Ein Plus von neun Prozent: 1,52 Millionen theoretische Führerschein-Prüfungen wurden 2023 (Stand Oktober) abgelegt, bei der Fahrprüfung waren es 1,32 Millionen und damit 0,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Getrübt werden diese Zahlen von der Durchfallquote. Denn 42 Prozent der Fahrschüler scheiterten an der Theorie, 4 Prozent mehr als 2022. In der Pkw-Klasse B waren es sogar 45 Prozent, die Fahrprüfung verpatzten 37 Prozent.
"Jede nicht bestandene Prüfung belastet die Fahrschüler psychisch und finanziell", sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband, und fordert eine bessere Verkehrserziehung in Schule und Elternhaus sowie eine weitere Verbesserung der Fahrausbildung. Das ist auch deshalb nötig, weil 2023 die Täuschungsversuche der Prüflinge – bis hin zur Gewaltbereitschaft – drastisch steigen: bei der Theorie um 38 Prozent auf 2711 Fälle, die nachgewiesen wurden.
Wie lief die Führerscheinprüfung früher? AUTO BILD fragte Prominente, wie sie einst ihren "Lappen" gemacht haben!

Tim Wilde: Unfall gebaut und trotzdem bestanden

Ich habe Mitte der 1980er-Jahre bei den Marinetauchern der damaligen DDR meinen Grundwehrdienst gemacht. Da haben Sie mich rausgekickt, weil ich Mist gebaut hatte. Ein halbes Jahr hatte ich noch zu dienen, und weil sie nicht wussten, wohin mit mir, schickten sie mich schließlich zur Feuerwache nach Stralsund. Dort hieß es im Herbst 1986: "Du musst den Führerschein machen, denn wenn es mal brennt, muss jemand das Löschfahrzeug fahren." Klar, mach ich, habe ich gesagt. Und dann haben sie mich zu einer Außendienststelle der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) geschickt.
Tim Wilde
Tim Wilde, 57, ist bekannt für Filme wie "Der Schuh des Manitu", "Traumschiff Surprise" und zahlreiche TV-Auftritte im "Tatort". Privat fährt der Schauspieler einen Opel Astra Electric und hat gerade seinen Flugschein gemacht.
Bild: Opel
Weil es schnell gehen sollte, habe ich eine Woche lang ein bisschen Theorieunterricht bekommen, aber für jemanden, der keine Ahnung hatte wie ich, war das nichts. Dann ging's zur Prüfung. Ich war sicher, da fall ich durch. Bevor der Prüfer rausging, sagte er: "Übrigens, die Lösungsschablone liegt in der zweiten Schublade von oben." Ich dachte, der veräppelt mich, aber sie lag wirklich da. So hatte ich natürlich null Fehler.
Eine Woche später sagte der Prüfer: "Jetzt machst du die praktische Prüfung." Das war Klasse 5 für Lkw und Pkw zusammen, das Prüfungsfahrzeug ein IFA W50 mit unterteilter Sitzbank, Motor in der Mitte, Riesen-Schaltknüppel, eine richtig olle Karre. Damals gab es zwischen Stralsund und Greifswald noch die wenig befahrene alte Fernstraße F96 mit Kopfsteinpflaster. Da musste ich an einer Kreuzung stoppen, bin in den Rückwärtsgang gekommen – und fahre voll rückwärts gegen einen Wartburg. Dessen Motorhaube war ziemlich verformt.
Der Prüfer ließ mich anschließend weiterfahren. Ich musste abbiegen, einparken und noch anderes, was ich kaum hinbekommen habe. Später sind wir ausgestiegen, und der Prüfer sagte: "Herzlichen Glückwunsch, du hast bestanden!" Danach habe ich bei der Volksmarine Stralsund in der Feuerwache jeden Morgen die Wagen für mögliche Einsätze raus aus der Garage und abends wieder reingefahren und ein bisschen geübt, bis ich alle fahren konnte. Gerade habe ich übrigens meine theoretische Flugprüfung gemacht - ohne Tricks und mit null Fehlern.

Joey Kelly: ganz ohne Fahrstunden

Ich habe meinen Führerschein 1990 mit 18 Jahren in Irland gemacht. Für die theoretische Fahrprüfung musste man sich damals auf 36 Fragen vorbereiten, von denen 10 in der Prüfung vorkamen. Mit weniger als drei Fehlern hatte man die Theo­rieprüfung bestanden.
Joey Kelly
Joey Kelly, 50, Mitglied der Kelly Family und Ex­tremsportler. Er besitzt Autos "mit Seele" wie VW T1, Citroën 2CV und Fiat 500, auch die alten Kelly-Busse.
Bild: Mazda
Fahrstunden musste man gar keine nehmen, sondern lediglich eine 30-minütige praktische Prüfung absolvieren. Heute kann man sich eine solche Prüfung von damals sicherlich nicht mehr annähernd vorstellen.

