Auf dem Plan stand eine kleine Ausfahrt ans Meer mit langem Spaziergang am Strand. Nichts Besonderes. Wäre nicht jemand auf die Idee gekommen, dafür den Polaris Ranger aus der Tiefgarage zu holen. Auch wenn er aussieht wie ein besseres Quad, handelt es sich immerhin um die Luxusausführung mit Kabine und Heizung.
Schon nach zwei Kilometern droht der Abbruch. Das Biest macht zwar einen Höllenlärm, fährt aber nicht schneller als 25 Sachen. Nach einigen Minuten macht Kollege Jan Horn den Telefonjoker und hat die Lösung: "Du musst dich anschnallen, sonst bleibt er im abgeregelten 'Workmodus'." Ich bin zwar angeschnallt, hab aber das Gurtschloss vom unbesetzten dritten Mittelsitz erwischt. Einmal umgesteckt und tatsächlich, es geht los.

Die Alltagsflucht am Brückentag kann beginnen. Mit seinen 82 PS drückt der Ranger in der Stadt mächtig voran, scheint mit den Vorderrädern abzuheben. Lenkung, Bremse und Straßenlage sind passabler als erwartet. Mit seinen Ballonrädern und 27,9 Zentimeter Federweg schluckt das Fun-car mehr als gedacht.
Polaris Ranger XP 1000 EPS
Einfachste Materialien und so gut wie keine Ausstattung in der Kabine.
Selbst die kerzengeraden Sitze mit ihrem dürftigen Verstellbereich gehen in Ordnung. Mit der Fliehkraftkupplung sorgen Neulinge beim Anfahren zwar für peinliche Bocksprünge, einmal in Fahrt geht es aber ruckfrei voran.

Laut, lauter Ranger

Die Heizung bollert wie ein Saunaofen, im Sommer kompensieren die herausnehmbaren Türen die fehlende Klimaanlage. Hartgesottene, die sich gern die Insekten aus den Zähnen pulen, können zusätzlich die Frontscheibe hochklappen. Das Problem liegt woanders. Der Ranger ist laut. Richtig laut. Schon im Stadtverkehr läuft er praktisch nie unter 4000 Touren, bei 90 auf der Autobahn sind es sogar 6000. Für uns Grund genug, beim nächsten Baumarkt anzuhalten. Ohne Ohrenschützer geht es nicht weiter.
Polaris Ranger XP 1000 EPS
Der Einliter-Zweizylinder drückt kräftig von unten raus, leistet souveräne 82 PS. Nur die fehlende Dämmung stört.

Unterhaltungen sind eh nur im Stand drin. Neben dem Lärm stört auch der Regen, der durch jede Ritze in die Kabine dringt. Der Verbrauch pendelt sich bei jenseits der 16 Liter ein. Die kurze Antwort zum Thema Pendler- oder Urlaubstauglichkeit lautet daher: Vergessen Sie’s! Der Ranger ist ein Schlammgrubensuchgerät, das dank Allrad und Stollenreifen mit Wonne über den Strand pflügt. Nach 310 Kilometern sind wir abends klatschnass und taub. Aber auch ein bisschen glücklich.

Der Polaris Ranger XP 1000 EPS im Alltagstest

Pendeln: Laut, auf der Autobahn langsam und durstig. Punkte: 1/5

Einkaufen: Gut zugängliche Pritsche, wendig und klein. Punkte: 3/5

Transportieren: Laderaum begrenzt, 1000 Kilo Anhängelast. Punkte: 3/5

Urlaub: Taugt nur als Ferienbegleiter, wenn man zu Hause bleibt. Punkte: 1/5

Hobby: Viel Offroadtalent, robuste Machart, alles abwaschbar. Punkte: 4/5

Familienleben: Zu klein, zu laut, keine passive Sicherheit. Punkte: 1/5

Über mich: Malte Büttner

Wohnort: Grasberg bei Bremen
Verkehrsanbindung: Halbe Stunde mit dem Auto bis Bremen, eine Stunde mit dem Bus
Laden/Tanken: 11-kW-Säule in 6 km
Nutzungsprofil: Homeoffice, einmal die Woche ins Büro
Lieblingsauto: Jaguar XJ6 S III
Was sagen die Nachbarn, wenn ich damit vorfahre? Jetzt ist er endgültig verrückt geworden.
Warum würde ich das Auto meinem besten Freund empfehlen? Weil ich ihn nicht selbst kaufen muss, aber ausleihen kann.
Was bleibt mir im Gedächtnis? Die spielende Leichtigkeit, mit der der Polaris im Schlamm wühlt. In so einem Moment kann man ihn nur lieb haben.

Polaris Ranger XP 1000 EPS

Motor Viertakt-Zweizylinder
• Hubraum 999 ccm3
• Leistung 60 kW (82 PS) Spitze ca. 90 km/h
• L/B/H 305/158/196 cm
• Bodenfreiheit 33 cm
• Anhängelast 1134 kg
• Leergewicht 775 kg
• Zuladung 454 kg
• Preis ab 25.559 Euro
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