Der chinesische Automarkt gilt unter Autoherstellern als einer der vielversprechendsten. Kein Wunder: Steigende Einkommen und wachsende Bevölkerungszahlen im ohnehin schon bevölkerungsreichsten Land der Welt versprechen viele neue potenzielle Kunden. Mit entsprechend harten Bandagen kämpfen die Hersteller um Marktanteile, wobei deutsche Hersteller zunehmend von chinesischen verdrängt werden.
Seit ungefähr Anfang 2023 tobt in China allerdings ein regelrechter Preiskrieg, an dem auch deutsche Hersteller beteiligt sind. Viele neue Marken drängen auf den Markt – allein der chinesische Chery-Konzern hat für 2024 drei neue angekündigt. Auch Tech-Hersteller Xiaomi drängt mit einem E-Auto zum Schnäppchenpreis auf den Markt – die Luxuslimousine SU7 soll Porsche Taycan und Tesla Model S Konkurrenz machen. BMW geht derweil mit, reduziert die Preise teils drastisch.

Einen vollelektrischen 3er gibt es in Deutschland noch nicht

In China bietet BMW-Brilliance, der chinesische Ableger von BMW, eine vollelektrische Version des 3er namens i3 an. Sie ist bei uns gar nicht zu haben, verfügt über einen 286 PS starken Elektroantrieb, dessen Leistungsdaten und Modellbezeichnung dem bei uns verkauften, sportlicher gezeichneten i4 eDrive35 gleichen. In Europa ist ein BMW i3 (als Serienversion der Studie Vision Neue Klasse) erst fürs Jahr 2026 geplant.
BMW i3 (China)
Gut erkennbar: Der um elf Zentimeter verlängerte Radstand des chinesischen Elektro-3er bringt eine längere, hintere Tür mit sich.
Bild: BMW Group
Für den chinesischen BMW i3 gibt der Hersteller 6,2 Sekunden für den Sprint von null auf hundert km/h an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h, die Akkukapazität beträgt 70 kWh.
BMW i3 (China)
Das Cockpit des chinesischen BMW i3 entspricht dem des deutschen 3er, das Infotainment läuft mit BMW OS 8.5.
Bild: www.bmw.com.cn
Weil in China viel Platz im Fond gefragt ist, wurde der Radstand um elf Zentimeter verlängert. So misst der 3er 4,87 Meter in der Länge. Der chinesische Autokanal "Telescope" berichtet, dass der elektrische 3er außerdem über Luftfedern an der Hinterachse verfüge. Eine Kombi-Version wird nicht angeboten.
BMW i3 (China)
Der verlängerte Radstand sorgt für mehr Kniefreiheit, das Panorama-Dach zählt zur Serienausstattung.
Bild: www.bmw.com.cn
Der Verdacht, dass BMW am chinesischen i3 irgendwo gespart haben muss, erhärtet sich nicht. So enthält die Basisversion Extras wie Rückfahrkamera, Einparkhilfe vorne und hinten und LED-Scheinwerfer. Sogar ein Panorama-Glasschiebedach zählt zum Serienumfang. Angeboten wird der elektrische Dreier in China seit Mai 2022.

Der BMW i3 kostet in China rund 50.000 Euro – noch ohne Rabatt!

Der angegebene Listenpreis auf der chinesischen BMW-Website beträgt 353.900 Yuan, was umgerechnet knapp 50.000 Euro entspricht. Darauf gewähren BMW-Händler offensichtlich noch mal hohe Rabatte: Auf dem chinesischen Portal "Autohome" wird der BMW i3 schon zum Preis von 209.800 Yuan angeboten – was einem Nachlass von 40,7 Prozent und einem Endpreis von 26.662 Euro entspricht! Dieses Angebot versprechen gleich mehrere BMW-Händler.
Chinesische Website "Autohome"
Die übersetzte Website "Autohome" aus China zeigt: Das Sonderangebot scheint kein Einzelfall, sondern weit verbreitet zu sein.
Bild: AUTO BILD
Andere Medien berichten von noch niedrigeren Preisen. Der chinesische Autokanal "Telescope" nennt umgerechnet 24.000 Euro für den elektrischen 3er – mit Potenzial nach unten, wenn das Auto nicht bar bezahlt, sondern finanziert würde.
BMW i3 (China)
Der L-Zusatz in der Modellbezeichnung kennzeichnet den langen Radstand. Ansonsten offenbart der i3 viele Details des auch bei uns erhältlichen i4 – der kostet in Deutschland ab 57.500 Euro.
Bild: www.bmw.com.cn
Wie lange BMW bei diesen Preisen noch mitgehen wird, ist unklar. Das Ziel, die Verkäufe in China hochzuhalten, scheint jedenfalls aufgegangen zu sein: Die Zahl der ausgelieferten BMW-Fahrzeuge wuchs in China im Jahr 2023 um 4,1 Prozent auf rund 826.300 Fahrzeuge. BMWs Außenumsatz in China dagegen sei im selben Jahr rückläufig gewesen, berichtet das Datenportal Statista.

Fazit

Den hätten wir auch gern – aber nur in China scheint sich BMW derzeit gezwungen zu sehen, den Dumpingpreisen der chinesischen Konkurrenz etwas entgegenzusetzen.