Die Zukunft der Elektromobilität kommt mit kleinen Schritten – aber die hinterlassen große Spuren. Zum Beispiel am Fahrbahnrand der französischen Autobahn A10 südwestlich von Paris: Auf Höhe der Ortschaft Angervilliers werden gerade auf einem zwei Kilometer langen Teilstück in jede Richtung große Metallelemente in die Fahrbahn eingelassen. Bei den Platten handelt es sich um Sendespulen für induktives Laden.
Einmal in Betrieb, erzeugt das System ein starkes elektromagnetisches Feld über der Fahrbahn. Fahren E-Autos mit einer entsprechenden Empfängerspule unter dem Wagenboden darüber hinweg, kann der gewonnene Strom den Akku füllen oder direkt den Elektromotor antreiben. Damit wäre es möglich, mit einem Elektroauto längere Strecken zurückzulegen, ohne zwischendurch den Akku an einer Ladestation stehend aufladen zu müssen.

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Hinter dem Projekt steht ein Konsortium aus Europas größtem privaten Autobahnbetreiber Vinci Autoroutes mit weiteren Unternehmen und dem israelischen Start-up Electreon. Das experimentiert weltweit mit induktiven Ladelösungen im Verkehr. Firmen-Motto: "Wir laden den Weg nach vorn." Bei dem Versuch im Herzen Frankreichs soll ausprobiert werden, inwieweit Elektroautos auf längeren Strecken während der Fahrt laden können – induktiv, also kabellos. Das Budget in Höhe von 26 Millionen Euro stellt die französische Regierung. Nach Angaben von Vinci Autoroute ist es das erste weltweit.
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Das Pilotprojekt nahe der französischen Hauptstadt besteht aus einer zwei Kilometer langen Induktions-Trasse innerhalb der Fahrbahn.
Bild: Caroline Gasch

Induktives Laden auf der Straße: Studie empfiehlt 3000-km-Netz bis 2030

Das Konsortium beruft sich auf eine Studie im Auftrag der französischen Regierung, der zufolge induktive Ladetrassen die Emissionen von Lkw um 86 Prozent (im Vergleich zu Dieselantrieb) reduzieren könnten. Das zugrunde liegende Szenario setzt bereits 2030 ein 3000 km langes Netz solcher Autobahnstrecken mit induktivem Laden voraus, das bis 2035 auf 9000 km wachsen könnte. Vorausgesetzt, alle technischen Probleme wären bis dahin gelöst.
Um das zu klären, schrieb die Regierung das Projekt aus. Bei dem wird vorläufig nur die rechte Spur induktiv elektrifiziert. Ab April 2025 werden verschiedene Testfahrzeuge, darunter ein Linienbus und ein Lastwagen, regelmäßig die Strecke befahren. Zuvor waren bereits Versuche auf einer nicht öffentlichen Teststrecke durchgeführt worden.
Der Autobahn-Test ist nun der nächste Schritt, der die Praxistauglichkeit bei fließendem Verkehr untersuchen soll. Dabei geht es auch um die Haltbarkeit. Hierfür ist das System sehr robust ausgelegt und kann während der Nutzung elektronisch überwacht werden, teilt Electreon mit. Die Laufzeit der Untersuchung beträgt drei Jahre, eine Partner-Universität wertet die Ergebnisse aus.

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Schwerlastverkehr im Fokus

In erster Linie will das israelische Unternehmen damit dem Schwerlastverkehr elektrisch auf die Sprünge helfen: Würden Teilstrecken mit induktiver Ladefunktion ausgestattet, dann könnten in solche Fahrzeuge wesentlich kleinere Akkus eingebaut werden. Das verringert ihr Gewicht, erhöht die Nutzlast, schont die Straßen und senkt die Anschaffungskosten. Auch in Deutschland gibt es bereits Teststrecken für induktives Laden.
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Vinci Autoroutes plant, bei Erfolg weitere Strecken mit dem induktiven Ladesystem auszustatten.
Bild: Caroline Gasch
Wann genau wird die Technologie nutzbar sein? Das kann bisher noch keiner genau sagen. Statisches induktives Laden, etwa beim Parken, ist jedenfalls kurz vor der Marktreife. Der Zulieferer Mahle hat Anfang 2024 ein System vorgestellt, mit dem sich Elektroautos bequem und störungsfrei über einer induktiven Bodenplatte platzieren lassen.
Die mächtige US-Organisation SAE hat die Technologie derart überzeugt, dass sie diese zum weltweiten Standard erklärt hat. Und kürzlich gelang es einem namhaften amerikanischen Forschungsinstitut, den Akku eines Porsche Taycan induktiv mit Ladeleistungen zu füllen, die an konventionelle, kabelgebundene Schnelllader heranreichen.