Im Januar 2017 war unser Renault-Dauertester zu uns gestoßen; in Kosmos-Blau, allradgetrieben und mit 130-Diesel-PS gesegnet. Dazu noch in der mehr als ordentlich ausstaffierten Bose Edition. Eigentlich der Prototyp eines Redaktions-Dauertesters: geräumig für allerhand Gepäck oder Ausrüstung, als Franzose fast schon typisch komfortabel – somit perfekt als Fotoauto und sparsam auf der Langstrecke, wo unsere Distanzkandidaten ja größtenteils unterwegs sind. Doch was hat er aus diesen Voraussetzungen gemacht?

Im Fahrtenbuch überwiegen kritische Kommentare 

Renault Kadjar
Solide Qualität, aber teils ungewohnte Bedienung. Die Tasten für die Sitzheizung fanden manche erst nach mehreren 10.000 Kilometern – hinten am Mitteltunnel.
In den Augen einiger Kollegen nicht viel, denn kritische Kommentare überwiegen im Fahrtenbuch deutlich. "Fürchterliche Ergonomie im Cockpit. Warum so eine Unordnung?", fragte etwa Kollege Attila Langhammer ganz zu Beginn des Dauertests und bezog sich vor allem auf den zu tief sitzenden und spiegelnden Infotainment-Bildschirm sowie die gefühlt willkürliche Verteilung der Schalter im Innenraum. Vor allem die Bedientasten der Sitzheizung verstecken sich so effektiv, dass ein Kollege nach knapp 20.000 Kilometern ein anonymes "Hey, der hat ja Sitzheizung!" vermerkte.
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Der Kadjar nervt mit ständigem Gepiepe

Renault Kadjar
Bei kurzen Stößen zeigt der Kadjar einen auffällig schlechte Abrollkomfort.
Bei Kilometerstand 25.000 monierte Textchef Torge Eßer die ab 150 km/h stark flatternde Motorhaube, die im Verlauf des Tests noch so einige Kollegen dazu verleiten sollte, anzuhalten und nachzusehen, ob die Haube tatsächlich verriegelt ist. Nur so viel: Ja, sie war es jedes Mal. Allerdings scheint das ein generelles Renault-Problem zu sein, denn unser quietschgelber Mégane-RS-Dauertester zeigte vor einigen Jahren dasselbe Symptom. Größter Kritiker des Kadjar: AUTO TEST-Kollege Andreas Jüngling. Doch der fährt privat Mercedes, ist in Sachen Bedienlogik also auf einem ganz anderen Planeten unterwegs. Aber auch wenn wir allzu kritische Kommentare relativieren – durch die Bank nervte der Renault mit seinem ständigen Gepiepe – und zwar so laut, dass beim Einparken regelmäßig Passanten irritiert herüberblickten. Dazu gesellte sich – ebenfalls bedingt durch ein unersättliches Verlangen nach Beachtung – ein quasi nicht nutzbares Spurwarnsystem, eine reichlich unsensibel agierende Kupplung und der auffällig schlechte Abrollkomfort bei kurzen Stößen sowie häufige Nickbewegungen im Fahrwerk.

Langstreckenkomfort und Verbrauch überzeugten

Auf der anderen Seite erfreute uns der Kadjar mit seinem robusten Wesen. Nicht ein Liegenbleiber vermieste uns auf Dienstreisen die Laune. Nicht mal einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt müssen wir ihm ankreiden. Nur das Navi machte ab und an Zicken, sagte unserem Testwagenchef Marc Kaczmarek, er fahre gerade im Gardasee und nicht auf der Straße daneben, oder verlangte vom Fahrer, doch bitte zu wenden – mitten auf der Autobahn. Generell war die Autobahn bevorzugtes Kadjar-Revier. Langstreckenkomfort und Verbrauch überzeugten, die sehr gut funktionierende Sprachsteuerung wurde nachdrücklich gelobt, und selbst Kollege Jüngling musste feststellen: "Vom Piepen abgesehen schön leise." Geht doch.

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Dauertest Renault Kadjar dCi 130 4x4
Dauertest Renault Kadjar dCi 130 4x4
Dauertest Renault Kadjar dCi 130 4x4
Kamera
Dauertest Renault Kadjar dCi 130 4x4

Fazit

Renaults Kadjar war sicher nicht der ergonomischste oder allgemeinverträglichste Dauertester, den wir je hatten, doch er hat uns auf 100.000 Kilometern nie im Stick gelassen.