Mit dem Flieger in den Urlaub, und die Region hinter dem Traumstrand wird dann per Mietwagen erkundet. Eine sinnvolle Kombination aus Fly and Drive, die viele von Portugal bis Griechenland gern nutzen. Doch es gibt einige Fallen, die Urlauber beachten sollten. Die Neueste: Stell' Dir vor, Du kommst aus dem Flieger, aber Dein Mietwagen ist nicht da – und das Geld ist auch weg!
Vor dieser Falle warnt aktuell das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland. Ursache sind die "No Show"-Regelungen in den AGB von Autovermietern. Erscheint ein Kunde nicht pünktlich zur Übernahme, englisch "No Show", darf die Firma das Geld einbehalten. Eigentlich dienen diese Klauseln dem Schutz der Unternehmen, die ja das Auto kurzfristig meist nicht mehr loswird.

Durch Verspätung unfreiwillig zum "No Show"

Aktuell machen die erheblichen Flugverspätungen jedoch viele Automieter zu unfreiwilligen "No-Shows". Folgenden Beispielfall schildern die Verbraucherschützer vom EVZ: Herr M. aus Bonn wollte zwei Wochen Urlaub auf Mallorca machen. Er buchte zuhause am Computer einen Flug. Über die Website der Airline klickte er sich direkt zum Angebot eines Mietwagenvermittlers. Der Urlauber buchte einen Fiat 500 für tausend Euro und zahlte sofort per Kreditkarte, ein üblicher Vorgang.
Reportage Der Mietwagen Wahnsinn von Mallorca
Wer durch Flugverspätung den Abholtermin beim Mietwagenschalter verpasst, gilt als "No-Show". Dann ist der Wagen futsch, das Geld auch!

Leider hatte der Flug am Reisetag dann zwei Stunden Verspätung. Als M. bei der Mietstation auf Mallorca eintraf, teilte man ihm mit, dass seine Buchung wegen No Show, also wegen Nichterscheinens zum vereinbarten Termin, storniert wurde. Auf die Frage, ob er dann wenigstens sein Geld zurückbekommen könne, verwies man ihn an den Online-Vermittler. Dieser verweigerte die Rückzahlung, verwies auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen und riet Herrn M., Schadensersatz von der Airline zu verlangen.

Auch Fluggesellschaft verweigert Zuständigkeit

Doch: Entschädigung gibt es laut Europäischer Fluggastrechteverordnung erst ab einer Verspätung von drei Stunden. Und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen: Dass man die Mietwagenkosten zurückbekommt, ist in dieser Verordnung nicht geregelt. Daher entbindet das den Vermittler auch nicht von seiner Pflicht, die Miete für das Fahrzeug zu erstatten. So entsteht für geprellte Kunden eine Ping-Pong-Situation.
"Weil man zwei Ansprechpartner hat – die Autovermietung und den Vermittler –, fühlt sich niemand richtig zuständig, die Verantwortlichen schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu", so Patrick Oppelt vom EVZ. Er fügt hinzu: "Zwar könnte man klagen, meist enden solche Verfahren mit einem Vergleich. Aber dadurch kommt es nie zu einem Urteil, welches langfristig für Klärung solcher Fälle sorgen würde."

Warum zwei Stunden Differenz ausreichen

Tipps, um "No Show" bei der Buchung von Urlaubsautos zu vermeiden:
• Lesen Sie vor der Buchung gründlich die AGB der Vermieter. Bevorzugen Sie Angebote ohne die No-Show-Regelung. Planen Sie mit einem ausreichenden Puffer. Lassen Sie also mindestens zwei Stunden Differenz zwischen Landung nach Flugplan und Übernahme des Mietwagens. Mietwagenfirmen kalkulieren in der Regel mit einer Stunde Kulanz bei Übernahme wie Abgabe, sodass dann ausreichend Zeit bei Verspätungen bleiben sollte.
• Tragen Sie in den Suchmasken von gängigen Vermittlungs-Plattformen wie Billiger-Mietwagen, Check24 oder Scyscanner stets auch Ihre Flugnummer ein. So besteht eine gewisse Chance, dass die Vermieter vor Ort von der Verspätung erfahren und darauf reagieren.
• Buchen Sie direkt beim Vermieter und übergehen Sie die Vermittlungsplattformen. Problem: "Meist ist die direkte Buchung beim Vermieter teurer als über den Vermittler. Auf den Vermittlungsplattformen bieten die Autovermieter günstiger an, um unter den besten Angeboten ganz oben in der Liste zu landen. Dabei handelt es sich aber auch oft über abgespeckte Angebote, mit nachteiliger Tankregelung oder ohne wichtige Zusatzversicherung", weiß Verbraucherschützer Oppelt.

