man die schnellsten 20 Rennrunden jedes Herstellers, lässt Peugeot lediglich WEC-Neuling Genesis knapp hinter sich. Toyota, Cadillac, BMW, Ferrari, Alpine und Aston Martin lagen dagegen allesamt vor der Truppe aus Satory bei Versailles.
Regelmäßig fehlten den schwarz-rot-weiß folierten 9X8 rund vier Sekunden pro Runde auf die späteren Sieger von Toyota. Von den insgesamt 54 Hypercar-Piloten zeigten die Peugeot-Fahrer zudem eine geschlossene Mannschaftsleistung im negativen Sinne: Sechs der sieben langsamsten Fahrer des Feldes stammten aus dem Lager der Marke mit dem Löwen.

Neuer Anlauf für 2027

Favey verweist zugleich auf personelle Veränderungen innerhalb des Programms. Bei Peugeot Sport hat inzwischen Emmanuel Esnault die Verantwortung übernommen, nachdem der inzwischen pensionierte Jean-Marc Fantin zu Jahresbeginn ausgeschieden war. Olivier Jansonnie bleibt Technikchef.
Für die kommende Saison soll der 9X8 erneut umfassend überarbeitet werden.
Bild: FIA WEC / DPPI
„Auch was das Teammanagement und die Organisation betreffen, passiert bei uns viel“, sagt Favey. Gleichzeitig fordert er: „Wir müssen uns schneller verbessern. Und wir müssen die Ergebnisse jetzt ganz genau analysieren und in den nächsten Wochen die Dinge anpacken.“
Denn dem Peugeot-CEO ist klar: „Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich bei uns nicht wiederholen.“
Die gründliche Analyse ist damit Pflicht. Gleichzeitig müssen wichtige Rahmenbedingungen stimmen. Peugeot wird auch künftig mit Partner TotalEnergies zusammenarbeiten, der einen großen Teil des Budgets für den 9X8-Einsatz beisteuert. Zum Energiekonzern gehört auch Ausrüster Saft, dessen Batterien im Peugeot verwendet werden.
Für einen langfristigen Verbleib in der Langstrecken-WM ist für Favey zudem Planungssicherheit entscheidend: „Dass das Reglement bis 2030 so bleibt, ist uns wichtig. Denn so lohnt es sich, auf Basis des jetzigen 9X8 die Lösungen zu suchen.“
Also weiter wie bisher? Wohl kaum. Für die kommende Saison soll der 9X8 erneut umfassend überarbeitet werden. Favey sagt dazu: „Man muss dem Auto Laufzeit geben.“
Autor: Gregor Messer