Luftfederung, Plug-in-Hybridantrieb, Wankausgleich, Hinterachslenkung, Fahrwerk mit Luftfedern und hydraulischer Motorik. Das klingt, als käme hier mächtig schweres Gerät angerollt – aber nicht im Sinne von schierer Masse. Sondern im Sinne von komplex und aufwendig, mit einer Überdosis Technik bestückt.
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Und so etwas kommt ausgerechnet von Porsche. Sollte in Sportgeräten aus Zuffenhausen nicht lieber der schlanke Purismus unter knappen Blechkleidern locken?
Aber nicht im eleganten, reisetauglichen und luxuriösen Panamera. Hier passt der vermeintliche Technik-Overkill nämlich bestens – wie wir im ersten Test des neuen 4S E-Hybrid feststellen konnten. Und anerkennen.
Porsche Panamera 4S E-Hybrid im Test
Der Heckspoiler ist elektrisch ausfahrbar – hier in der geöffneten Position für mehr Abtrieb hinten.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Der Reihe nach: Als neues Plug-in-Modell legt der feine Gleiter auch an elektrischer Kompetenz zu. Er lädt (mit 11 kW AC) deutlich schneller als der Vorgänger. Dank größerem Akku mit jetzt 25,9 kWh (brutto), einer verfeinerten E-Maschine, stärkerer Rekuperationsleistung und neuer Regelstrategie bei der Stromgewinnung während der Fahrt schafft der 4S zudem 88 Kilometer rein elektrisch.

Porsche Panamera mit 544 PS Systemleistung

In Verbindung mit dem 2,9-Liter-V6-Biturbo-Benziner liefert dieses Antriebspaket beeindruckende Fahr- und Verbrauchswerte: Wir haben 5,5 Liter (plus 10,9 kWh Strom) Spatzendurst ermittelt – sensationell für 544 PS Systemleistung. Die Kraft (750 Nm Drehmoment im Maximum) verhilft dem 4S dann auch zu 290 km/h Spitze und von uns gemessenen 3,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100.
Motor
V6, Biturbo 
Hubraum 
2894 cm³ 
Systemleistung kW (PS) b. 1/min 
400 (544) /6400 
Systemdrehmoment Nm b. 1/min 
750 
Getriebe 
8-Stufen-Automatik 
Antriebsart 
Allrad 
Maße L / B / H 
5052 / 2165 / 1423 mm 
Tank- / Kofferraumvolumen 
80 / 430-1264 l 
Normverbrauch • CO2 
1,1 l SP / 100 km • 24 g/km
Abgasnorm 
Euro 6d 
Grundpreis
138.200 € 
Testwagenpreis
163.194 € 
Das wäre die akademische Seite der Medaille. Die emotionale: Besser, souveräner und sicherer kann man kaum Tempo aufnehmen. Mit flüsterleiser Eleganz legt der Panamera elektrisch geführt vom Bordstein ab, zieht dann nachdrücklich an, schaltet unmerklich den Verbrenner zu, erreicht letztlich mühelos jedes gewünschte Tempo.
Ebenfalls beeindruckend lässig reagiert der Porsche aus Konstantfahrt heraus auf Beschleunigungsbefehle. Die leichte Verzögerung der Aufladung schüttet die 190 PS starke E-Maschine mit großer Drehmomentreserve zu, mit cooler Wucht hakt der Panamera dann Überholvorgänge ab. Sagen wir es mal so: Entspannter stürmt aktuell kaum ein anderes Auto dem Horizont entgegen.
Porsche Panamera 4S E-Hybrid im Test
Ein Cockpit wie im Elfer. Lenkrad mit Einstellrädchen für Sound, Gas, Fahrwerk. Rechts: aufgeräumte Mittelkonsole, darüber intuitive Display-Bedienung.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Außerdem bereitet es einen Heidenspaß, den immerhin rund 2,3 Tonnen schweren Porsche so flott-flüssig durch den Verkehr und über Landstraßen zu schieben. Die Automatik liefert die passenden Übersetzungsstufen in Perfektion, der von Monoscroll-Ladern unterstützte Sechszylinder läuft sanft, hochkultiviert und gleichzeitig auch mal biestig. Fazit an dieser Stelle: ein hervorragendes Antriebsbündel mit vorbildlich hoher Elektroausbeute.

Das Aktivfahrwerk beeindruckt

Nun zum Höhepunkt – und der liegt im Unterbau des 4S: sein spektakuläres Aktivfahrwerk mit Einkammer-Luftfedersystem und Hydraulikelementen. Das Ding geht glatt als Schweizer Messer der Federungen durch.
Diese über das 400-Volt-System gespeiste Verstellung des Fahrwerks kann die Aufbaubewegungen der Karosserie regulieren, die Fahrzeughöhe justieren, die Bodenunebenheiten glätten, im Ergebnis das Fahrgefühl bei aller Festigkeit der Fahrbahn gegenüber in ein himmlisch entkoppeltes Schweben transportieren.
Porsche Panamera 4S E-Hybrid im Test
Vier Fanfaren, die richtig guten Beat musizieren – je nach Fahrprogramm dezent bis richtig kernig.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Beim Bremsen – übrigens elektrisch servoverstärkt und in der Wechselwirkung aus Rekuperation und Betriebsbremse einzigartig feinfühlig – senkt sich seicht das Heck, beim Beschleunigen taucht der Bug ein wenig ein, in Kurven legt sich die Innenseite des Autos (wie ein Motorrad) dezent tiefer. Das alles ist per Menü aktivierbar, beim ersten Mal irritierend, beim zweiten Mal erheiternd und spätestens ab dem dritten Mal dann so ins Blut übergegangen, dass es süchtig macht.
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Gleichzeitig kann das System den Porsche in dynamischen Situationen besonders erdverbunden an die Straße heften, so die Kurvenstabilität erhöhen, die Agilität steigern. Mit beeindruckender Festigkeit hält die Technik den Panamera-Aufbau dann absolut horizontal, hilft, stabile Radlasten zu halten. Und als i-Tüpfelchen hebt und senkt sich die Karosserie beim Parken, um das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.
Bremse mit Biss: Die Scheiben aus Kohlefaser-Keramikwerkstoff bieten beste Wirkung und sind sehr hitzestabil.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Auch diese Form von Zuvorkommenheit passt bestens zum Panamera. Denn mit dem Facelift sind auch noch mehr Luxus und Assistenz in das Auto gelangt. Man sagt nicht umsonst dazu, die Panamera-Fahrer wollen und sollen mehr Erlebnis bekommen.
So können die Eigner künftig unter anderem auf die Assistenzsysteme "Remote ParkAssist" (per Smartphone ferngelenktes Einparken) und "InnoDrive" inklusive aktiver Spurführung (hält den Wagen "autonom" zentriert in der Fahrspur) setzen. Der Beifahrer darf auf einem eigenen Display (per Touch-Bedienung) agieren. Super – so hat nicht nur der Fahrer etwas von der komplexen, aufwendigen Überdosis Technik des Panamera 4S E-Hybrid.

Fazit

Im neuen Hybrid-Panamera stecken viel Fahrgefühl, Tempospaß und ein hohes Komforterlebnis. Somit finden wir sämtliche Porsche-Tugenden und sogar manche Mercedes-Eigenschaft vor.