Eigentlich geht nichts über meinen Niva, denke ich, als mich die AUTO BILD-Redaktion anruft und fragt, ob ich meinen Dienst-Lada mal zwei Wochen gegen einen Polaris Ranger tauschen würde.
Ranger, Polaris? Noch nie von dem Ding gehört. Hat das Teil überhaupt Türen, eine Windschutzscheibe und ein Dach? Ja, alles dran, beruhigen mich die Redakteure. Und weil sie den kleinen Kraxler als ideales Einsatzfahrzeug für unser Kieswerk anpreisen, willige ich schließlich in den Deal ein. 
Die Erstbegegnung fällt ein wenig ernüchternd für mich aus. Wie versprochen gibt es eine geschlossene Fahrgastzelle. Doch dass die Leihgabe in Sachen Komfort noch einmal deutlich sparsamer als mein Niva auftritt, hätte ich so nicht erwartet.

Polaris Ranger XP 1000 EPS
Das Fahrverhalten des Polaris Ranger ist nicht ganz unkritisch.

Rauer Sandkasten-Kumpel

Vor meiner Jungfernfahrt mit dem Polaris lasse ich mir den widerspenstigen Wählhebel und die Sperren des zuschaltbaren Allradantriebs erklären. Sofort merke ich: Mein neuer Sandkasten-Kumpel ist ein ziemlich raues Bürschchen, will hart angepackt werden, weigert sich sonst, überhaupt loszufahren. Und besitzt bei der Bedienung obendrein noch die eine oder andere Tücke.
Wie sich das Abblendlicht einschalten lässt (Zündschlüssel nach dem Start eine Raste zurückstellen), hätte ich auch in den folgenden zwei Wochen wohl nicht allein herausgefunden. Beim Losfahren brüllt mich der nur einen Liter große Zweizylinder (der Niva hat doppelt so viele Brennräume) brutal zusammen.
Da stimmt doch etwas nicht, also gehe ich gleich wieder vom Gas. Tatsächlich liegt der Fehler bei mir – weil ich meinen Gehörschutz nicht aufgesetzt habe. Ohne wird die Fahrt im Polaris bereits nach kurzer Zeit zur Qual.

Polaris Ranger XP 1000 EPS
Keine Böschung zu steil, kein Untergrund zu lose. Mit kurzen Überhängen und Allrad erklimmt der Polaris jeden Gipfel in der Grube.

Völlig neue Perspektiven

Das kleine Biest kommt mir vor wie hungriger Tasmanischer Teufel, den man unter keinen Umständen in seinem Wohnzimmer loslassen möchte. Hier in der Kiesgrube darf sich der wilde Allradler aber ausgiebig austoben. Dabei erfahre ich schnell, dass mich der XP 1000 auch an Orte meines Arbeitsplatzes bringt, die ich so zuvor noch nicht erkunden konnte.
Der Grund: Der Polaris kämpft sich auf beinahe jeden Sandhaufen hinauf, ganz gleich wie steil oder frisch aufgeschüttet der Berg auch ist. Wie ich staunen fortan auch meine radladerfahrenden Kollegen, dass ich sie nun auch an den unwegsamsten Einsatzorten mit Ersatzteilen versorgen kann.

Polaris Ranger XP 1000 EPS
Trotz simpler Bedienung braucht es eine kurze Einweisung in die Polaris-Feinheiten.

Neue Prioritäten setzen

So richtig geschlossen ist die Fahrgastzelle des Polaris nicht, durch viele Ritzen kommt das Wasser. Für mich kein Ausschlusskriterium, schließlich bin ich stets mit regenabweisender Arbeitskleidung unterwegs. Und da passt es gut, dass man auch ganz dick eingepackt ohne Verrenkungen durch die hinten angeschlagenen, weit öffnenden Türen passt.
So begreife ich das Thema Komfort hier auf eine ganz neue Weise, erfreue mich angesichts der sonst rauen Sitten schon an der Innenraumheizung. Doch noch viel wichtiger: Außen wie innen lässt sich der Ranger mit dem Wasserschlauch abspritzen – auch das ein Zugewinn für mich, denn so einen Reinigungsakt würde mir mein Niva eher nicht verzeihen.

Der Polaris Ranger XP 1000 EPS im Alltagstest

Pendeln: Dauervollgas mag der Polaris nicht - Punkte 1/5

Einkaufen: Papiertüten können auf der Ladefläche nass werden - Punkte 2/5

Transportieren: Sperriges Gepäck lässt sich gut unterbringen - Punkte 3/5

Urlaub: Zum Baggersee um die Ecke geht’s, viel weiter bitte nicht - Punkte 1/5

Beruf: Festfahren gibt’s nicht, der Polaris wühlt sich überall durch - Punkte 5/5

Familienleben: Viel zu laut, trotzdem lieben ihn die Kinder - Punkte 2/5

Kurz gesagt

Was sagen die Nachbarn, wenn ich damit vorfahre? Irre Kiste! Darf ich mich mal reinsetzen?
Warum würde ich das Auto meinem besten Freund empfehlen? Weil man mit dem Polaris einfach überall hinkommt. Im Gelände gibt es nahezu kein Limit.
Was bleibt mir im Gedächtnis? Die Lautstärke! Kopfhörer sind hier Pflicht!

Technische Daten und Preis: Polaris Ranger XP 1000 EPS

• Motor Viertakt-Zweizylinder
• Hubraum 999 ccm3
• Leistung 60 kW (82 PS)
• Spitze ca. 90 km/h
• L/B/H 3050/1580/1960 mm
• Bodenfreiheit 330 mm  
• Anhängelast 1134 kg
• Leergewicht 775 kg
• Preis ab 25.559 Euro

Fazit

Meinem Chef habe ich den Kauf eines Polaris bereits ans Herz gelegt. In Anbetracht des überraschend hohen Kaufpreises knirschte der aber nur mit den Zähnen. Mein jetziger Dienstwagen kostete neu immerhin rund 10.000 Euro weniger.