Der Renault Clio RS hat in seiner jüngsten Auflage viele seiner Lorbeeren vergangener Tage eingebüßt. Gelingt dem Trophy die Wiedergutmachung?
André Aust
Der aktuelle Renault Clio RS musste einiges einstecken. Verweichlicht hätten sie ihn, und obendrein sei er zu teuer. So lautete zumindest die übereinstimmende Meinung der Tester. Das hörte man bei Renault Sport gar nicht gern und schickte sich an, mit dem Sondermodell Trophy alles besser zu machen.
Als Trophy legt der Clio RS einige seiner Schwächen ab
Besser: Als Trophy wird der Clio RS wieder zum Kurvenräuber – dem knackigen Fahrwerk sei Dank.
Bild: Werk
20 PS und 20 Nm hat der Trophy dem normalen RS voraus. Hört sich nach wenig an, bringt aber in Verbindung mit dem überarbeiteten Getriebe 0,3 Sekunden Vorsprung von 0 bis 100 km/h. Die Launch Control macht ihre Sache gut und schnalzt den Clio im optimalen Schlupffenster vom Fleck, der Motor dreht willig bis auf 6000/min. Bis 180 km/h schenkt der Trophy seiner Basis 3,7 Sekunden ein. So weit, so gut also, wären da nicht die bei forcierter Landstraßenfahrt auftretenden Vibrationen im Bremspedal. Auf den Bremsweg hat das zwar keinen Einfluss, trotzdem leidet der Fahrspaß. Als Trophy mutiert der Clio RS wieder zum formidablen Kurvenräuber. Das überarbeitete Fahrwerk ist knackig, die Lenkung mit angenehm dickem Kranz sehr direkt – gut gemacht! Am Kurveneingang verhindern optimal getimte Heckschwenks übermäßiges Untersteuern. Kurvenausgangs schmiert der Clio auf Zug dann aber relativ hilflos über die Vorderräder weg. Ein mechanisches Sperrdifferenzial wie im Mégane RS würde hier sicherlich Abhilfe schaffen.
Cockpit: Gut verarbeitete, aber nicht allzu hochwertig wirkende Materialien bestimmen den Innenraum.
Bild: Werk
Der Motor zeigt sich drehfreudig, klingt dabei aber zu verhalten. Nur wer das Radio ausschaltet und die Ohren spitzt, vernimmt das gelegentliche Bollern der Abgasanlage. Das Getriebe arbeitet im manuellen Modus zwar deutlich besser als zuvor, doch sind die Gangwechsel noch immer nicht so verschliffen, wie man sich das wünscht. Die genialen Recaro-Sportsitze des Vorgängers wichen einer etwas softeren Eigenkreation, deren Sitzwangen zu wenig Seitenhalt bieten. Gut verarbeitete, aber nicht allzu hochwertig wirkende Materialien bestimmen den Innenraum. Trotz des gestiegenen Komforts kann von komfortabel aber keine Rede ein. Zudem zickte die Tankanzeige, und der RS-Monitor funktionierte größtenteils nicht. Unser Testwagen kostet fast 30.000 Euro, das ist selbst für 220 PS zu viel. Zudem legte er beim Verbrauch gegenüber dem ohnehin schon durstigen Basis-Clio-RS noch mal 0,3 Liter drauf.
Fazit
von André Aust
Der Clio RS Trophy ist schnell und verdient sich damit unsere Anerkennung. Längs- wie querdynamisch gibt er sich kaum eine Blöße, dadurch nähert er sich wieder dem Ideal eines schnellen Clio an, ohne jedoch vollends zu überzeugen. Zudem ist er aufgrund des hohen Einstiegspreises und Verbrauchs kostspielig.