Ratgeber: So hält Ihr Auto länger
15 Tipps für ein langes Autoleben

Motorschaden, Getriebe kaputt, Rost an der Karosserie: Viele teure Reparaturen entstehen nicht plötzlich, sondern kündigen sich lange vorher an. Wer sein Auto richtig behandelt, kann Verschleiß reduzieren, Pannen vermeiden und viel Geld sparen. AUTO BILD erklärt, mit welchen einfachen Maßnahmen Ihr Auto möglichst lange durchhält.
Bild: Götz von Sternenfels
Ihr Auto kann zum Langläufer werden. Doch zwischen 150.000 problemlosen Kilometern und einem frühen wirtschaftlichen Totalschaden liegen oft nur ein paar versäumte Wartungen.
Dabei gilt eine einfache Regel: Defekte reparieren sich nicht von selbst. Ungewöhnliche Geräusche, Flüssigkeitsverlust oder Warnmeldungen sollten deshalb nicht ignoriert werden.
Genauso wichtig: Wartungsintervalle einhalten und Verschleißteile rechtzeitig erneuern. Aber auch der Fahrer selbst hat großen Einfluss darauf, wie lange ein Auto durchhält. Diese 15 Tipps helfen dabei.
1. Beim Motoröl keine Experimente machen
Motoröl ist die Lebensversicherung des Verbrennungsmotors. Entscheidend ist dabei weniger die Marke auf dem Kanister als die richtige Spezifikation: Viskosität und insbesondere die vom Hersteller geforderte Freigabe müssen zum Motor passen. Auch den Ölstand sollte man regelmäßig kontrollieren, besonders vor längeren Fahrten.

Regelmäßig, aber besonders vor längeren Fahrten, sollte der Ölstand kontrolliert werden.
Bild: Ralf Timm
Leuchtet die rote Öldruck-Warnleuchte, heißt es: sofort stoppen. Fehlender Öldruck kann innerhalb kurzer Zeit schwere Motorschäden verursachen. Optimal ist ein Ölstand im oberen Bereich zwischen Min und Max. Wichtig: Niemals über die Maximum-Markierung auffüllen.
BILD-Tipp: Ölstand spätestens vor längeren Fahrten kontrollieren. Beim Nachfüllen immer auf die vorgeschriebene Herstellerfreigabe achten.
2. Kurzstrecken möglichst vermeiden
Zwei Kilometer zum Bäcker, drei Kilometer zur Kita und wieder zurück: Für einen Verbrennungsmotor ist dauernder Kurzstreckenbetrieb Schwerstarbeit. Motor und Motoröl erreichen dabei oft nicht ihre volle Betriebstemperatur. Kraftstoff und Kondenswasser können sich im Öl sammeln und dessen Eigenschaften verschlechtern. Besonders problematisch wird es, wenn ein Auto fast ausschließlich auf Kurzstrecken bewegt wird.
Kurzstrecken setzen auch dem Partikelfilter zu: Er erreicht oft nicht die nötige Temperatur für eine vollständige Regeneration während der Fahrt.
BILD-Tipp: Wer fast nur Kurzstrecke fährt, sollte dem Auto regelmäßig eine längere Fahrt gönnen. Den Motor aber nicht im Stand warmlaufen lassen, sondern direkt losfahren und zunächst schonend fahren.
3. Den kalten Motor nicht treten
Starten und direkt Vollgas geben? Keine gute Idee. Besonders direkt nach dem Kaltstart sollten hohe Drehzahlen und starke Belastungen vermieden werden. Denn selbst wenn die Kühlmittelanzeige bereits normale Temperatur meldet, kann das Motoröl noch deutlich kälter sein. Erst wenn Öl und Motor auf Betriebstemperatur sind, sollte die volle Leistung abgerufen werden.
BILD-Tipp: Auf den ersten Kilometern hohe Drehzahlen und Vollgas vermeiden. Eine Kühlmitteltemperatur von 90 Grad bedeutet nicht automatisch, dass auch das Öl bereits richtig warm ist.
4. Zahnriemen rechtzeitig wechseln
Beim Zahnriemen kann eine vergessene Wartung richtig teuer werden. Reißt der Riemen, treffen bei vielen Motoren Kolben und Ventile aufeinander. Die Folge: verbogene Ventile und ein schwer beschädigter Zylinderkopf. Im schlimmsten Fall ist der komplette Motor hinüber. Deshalb die vorgeschriebenen Wechselintervalle nach Zeit und Laufleistung genau beachten. Sie unterscheiden sich je nach Hersteller, Motor und Baujahr zum Teil erheblich.
Besondere Vorsicht ist bei Zahnriemen angesagt, die in einem Ölbad laufen. Falsches Öl kann das Material beschädigen – bei diesem Riemen (Bild) fehlen bereits Zähne. Nur das exakt freigegebene Motoröl verwenden und den Zahnriemen lieber vorzeitig wechseln. Auch bei Motoren mit Steuerkette sollten ungewöhnliche Geräusche ernst genommen werden.

