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Video: Porsche Macan Turbo

Wie sportlich ist der Porsche Macan?

Wenn man es bei Licht betrachtet, werden die Modellbezeichnungen speziell deutscher Edelautos immer unzuverlässiger. BMW und Mercedes betreiben modellübergreifend bei ihren Ziffern – die früher recht zuverlässig den Hubraum angaben – dreiste Hochstapelei; und Porsche ergeht sich beim neuen, kompakten Familienmodell Macan in der nichtssagenden Bezeichnung "Turbo" für die – vorerst – leistungsstärkste Variante. Nichtssagend ist dies deshalb, weil es den Macan eh nur mit Turbomotoren gibt: Auch der derzeitige Basisbenziner Macan S holt seine 340 PS per Turboaufladung aus seinen drei Liter Hubraum; und der fast hubraumgleiche Diesel seine 258 PS sowieso. Aber es hilft nichts: Schon seit 1974 steht bei Porsche das Wort "Turbo" für die besonders potente Motorvariante eines Modells.
Blitzschnelles Familien-SUV auf Abwegen
Fühlt sich auf Wegen aller Art wohl: der Porsche Macan Turbo.
Damals blies der Lader dem Dreiliter-Boxer wütende 260 PS ein, die den 1,2 Tonnen leichten 911 schier zur Rakete machten. Im Macan reichen 3,6 Liter für 400 PS; und weil die mit fülligen 550 Nm Zugkraft gepaart sind, sähe die damalige Power-Ikone Porsche Turbo gegen den heutigen Macan Turbo kein Land – obwohl der knapp zwei Tonnen auf die Waage bringt: Schneller auf Hundert, höhere Spitze – und verglichen mit den damaligen 20 Litern wirken die heutigen 14,5 Liter Testverbrauch – ermittelt bei mehr als zügiger Fahrweise – geradezu genügsam. Im moderaten Alltagsbetrieb wird man zwar kaum auf die 8,9 Liter Normwert kommen, einstellige Werte vor dem Komma sind aber durchaus zu schaffen. Die Frage lautet allerdings: Ist es lustig, an der Ampel mit der verhaltenen Vehemenz eines Saugdiesel-Kleinlasters anzufahren, auf der Landstraße mit den Sonntagsausflüglern mitzuschwimmen – und auf der Autobahn bei Richttempo 130 den Tempomat zu setzen? Wo man doch weiß: Es ginge so ganz anders.
Blitzschnelles Familien-SUV auf Abwegen
Wer auf dem sportlichen Gestühl Platz nimmt, kann es richtig krachen lassen.
Probieren wir doch das andere Extrem – etwa den Blitzsstart im Fahrmodus Sport+ mit Launch Control. Der Biturbo-V6 brüllt auf, das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe knallt los, dass man um die Antriebswellen fürchtet; und die 100er-Marke fällt nach 4,5 Sekunden. Ebenso druckvoll geht es weiter: Nach 10,7 Sekunden sind die 160 erreicht, 200 km/h nach 18 Sekunden. Abgesehen davon, dass die Körper der Insassen in die Sitze und deren Köpfe nach hinten gepresst werden, geht das aber alles erfreulich unspektakulär vonstatten: Kein pubertäres Herumgeprolle mit Gaswegnehmbollern und Gangwechselgeknalle entweicht den vier Auspuffendrohren; der Biturbo- V6 grollt und bläst geradezu dezent – wie sich der Macan Turbo insgesamt nahezu aufreizend zurückhaltend gibt.

Kein Hoppeln beim Spurt

Blitzschnelles Familien-SUV auf Abwegen
Für den Spurt von 0 auf 200 braucht der Macan Turbo ganze 18 Sekunden.
Dazu passt das Fahrwerk. Hier wird durchaus gefedert, nicht gehoppelt; sogar auf Sport+ bleiben die Plomben in den Zähnen. Und doch lenkt der Porsche ultrazackig und kurvengierig ein, verbeißen sich die Reifen – trotz immer noch respektabler 180 mm Bodenfreiheit im Tief-Modus – verblüffend präzise in den Asphalt, unterstützt von der beeindruckend wirksamen Torque-Vectoring-Funktion und dem entschlossen hecklastig kraftverteilenden Allradsystem aus dem Cayenne. Die leichte Seitenneigung – anders als der große Bruder hat der Macan keine Aktivstabilisatoren – stört den sportlichen Normalfahrer nicht; sie gibt gerade genug Rückmeldung, um zu spüren, dass man nicht in einem Gokart, sondern in einem erwachsenen SUV sitzt. Genau das ist die Stärke des Macan Turbo: Freilich gibt es für 94.750 Euro – das kostet der Testwagen mit Keramikbremse, Sport-Chrono-Paket und 21-Zöllern – auch andere Sportwagen. Die sind dann aber als Alltagsauto weit weniger brauchbar und vielseitig.

Fazit

von

Thomas Rönnberg
Wir diskutieren nicht über den Sinn, mit einem praxistalentierten, famlientauglichen SUV auf die Rennstrecke zu gehen. Fakt ist: Mit dem Porsche Macan Turbo blamiert man sich auch dort nicht; ebenso wenig im leichten bis mittleren Gelände – das allerdings andere Reifen erfordert. Man erhält also zwei Autos zum Preis von einem: Und das relativiert die 95.000 Euro.