Hauptsache auffällig – das scheint bei vielen Herstellern aktuell Trend zu sein, schaut man sich bei den Reisemobilhändlern um. Die Höfe stehen voll mit kernigen, höhergelegten Offroadcampern, die alles verbaut haben, was man für eine Weltreise so braucht. Denn selbst wenn die meisten dieser Reisemobile den europäischen Kontinent und asphaltierte Straßen selten verlassen: Das Auge fährt schließlich mit.
Natürlich ist dieser Trend auch an den Franzosen nicht vorbeigegangen. Die Firma Pilote setzt bei der neuen Atlas-Reihe ebenfalls auf den kernigen Look, den Ford optional im Programm hat, verzichtet aber auf weiteres Bling-Bling. Besonders in Sachen Aufbau steht eher Understatement auf dem Programm. Unser Testwagen, der schmale Teilintegrierte A656D, macht im Gesamtpaket einen sehr coolen, aber nicht unbedingt spektakulären Eindruck. Das Besondere sind seine inneren Werte.
Von außen wirkt der Pilote Atlas recht konservativ. Der Innenraum ist aber besonders.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Das ist der Pilote Atlas A656D

Ein Franzose durch und durch! Das merkt man vor allem an dem für deutsche Verhältnisse ungewöhnlichen Grundriss. Während viele Camper hierzulande nicht immer, aber sehr häufig auf einen klassischen Grundriss aus Längseinzelbetten im Heck setzen, sind unsere westlichen Nachbarn um einiges experimentierfreudiger. Im Heckbereich des Atlas A656D sind nämlich Toilette, Dusche und ein begehbarer (!) Kleiderschrank untergebracht, in dem zwei Erwachsene im Winter sogar problemlos ihre Skikleidung unterbekommen.
Geschlafen wird hingegen im mit 1,40 Meter Breite recht kuscheligen Hubbett, das über der großen Face-to-Face-Sitzgruppe elektrisch heruntergefahren wird. Der Fokus liegt klar auf dem Wohnkomfort. Obwohl nur ein einziges festes Bett verbaut ist, können im Wohnbereich bequem sechs Erwachsene Platz nehmen oder zwei gemütlich fläzen. Da das Bett tagsüber unter dem Dach verschwindet, bleibt im mit 6,60 Meter kompakt ausfallenden Atlas jede Menge Raum für Bad und Stauraum. Diese Aufteilung ist am Ende Geschmackssache, aber in jedem Fall durchdacht und erfrischend. So wie das edle und zeitlose Innendesign auch.
Durch den ungewöhnlichen Grundriss bietet der Wohnraum enorm viel Platz.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Dank der 60-Jahre-Sonderedition eine Menge an nützlichen Optionen, die man als Camper gern in der Ausstattungsliste liest: zwei Solarmodule, Markise, Rückfahrkamera, Infotainmentsystem (Pioneer), elektrische Feststellbremse und Reifendrucksensor zum Beispiel.
Leider sorgt gerade diese Editionsausstattung auch für Verwirrung. Der Atlas fährt nämlich nicht nur mit dem markanten mattschwarzen Kühlergrill samt fettem Ford-Schriftzug im Stile des Ford Raptor vor, sondern trägt am unteren Rand des Fahrerhauses auch noch stolz die Aufschrift "Trail".
Motorisierung
2.0 EcoBlue 170 
Leistung
125 kW (170 PS) bei 3500/min 
Hubraum
1995 cm3 
Drehmoment
405 Nm bei 1750/min 
Höchstgeschwindigkeit
140 km/h 
Getriebe/Antrieb
Sechsstufenautomatik/Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
70 l/Diesel 
Länge/Breite/Höhe
6600/2200/2880 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung
ca. 3015/485 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
1150/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis
72.500 Euro / 83.500 Euro 
Der Ford Transit Trail ist der etwas zahmere Bruder der 4x4-Version, der mit einem klassischen Frontantrieb unterwegs ist, aber für schwierige Untergründe wie Matsch oder Sand ein mechanisch sperrbares Differenzialgetriebe an Bord hat. Dieses Sperrdifferenzial sorgt dafür, dass die Antriebskraft nicht auf das Rad mit dem geringsten Widerstand (und damit dem größten Schlupf) gelenkt, sondern gleichmäßig auf beide Räder verteilt wird. Besonders für schwere und hecklastige Reisemobile, die schon auf nassen Wiesen zum Festfahren neigen, ist dieses Konzept perfekt, denn nicht alle Camper wollen und brauchen einen schweren und teuren Allradantrieb in ihrem Wohnmobil.
Die Franzosen lieben es kuschelig. Ins 1,40 Meter breite Hubbett passen zwei Camper, die sich mögen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Allerdings fällt beim genaueren Studieren der Preisliste auf: Der Atlas A656D ist ein Blender. Unser Testwagen sieht zwar aus wie die Trail-Variante, ist aber nur ein herkömmlicher Fronttriebler ohne erwähntes Sperrdifferenzial. Für Käufer des teilintegrierten Atlas gibt es lediglich den kernigen Look, aber nicht den kernigen Camper. Hinzu kommt, dass Pilote diese rein optische Ausstattung auch noch irreführend als Offroad-Paket vermarktet. Das kann besonders bei Kunden falsche Erwartungen wecken. In den Kastenwagen-Modellen der Pilote-Atlas-Reihe gehört der echte Ford Transit Trail übrigens zur großen Editionsausstattung – inklusive sperrbarem Differenzialgetriebe.

So fährt der Pilote Atlas

Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass man besser auf Asphalt bleiben sollte, fährt sich der Pilote Atlas äußerst komfortabel. Der Transit ist schon lange kein asketischer Lastenesel mehr, sondern eine solide Reisebasis, die mit einem modernen Pkw mithalten kann. Das zeigt allein die zugstarke 170-PS-Dieselvariante in der Kombination mit der sauber agierenden Sechsstufenautomatik und den schwarzen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, alles Standard in der "60 Jahre Edition".
Satte 170 PS sind Standard in der Pilote-Atlas-Reihe. Damit sind Camper für jede Gelegenheit gerüstet.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Mit nur 6,60 Meter Länge gehört unser Testwagen außerdem zu den mittelgroßen Vertretern seiner Art. Heißt genau: kein ewig langer Radstand, kein Wenden in 15 Zügen, kein ausladendes Heck, das man ständig im Auge behalten muss. Die schmale Silhouette von nur 2,20 Meter Breite unterstreicht diesen Eindruck und sorgt auch noch für eine enorm gute Übersicht in den großen Seitenspiegeln.
Das Fahrwerk des Ford Transit ist straff und gibt präzises Feedback. Nur auf schlechteren Straßen wird es etwas rumpeliger, auch im Aufbau – ein Leiden, zu dem sehr viele Reisemobile neigen. Außerdem erreichen das Zirpen der Fensterrollos sowie das Pfeifen der vorderen Dachluke die Ohren des Fahrers oder der Fahrerin. Letzterem könnte möglicherweise ein Spoiler an der Dachhaube entgegenwirken. Wer hinten mitfahren möchte, sollte allerdings einen stabilen Magen haben. Der dritte Gurtplatz ist rückwärts ausgerichtet.

Fazit

Die goldene Mitte aus Wohnlichkeit und Praktikabilität – dem Pilote Atlas A656D gelingt dieses Kunststück. Aufbau und Grundriss sind edel und durchdacht. Was wir uns wünschen: Einen Atlas, auf dem nicht nur Ford Transit Trail draufsteht, sondern auch drinsteckt.