Renault Filante: das neue Flaggschiff der Franzosen
Der Renault Filante ist Frankreichs feinster Fremdenlegionär

Wer erinnert sich noch an Avantime oder Vel Satis? Es ist eine Zeit lang her, dass Renault sich in die Oberklasse gewagt hat – und mit seiner Avantgarde krachend gescheitert ist. Jetzt nehmen die Franzosen mit dem Filante einen neuen, sehr viel konventionelleren Anlauf.
Bild: Renault
Renault und die Oberklasse – das ist eine echte On-off-Beziehung: Da bauen die Franzosen den Besserverdienern erst Hingucker wie Avantime oder Vel Satis und schlagen danach mit Langweilern wie Latitude oder Talisman ins andere Extrem um. Und weil beide Strategien nicht aufgehen, lassen sie es mit der Bourgeoisie dann plötzlich wieder ganz sein und beschränken sich auf das banale Bürgertum.
Bislang zumindest. Denn während sie bei uns mit dem zugegeben eleganten und ambitionierten SUV-Coupé Rafale allenfalls den kleinen Zeh ins geweihte Wasser tauchen, steigen sie im Rest der Welt mit dem Filante jetzt wieder richtig groß ein. Und das kann man bei einer Länge von 4,92 Metern durchaus wörtlich nehmen.
Renault Filante: konventionell statt krachend avantgardistisch
Offiziell erinnert Renault mit dem Namen an gleich zwei berühmte Autos aus der älteren und der jüngeren Geschichte: zum einen an den Étoile Filante, der in den 1950ern zahlreiche Tempo-Rekorde auf dem Salzsee von Bonneville in den USA gebrochen hat, zum anderen an den elektrischen Rekordwagen Filante, der gerade in Marokko 1000 Kilometer mit einer Akkufüllung und einem Verbrauch von 7,8 kWh/100 km gefahren ist.

Digitaler Luxus: Panorama-Display und feine Materialien für ein Oberklasse-Ambiente.
Bild: Renault
Wer es böse meint mit den Franzosen, der denkt bei Filante an eine Sternschnuppe – die zwar erst mal hell strahlt, dann aber auch schnell wieder verglüht. Doch keine Sorge: Anders als früher geht Renault diesmal kein Risiko ein. Denn statt mit avantgardistischen Konzepten oder mit ebenso altbewährten wie angestaubten Klassikern wollen sie diesmal den Geschmack mit einem ganz konventionellen und trotzdem angenehm ansehnlichen und eigenständigen SUV treffen.
Das trägt vorne eine Kühlermaske mit spannender Lichtsignatur und von LED-Streifen betonten Rauten über die gesamte Breite, hat eine gestreckte Silhouette mit leicht abfallender Dachlinie, über der hinten ein vom Flugzeugbau inspirierter Spoiler sitzt, und leistet sich ein Heck mit einem auffälligen Kontrasteffekt durch einen starken Undercut.
Starkes Technikpaket – aber nur für den Export
Dazu gibt's drinnen bei 2,82 Meter Radstand jede Menge Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen und 633 bis 2050 Liter Kofferraum, ein Ambiente mit viel Chic und feinen Materialien sowie ein Cockpit, das Espace und Co zu Youngtimern stempelt. Denn wo es bei uns überall noch den hochkant montierten Screen vor der Mittelkonsole gibt, spannt sich hier ein Bildschirmband über fast die gesamte Breite und nimmt auch den Sozius mit. Kein Wunder, schließlich wurde der Filante maßgeblich in Korea entwickelt – der Heimat von Samsung und K-Pop, wo die Digitalisierung mindestens genauso weit ist wie in China.

Raumwunder mit Stil: 633 bis 2050 Liter Ladevolumen für jede Lebenslage.
Bild: Renault
Auch beim Antrieb legen die Franzosen nach und bauen ihren bislang stärksten Vollhybrid ein. Zwar dreht sich auch der nur um einen schmächtigen 1,5-Liter-Turbo mit 150 PS. Doch zusammen mit zwei E-Maschinen von 136 und 82 PS klettert die Systemleistung trotzdem auf 250 PS. Stärker ist bei uns nur der Rafale mit Plug-in-Antrieb. Und selbst wenn der Akku hier nur 1,64 kWh statt wie dort 22 kWh hat, fährt der Filante damit fast 90 Prozent der Zeit rein elektrisch – zumindest im Stadtverkehr.
Das neue Flaggschiff markiert aber nicht nur Renaults Comeback in der Oberklasse, sondern ist auch das bisherige Highlight im "International Game Plan", mit dem die Franzosen mit drei Milliarden Euro in vier Jahren acht neue Modelle auf den Markt bringen wollen.
Der Filante startet noch im März 2026 in Korea
Und genau das ist der Haken daran – zumindest für uns. Denn dieser Game Plan zielt allein auf Länder in Asien, Afrika, Südamerika und den Rest der Welt. Genau wie der Kardian, der Boreal und der Grand Koleos ist das neue Flaggschiff deshalb ein Fremdenlegionär und erst mal nur für die Auslandsmärkte vorgesehen. Kein Wunder, dass Renault die Premiere in Seoul feiert. Schließlich läuft er ein paar Stunden südlich in Busan vom Band, startet noch im März in Korea und geht danach nach Südamerika und an den Golf.

Premium für die Fremde: Renaults Comeback in der Oberklasse bleibt Auslandssache.
Bild: T. Geiger
Und bei allem Stolz auf den neuen Souverän im Zeichen der Raute lässt Markenchef Fabrice Cambolive keinen Zweifel daran, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Schließlich haben es der Espace als Pampersbomber mit Premium-Anspruch oder der Rafale als BMW X6 der Bourgeoisie schon schwer genug.
Und trotzdem könnte sich der Filante bei uns sehr viel leichter tun – zumindest, wenn man ihn genauso, wie er in Korea kommt, auch zu uns bringen würde und vor allem den Preis übernehmen würde. Denn dort kostet das Flaggschiff der Franzosen kaum mehr als bei uns ein Captur und startet bei lachhaften 25.000 Euro.
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