Zahnriemen, die im Ölbad laufen, sind besonders empfindlich. Deshalb unbedingt das vorgeschriebene Öl verwenden und den Riemen im Zweifel lieber früher wechseln.
Bild: DEKRA
BILD-Tipp: Verlassen Sie sich nicht auf pauschale Kilometerangaben aus dem Internet. Prüfen Sie im Wartungsplan oder anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer, wann der Zahnriemen bei Ihrem Motor fällig ist, und wechseln Sie lieber zu früh als zu spät.
5. Betriebsflüssigkeiten nicht vergessen
Motoröl bekommt viel Aufmerksamkeit, andere Betriebsflüssigkeiten dagegen häufig zu wenig. Dabei altern auch Bremsflüssigkeit, Kühlmittel sowie die Öle in Automatik-, Doppelkupplungs- und Achsgetrieben. Bei älteren Gebrauchtwagen ist häufig unklar, wann diese Flüssigkeiten zuletzt gewechselt wurden. Besonders wichtig ist die Bremsflüssigkeit: Mit zunehmendem Wasseranteil sinkt ihr Siedepunkt, im Extremfall können die Bremsen bei hoher Belastung versagen.
BILD-Tipp: Schaltet ein Automatikgetriebe zunehmend unsauber, können ein Ölwechsel und eine Getriebespülung sinnvoll sein. Maßgeblich für den Wechsel sind die Herstellervorgaben.
6. Reifendruck regelmäßig kontrollieren
Zu wenig Luft erhöht nicht nur den Rollwiderstand und damit den Verbrauch. Der Reifen wird stärker verformt, kann sich erhitzen und schneller verschleißen. Im Extremfall droht ein Reifenplatzer. Problematisch: Ein schleichender Druckverlust lässt sich mit bloßem Auge oft kaum erkennen.
BILD-Tipp: Reifendruck regelmäßig und vor längeren Fahrten bei möglichst kalten Reifen kontrollieren. Bis zu 0,5 bar mehr können den Rollwiderstand und damit den Verbrauch senken, gehen allerdings auf Kosten des Fahrkomforts.
7. Bordsteine vorsichtig überfahren
Mal eben schwungvoll über den Bordstein: Was unspektakulär wirkt, kann Reifen und Felge kräftig zusetzen. Besonders tückisch sind Schäden an der Reifenkarkasse, die von außen oft kaum zu erkennen sind. Auch Fahrwerksteile können einen harten Treffer übel nehmen und Schaden nehmen. (Alle aktuellen Reifentests von AUTO BILD.)
BILD-Tipp: Bordsteine nur langsam und möglichst rechtwinklig überfahren. Nach einem heftigen Schlag Reifenflanke und Felge kontrollieren. Bei Beulen oder auffälligen Beschädigungen den Reifen vom Fachbetrieb prüfen lassen.
8. Rost stoppen, solange er klein ist
Rost ist wie Karies: Je länger man wartet, desto aufwendiger wird die Reparatur. Besonders gefährdet sind bei älteren Autos unter anderem Schweller, Radläufe, Wagenheberaufnahmen, Achsteile und Bereiche des Unterbodens. Auch kleine Beschädigungen des Unterbodenschutzes können zum Ausgangspunkt größerer Roststellen werden.
BILD-Tipp: Einmal jährlich einen Blick unter das Auto werfen lassen. Bei älteren Fahrzeugen können sich zusätzlich eine Hohlraumkontrolle und gegebenenfalls eine fachgerechte Nachkonservierung lohnen.

