Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn

Renault/Nissan Ghosn entlassen

Ära Ghosn ist zu Ende

Erst Nissan, jetzt  trennt sich auch Renault von Top-Manager Carlos Ghosn. Mit der Entlassung des schillernden Auto-Managers endet eine Ära.
(dpa/brü) Nach dem Rücktritt des inhaftierten Konzernchefs Carlos Ghosn soll ein Manager-Duo den französischen Autohersteller Renault aus der Krise führen. Ghosns Aufgaben werden aufgespalten, entschied der Verwaltungsrat am 24. Januar 2018. Der scheidende Michelin-Chef Jean-Dominique Senard (65) übernimmt den Präsidentenposten in dem Top-Gremium und ist auch für die von Ghosn entworfene und beherrschte Allianz mit dem japanischen Hersteller Nissan verantwortlich. Ghosns bisheriger Vize Thierry Bolloré (55) leitet als Generaldirektor das operative Geschäft. Der als sozial eingestellt geltende Senard hat die Rückendeckung der Mitte-Regierung: "Jean-Dominique Senard wird ein hervorragender Präsident von Renault sein", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent der Anteile dabei und hat ein gehöriges Wort mitzureden. 

Ende einer Ära bei Renault-Nissan

Mit dem glanzlosen Abgang des gebürtigen Brasilianers Ghosn endet beim Traditionshersteller Renault ein langes Kapitel. Der ebenso geachtete wie gefürchtete Auto-Boss war 2005 an die Spitze des Konzerns in Boulogne-Billancourt bei Paris gerückt. Vor gut zwei Monaten war der 64-Jährige in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. 

Verunsicherung bei Renault

Der Skandal in Japan führte auch bei Renault zu Unruhe und Verunsicherung. In der jüngsten Renault-Mittelung wird Ghosn namentlich überhaupt nicht erwähnt, nur sein bisheriger Titel Président-Directeur Général wird genannt. "Es wurde Zeit", kommentierte die Tageszeitung "Le Monde", die den Führungsstil Ghosns als autokratisch kritisierte. Verwaltungsrat habe lange Zeit Ghosn blind vertraut. Erst vor einem Jahr hatte das Top-Gremium eine weitere Amtszeit für Ghosn bis 2022 gutgeheißen. Ghosn hatte 1999 von Renault kommend den Chef-Sessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 

Nissan zeigt sich erleichtert

Bei zu einem Prozess von Ghosn können Monate vergehen, hieß es in Japan. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert. Nissan hieß die Wende bei Renault gut. "Wir begrüßen diese Management-Wechsel bei Renault", sagte Nissan-Chef Hiroto Saikawa in Yokohama. Der japanische Partner will die Kooperation mit den Franzosen nun beschleunigen. Er wünsche sich ein Treffen mit der neuen Konzernführung so bald wie möglich, sagte Saikawa. Er habe keinen Vorschlag von Renault erhalten, die beiden Unternehmen zu fusionieren. 

Keine Unregelmäßigkeiten festgestellt

Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Hersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen noch. 

Über-Kreuz-Beteiligung von Renault und Nissan

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Zu der Allianz gehört auch der japanische Hersteller Mitsubishi Motors. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, die Japaner ihrerseits 34 Prozent an Mitsubishi. Nissan ist zu 15 Prozent an Renault beteiligt, hat aber dabei keine Stimmrechte. Ghosn galt für das globale Bündnis als Dreh- und Angelpunkt.
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