Corona hat Urlaubs-Mietwagen enorm verteuert

Seit Corona hat die Ferienauto-Branche eine Achterbahnfahrt hinter sich: Erst gab es zu viele Urlaubs-Mietwagen, dann wurden zu wenig nachbestellt und die Preise schossen in den Himmel. Jetzt wird vorsichtig nachbestellt, doch auch hier schlägt die Chip-Krise zu. Urlaubs-Mietwagen zu Dumpingpreisen, wie wir das aus den Jahren vor Corona kannten, wird es wohl vorläufig nicht mehr geben.
Fiat 500 Hybrid
Einen Kleinwagen vom Typ Fiat 500 gibt es auf Mallorca im September bereits ab 160 Euro pro Woche. Es geht aber auch erheblich teurer.
Dennoch sind die Preisunterschiede beim Buchen enorm. Wer nicht vergleicht, zahlt etwa Mitte September 2022 für einen Kleinwagen à la Fiat 500 auf Mallorca 571 Euro pro Woche – oder eben nur 160 Euro. Ersparnis: mehr als 70 Prozent. Bei größeren Modellen sind die Differenzen noch größer. Transparent machen diese Differenzen Vergleichs- und Buchungsplattformen für Urlaubsmietwagen im Internet wie Billiger-Mietwagen oder Check24.
Allerdings nicht vollständig: Oft gibt es vor Ort lokale Vermieter, die noch günstigere Preise bieten. Das aber oft nur auf den ersten Blick, denn empfehlenswerte Versicherungen können den Basispreis wieder in die Höhe treiben.
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Mietwagen wie einen Gebrauchten inspizieren

• Vertragsbedingungen durchlesen, bei Unklarheiten nachfragen. Darauf achten, dass extra bezahlte Versicherungen im Vertrag auch tatsächlich angekreuzt sind. Das wird von Vermietern schon mal gern "vergessen", um das Geld dafür schwarz zu kassieren. Vertragsdurchschlag verlangen und aufbewahren. Genauso versuchen Mitarbeiter vor Ort oft, Zusatzversicherungen zur Abdeckung des Selbstbehalts zu verkaufen. In der Regel fahren Sie aber mit einer eigenen Selbstbehalt-Versicherung günstiger, die viele Versicherer Online anbieten.
• Nur Wagen in einwandfreiem Zustand anmieten. Gehen Sie vor Unterzeichnung des Vertrags um das Auto, lassen sich alle vorhandenen Mängel zeigen, schauen aufs Reifenprofil, prüfen Beleuchtung und Funktion von Radio und Scheibenwischer. Gehen Sie wie bei der Besichtigung eines Gebrauchtwagens zum Kauf vor. Sind Beschädigungen noch nicht bekannt, etwa Dellen im Blech oder Brandlöcher in den Polstern, lassen Sie diese in das Übergabeprotokoll aufnehmen, damit man für diese später nicht haftbar gemacht werden kann. Machen Sie mit Ihrem Smartphone Fotos von allen Seiten und Großaufnahmen von den Felgen, um den Zustand bei Übernahme selbst zu dokumentieren.
ADAC Mietwagentest 2008, Fuerteventura, Spanien
Schauen Sie bei der Übernahme des Mietwagens gründlich nach Reifenprofil, Kratzern, Funktion von Licht und machen Sie anschließend Fotos.
• Eine Vollkaskoversicherung abschließen, möglichst ohne Selbstbehalt, und die Bedingungen beachten. Achtung: Es gibt günstige Selbsthalt-Übernahmeversicherungen von deutschen Anbietern wie Ergo, Allianz oder anderen. Sie können direkt online abgeschlossen werden und kosten für eine Woche Deckungsfrist oft weniger als ein Mittagessen. Schäden an Reifen, Glas, Unterboden und Innenraum sind meist ausgeschlossen. Das Gleiche gilt für den Diebstahl von Gepäck oder anderem persönlichem Eigentum aus dem Wagen.

Machen Sie einen Bogen um Super-Schnäppchen

Vor allem in Spanien, aber auch in anderen Mittelmeerländern gibt es seit Jahren Dumping-Angebote mit einer Preisfalle bei der Tankregelung: Wo sonst "voll-voll" gilt, fordern diese schwarzen Schafe "leer-leer". Ihre Preise erscheinen oft verlockend günstig, mitunter weniger als 1,00 Euro pro Tag. Man muss aber die erste Tankfüllung extra kaufen, was im Mietpreis nicht ausgewiesen ist. Dadurch wächst das Angebot wie von Geisterhand oft um über 100 Euro.
Was ebenfalls nur im Kleingedruckten steht: Das Auto darf zwar mit leerem Tank abgegeben werden, aber das schafft natürlich niemand. Somit "schenkt" man dem Vermieter oft einige Liter Sprit bei der Abgabe. Wenn nur wenig gefahren wurde, können es sogar erheblich mehr sein. Machen Sie um solche Angebote einen Bogen, bei den meisten Vermittlungs-Plattformen können diese über die Suchmaske "faire Tankregelung" ausgeschlossen werden.

Versicherungen treiben den Preis oftmals hoch

• Defensiv fahren, Promillegrenzen und Verkehrsregeln genau beachten. Andernfalls droht bei einem Unfall der Vorwurf der groben Fahrlässigkeit, und die Versicherung zahlt nicht. Keine Anhalter mitnehmen.
• Den Wagen vor der Abgabe selbst wieder volltanken. Die Option, den Wagen mit leerem Tank abgeben zu können, kommt unverhältnismäßig teuer, manche Gesellschaften kassieren den doppelten Kraftstoffpreis.
• Bei der Abgabe möglichst eine schriftliche Bestätigung über den ordnungsgemäßen Zustand des Mietwagens verlangen. Tipp: Den Wagen zum Beleg rundum fotografieren.

Von

Roland Wildberg
Raphael Schuderer