Jährlich den Unterboden nach Rost absuchen, auch kleine Beschädigungen können großen Ärger nach sich ziehen.
Bild: Thomas Ruddies
9. Salz und Dreck gründlich abwaschen
Schmutz ist nicht nur ein optisches Problem. In Radläufen, Abläufen und Karosserieecken hält er Feuchtigkeit fest. Zusammen mit Streusalz sind das ideale Bedingungen für Korrosion. Auch Laub sollte aus Wasserabläufen und schwer zugänglichen Bereichen entfernt werden. Verstopfte Abläufe können im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass sich Wasser dort sammelt, wo es nicht hingehört.
BILD-Tipp: Nach dem Winter nicht nur den Lack reinigen. Auch Radkästen und Unterboden gründlich säubern und Laub aus Abläufen und Karosserieecken entfernen.
10. Lackschäden schnell ausbessern
Ein kleiner Steinschlag sieht harmlos aus. Ist die Lackschicht jedoch bis aufs Karosserieblech beschädigt, kann daraus eine Roststelle werden. Vogelkot, Baumharz und hartnäckige Insektenreste gehören ebenfalls möglichst zeitnah entfernt, weil sie Lackoberflächen angreifen können.
BILD-Tipp: Tiefe Steinschläge reinigen und mit passendem Lackstift versiegeln. Wer viel Autobahn fährt, kann besonders gefährdete Bereiche mit transparenter Steinschlagschutzfolie schützen.
11. Kleine Defekte nicht aussitzen
Die Bremse schleift, das Fahrwerk poltert oder unter dem Auto befindet sich plötzlich ein Fleck? Abwarten ist selten eine gute Reparaturstrategie. Aus einem kleinen Defekt kann ein wesentlich größerer Folgeschaden entstehen. Ein typisches Beispiel sind verschlissene Bremsbeläge: Wird weitergefahren, können auch die Bremsscheiben beschädigt werden.
BILD-Tipp: Neue Geräusche, Vibrationen, Gerüche, Warnmeldungen oder Flüssigkeitsverluste ernst nehmen. Je früher die Ursache gefunden wird, desto größer ist die Chance auf eine überschaubare Reparatur.
12. Verbundarbeiten clever nutzen
Bei vielen Reparaturen macht die Arbeitszeit einen großen Teil der Rechnung aus. Muss die Werkstatt ohnehin zahlreiche Bauteile demontieren, kann deshalb der gleichzeitige Austausch weiterer Verschleißteile sinnvoll sein. Klassisches Beispiel: Beim Zahnriemenwechsel können je nach Motor Spann- und Umlenkrollen sowie eine über den Zahnriemen angetriebene Wasserpumpe dazugehören.
BILD-Tipp: Vor größeren Reparaturen fragen: "Welche Teile sind jetzt ohnehin ausgebaut und könnten in absehbarer Zeit wieder Arbeit verursachen?" Aber nicht blind alles ersetzen lassen. Die Werkstatt sollte erklären können, warum die Verbundarbeit sinnvoll ist.
13. Kupplung nicht als Fußablage benutzen
Bei einem Schaltwagen gehört der linke Fuß während der Fahrt neben das Kupplungspedal. Wer ihn permanent darauf ruhen lässt, kann Bauteile der Kupplung unnötig belasten. Fuß auf der Kupplung: Das sorgt für unnötigen Verschleiß. Bei schonender Behandlung hält eine Kupplung oft weit über 100.000 Kilometer. Auch hektisches Schalten und eine unnötig lange schleifende Kupplung erhöhen den Verschleiß.
BILD-Tipp: Fuß nach dem Schalten runter von der Kupplung. Am Hang nicht mit schleifender Kupplung stehen, sondern Bremse oder Berganfahrhilfe nutzen.

Bauteile der Kupplung nicht unnötig belasten. Deshalb: Den Fuß bitte nicht auf dem Kupplungspedal parken.
Bild: DEKRA
14. Vorausschauend fahren
Vollgas bis zur roten Ampel, kräftig bremsen und anschließend wieder beschleunigen: Eine solche Fahrweise kostet nicht nur Kraftstoff, sie beansprucht auch Bremsen, Reifen und Antriebsstrang. Vorausschauendes Fahren reduziert dagegen unnötige Lastwechsel und Bremsmanöver.
BILD-Tipp: Viel Abstand halten, früh vom Gas gehen und die Motorbremswirkung nutzen, statt ständig stark zu beschleunigen und zu bremsen. Das schont Technik und Geldbeutel.
15. Das eigene Auto beobachten
Der vielleicht einfachste Tipp kostet überhaupt nichts: Augen und Ohren offenhalten. Wer regelmäßig mit demselben Auto fährt, weiß normalerweise ziemlich genau, wie es sich anhört und anfühlt. Plötzlich zieht der Wagen beim Bremsen zur Seite? Der Anlasser dreht langsamer? Der Motor verbraucht Öl oder Kühlmittel? Morgens befindet sich ein neuer Fleck unter dem Auto? Solche Veränderungen können frühe Warnzeichen sein.
BILD-Tipp: Einmal im Monat fünf Minuten investieren: Reifen ansehen, Motoröl und bei kaltem Motor den Kühlmittelstand kontrollieren, Beleuchtung prüfen und einen Blick unter das Auto werfen. So entdecken Sie kleine Auffälligkeiten, bevor eine große Reparatur daraus wird.
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Fazit
Ein langes Autoleben beginnt nicht mit teuren Wundermitteln, sondern mit guter Wartung und Aufmerksamkeit. Herstellervorgaben beachten, den kalten Motor schonen, Reifen und Flüssigkeiten kontrollieren und kleine Defekte nicht aufschieben.
Denn der wichtigste Reparaturvermeider sitzt hinter dem Lenkrad: Wer sein Auto kennt und auf Veränderungen früh reagiert, hat die besten Chancen, es lange und ohne unnötig teure Reparaturen zu fahren.
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