Motorsport: So steht es um die verschiedenen Rennserien

Rassismus in der NASCAR

Als ein Dunkelhäutiger nicht siegen durfte

Kyle Larson sorgt in der NASCAR für eine neue Rassismus-Debatte. Dem ersten dunkelhäutigen NASCAR-Sieger wurde wegen der Hautfarbe sogar der Sieg aberkannt.
Weil Kyle Larson das „N-Wort“ während eines virtuellen NASCAR-Rennens verwendet hat (mehr dazu HIER), hat der 27-Jährige eine Rassismus-Debatte in der NASCAR losgetreten. Inzwischen hat sich auch Darrell „Bubba“ Wallace zu Wort gemeldet, der einzige dunkelhäutige NASCAR-Pilot im Feld. „Kyle hat etwas Falsches gesagt. Gleichgültig, ob öffentlich oder privat, so etwas verletzt mich. Ich hatte mit ihm bereits ein klärendes Gespräch.“
Larson kommt die verbale Entgleisung teuer zu stehen: Sponsoren und Hersteller haben sich von ihm getrennt, sein Team Ganassi hat Larson vor die Tür gesetzt, die NASCAR den Kalifornier bis auf weiteres gesperrt.

Bubba Wallace ist der einzige dunkelhäutige Fahrer im Feld

Die Reaktionen der NASCAR sind heftig, aber wichtig. Die beliebteste US-Rennserie will sich klar von rassistischen Tendenzen distanzieren. Weil die Serie diesbezüglich keine ruhmreiche Vergangenheit hat.
Damit sind wir bei der Geschichte von Wendell Scott, einem Afro-Amerikaner, der von 1961 bis 1973 insgesamt 495 Rennen in der NASCAR-Topliga bestritt. Schon das war damals eine Sensation: „Vor allem in kleineren Ligen wurde ich manchmal gar nicht zugelassen. Sie sagten mir, dass ich nicht fahren dürfe, aber gern mein selbst aufgebautes Auto einem weißen Jungen überlassen dürfe. Mir kamen die Tränen“, erzählte er einst.
In Jacksonville 1964 wuchs Scott über sich hinaus: Er überholte 20 Runden vor Rennende den bis heute erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten: King Richard Petty. Mit zwei Runden Vorsprung überquerte Scott die Ziellinie, der Siegerpokal aber wurde dem zweitplatzierten Buck Barker überreicht. Ein dunkelhäutiger NASCAR-Sieger – das sahen die Statuten damals nicht vor.
Scott erinnerte sich: „Jeder da draußen hat gesehen, dass ich das Rennen gewonnen habe. Aber die Veranstalter wollten nicht sehen, dass ich bei der Siegerehrung schöne Frauen küsse oder den Pokal entgegennehmen würde.“
Es dauerte zwei Jahre, bis die NASCAR das Ergebnis korrigierte und Wendell Scott zum Sieger erklärte. Allein: Den Siegerpokal bekam die Familie 2010 erst 20 Jahre nach dem Tod von Wendell Scott ausgehändigt...
Wendell Scott, der an seinen Autos auch selbst als Mechaniker Hand anlegte, und als freundlicher und sozialer Charakter im Fahrerlager galt, war einer von bis heute nur acht dunkelhäutigen NASCAR-Fahrern.
Ein anderer war zum Beispiel Willy T. Ribbs, der 1986 auch der erste Afro-Amerikaner war, der einen Formel-1-Test absolvierte (für Brabham in Estoril) und der 1990 als erster Afro-Amerikaner in die IndyCar kam, in einem vom Comedian Bill Cosby mitfinanzierten Auto. 1991 gab Ribbs sogar sein Indy-500-Debüt.
Heute will die NASCAR Minderheiten im Fahrerlager fördern. Dafür wurde eigens ein „Drive for Diversity“-Programm gestartet, in dessen Genuss übrigens auch Kyle Larson kam. Seine Mutter hat japanische Wurzeln...

Motorsport: So steht es um die verschiedenen Rennserien

Fotos: Getty Images/NASCAR

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