Claudia Kleinert: haarscharf eingeparkt

Mein Führerschein lag in greifbarer Nähe. Alles, was ich tun musste, war, diesen letzten Einparktest zu bestehen. Einmal drehen, Gang rein, lässig rückwärts einparken – easy, oder? Also, da sitze ich, voller Selbstvertrauen, breites Lächeln im Gesicht, und setzte den Wagen in Bewegung. Mein Fahrlehrer neben mir, der Prüfer auf der Rückbank, sie beobachten jede meiner Reaktionen. Umdrehen. Rückwärtsgang. Einparken. Passt. Alle aussteigen.
Claudia Kleinert
Claudia Kleinert, 53. Die ARD-Wetterexpertin, Moderatorin und Buchautorin liebt Oldtimer und Cabrios. Ihr erstes Auto war ein VW Jetta mit Gasantrieb. Heute hegt und pflegt sie ihren 1971er Mercedes-Benz 350 SL.
Bild: Amin Akhtar
Doch dann sehe ich, dass mich mein Fahrlehrer mit riesengroßen Augen anstarrt. War was? Nö. Prüfer, Fahrlehrer und ich steigen aus. Mein Fahrlehrer nimmt mich zur Seite und fragt: "Haben Sie eigentlich den Laternenpfahl nicht gesehen? Oder parken Sie auf einmal auf den Zentimeter genau ein, ohne mit der Wimper zu zucken?" Welchen verd... Laternenpfahl, denke ich. Meine Knie butterweich, fühle ich mich wie in einem Albtraum. "Sie haben 1,5 Zentimeter neben der Laterne geparkt", stammelt der Fahrlehrer, sein Gesicht immer noch käseweiß. So nah dran am Führerschein, und dann das!
Der Prüfer kommt auf mich zu, und ich erwarte das Schlimmste. Aber er hält meinen brandneuen Führerschein in der Hand. "Sie haben Ihren Führerschein zu Recht verdient. So wie Sie einparken können!" Ich war sprachlos. Offenbar hielt er meine Fähigkeiten im Einparken für so außergewöhnlich, dass er mir den Führerschein trotz des beinahe vermasselten Einparkversuchs gab. Und so war mein erster Fahrtag auf der Straße nicht nur der Beginn meiner Fahrkarriere, sondern auch eine Lektion in Selbstbewusstsein. Manchmal kann Selbstvertrauen mehr bewirken als Perfektion – besonders beim Einparken!

Kai Ebel: in Runde 2 am Ziel

Meine Fahrprüfung habe ich gleich zweimal gemacht. Das Verrückte war, dass ich beim ersten Mal durchgefallen bin – das war wirklich peinlich. Ich musste rückwärts um eine Ecke fahren, und das Unangenehme war, dass eine Klassenkameradin von mir bei derselben Prüfung war. Sie war bekannt für ihr eher überschaubares Fahrtalent, trotzdem hat sie im ersten Anlauf bestanden.
Kai Ebel
Kai Ebel, 59. Der langjährige Formel-1-Reporter startete privat mit einem VW Golf L, heute liebt er seinen Alltags-Ferrari Portofino.
Bild: Picture Alliance/dpa
Ich kann mich noch heute an den Namen des Prüfers erinnern. Er hatte den Ruf, Leute, die er nicht mochte, sehr gern durch­fallen zu lassen. Als meine Klassenkameradin vor mir die Prüfung geschafft hatte, ahnte ich schon Schlimmes – und dann kam das Rückwärtsfahren. Ich habe mich wirklich gefühlt wie auf der Kirmes. Beim zweiten Versuch habe ich die Prüfung aber bestanden.

Armin Maiwald: Achtung, Schwarzfahrer!

Es gab 1973 am Kölner Hansaring eine Fahrschule "Teegarten". Die Dame im Büro fragte mich: "Sind Sie denn schon mal gefahren?" "Ja klar", meinte ich. Damals hatten wir als Jungs natürlich schon mal auf irgendwelchen Autos geübt. "Das dürfen Sie den Fahrlehrern aber unter gar keinen Umständen sagen", meinte die Dame, "das sind alles ehemalige Polizisten. Melden Sie sich zur ersten Fahrstunde auf dem Übungsgelände in Porz."
Armin Maiwald
Armin Maiwald, 80, ist Filmregisseur, Produzent und gehört zu den Erfindern der "Sendung mit der Maus". Dort hat er viele Sachgeschichten rund ums Auto erzählt – zum Beispiel wie es gebaut wird oder wie es in Zeitlupe durch eine Pfütze fährt.
Bild: WDR/Dirk Borm
Als der Fahrlehrer sah, dass ich im Mercedes 170 Diesel problemlos den Slalomkurs meisterte, schmiss er mich raus: "Aussteigen, alter Schwarzfahrer! Lässt mich hier alles erklären, als wenn er von Tuten und Blasen keine Ahnung hätte. Melden Sie sich am Hansaring zur ersten Fahrt auf der Straße!" Zwei Tage später: diesmal ein VW Käfer und ein an­derer Fahrlehrer. Wieder die Frage: "Sind Sie schon einmal gefahren?" – "Ja, auf dem Übungsplatz." – "Gut, einsteigen, Auto starten, ersten Gang rein, langsam den Ring hoch Richtung Friesenplatz."
Ich bin losgefahren und habe ohne weitere Anweisung hochgeschaltet bis in den dritten Gang. Wir waren noch nicht am Friesenplatz angekommen, da sagte der Fahrlehrer: "Rechts ranfahren, raus, verdammter alter Schwarzfahrer! Melden Sie sich an zur Prüfungsfahrt." Meine dritte Fahrstunde war meine Prüfungsfahrt – auch ohne Probleme. Meinen alten Führerschein hab ich noch, eine Zweitschrift, da der erste versehentlich mit in die Waschmaschine geraten war. Aber es ist der gute alte graue Lappen. Mit einem unsäglichen Passfoto.