Rocket Camper TGE: Fahrbericht
Weniger ist mehr: So anders baut Rocket seine Camper

Bei Rocket Camper bekommt man Kastenwagen mit außergewöhnlichem Grundriss und durchdachtem Konzept auf MAN-Basis. So fährt der Rocket Camper TGE.
Bild: Bernd Hanselmann
- Daniel Eilers
Swen Dluzak, Gründer von Rocket Camper, hat eine klare Mission. "Ich habe mir zum Ziel gesetzt, Fahrzeuge zu bauen, die die Kundenbedürfnisse besser erfüllen." Dafür gründete er 2020 in Remshalden vor den Toren Stuttgarts die Marke Rocket Camper.
Mit der Entwicklung von Reisemobilen beschäftigt sich Dluzak aber schon deutlich länger. Nach ersten Karrierestationen in der Automobilindustrie sammelte er Erfahrung im Hymer IDC, dem Entwicklungs- und Designcenter der Erwin Hymer Group. Später, im Jahr 2013, übernahm er die Leitung des Marken- und Produktmanagements für Knaus und Weinsberg.

Im Fahrzeug kommt viel Filz zum Einsatz – gut fürs Wohngefühl und die Akustik.
Bild: Bernd Hanselmann
Was in seinem Sinne "besser" bedeuten soll, zeigt der von uns gefahrene Rocket Camper TGE. Schon das Basisfahrzeug hebt sich von den weit verbreiteten Stellantis-Modellen von Fiat oder Citroën ab und bleibt gleichzeitig preislich unter einem Mercedes Sprinter. Hierzu muss man wissen: Der MAN TGE teilt sich die technische Basis mit dem VW Crafter und wirkt als Camper-Basis angenehm Pkw-nah. In einem Segment, das stark von bewährten Ducato-Grundrissen geprägt ist, bringt er damit eine willkommene und gelungene Alternative ins Spiel.
Leichtbau statt Luxusbad
Noch spezieller ist jedoch der einzigartige Innenraumansatz von Rocket Camper. Auf eine Nasszelle wird verzichtet, und zwar aus zwei guten Gründen. Erstens, sagt Dluzak, würden Dusche und Bad im Camper ohnehin nur selten genutzt. Zweitens spart der Verzicht Gewicht. Das ist entscheidend, um selbst Allradmodelle unterhalb der wichtigen 3,5-Tonnen-Grenze realisieren zu können.
Technische Daten | Rocket Camper TGE |
|---|---|
Motorisierung | TGE 3.140 |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3600/min |
Hubraum | 1968 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 158 km/h |
Getriebe/Antrieb | 6-Gang-Schaltgetriebe |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 75 l/Diesel + 18 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 5986/2040/2820 mm |
Radstand/Bereifung | 3640 mm/ 235/65 R 16 C 115 R |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2900/600 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 3000/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/ Boden | Stahlblech |
Stärke Wand/Dach/Boden | 25/30/40 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden | Armaflex 19 mm/ Armaflex 30 mm/ PU-Schaum 30 mm |
Liegefläche Aufstelldach | 1200 x 2000 mm |
Liegefläche Heck L x B | 1970 x 1850 mm (Topper) |
Innenhöhe/-breite max. | 1920/1730 mm |
Kühlschrank/Eisfach | 75/6,6 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | AGM, 12 V/95 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 48/48 l |
Gasvorrat/Diesel-Heizung | 2,75 kg/75 l |
Grundpreis/Testwagenpreis | 83.940 Euro / 109.705 Euro |
Leichtbau hat bei Rocket Camper Priorität. Der Ausbau folgt daher nicht dem Prinzip "möglichst viel", sondern der Frage: Was brauche ich wirklich?
Das ist er: ein moderner Kastenwagen auf MAN-Basis, sechs Meter lang, unter 3,5 Tonnen schwer und mit einem von Rocket entwickelten Aufstelldach, das Schlafplatz für bis zu zwei Personen bietet. Motorisiert ist der Handschalter mit 140 PS. In unserem Fall kam der Rocket mit Frontantrieb, wodurch zehn Zentimeter Innenraumhöhe gewonnen werden und die Stehhöhe auf 1,92 Meter steigt.

Oben wird’s muckelig: Für 5999 Euro gibt’s das Aufstelldach samt Matratze und Leiter für zwei weitere Schlafplätze.
Bild: Bernd Hanselmann
Das Fahrzeug bietet zwei Einzelsitze, die sich ein- und ausbauen lassen. Optional kann ein weiterer Sitz montiert werden. Dann finden bis zu fünf Personen unterwegs einen komfortablen Reiseplatz.
Der MAN TGE ist relativ hochpreisig, was sich durch den Manufaktur-Aufpreis von Rocket zusätzlich bemerkbar macht. So startet der Rocket Camper TGE bei 83.940 Euro, kann aber auch schnell die 100.000-Euro-Marke reißen, wie unser Testwagen ohne Automatik und Allrad zeigt. Dafür bekommt man allerdings auch einiges.
Patentierte Küche als Raumteiler
Das hat er: Zum Beispiel ein patentiertes Küchenblockkonzept, das es so sonst nirgendwo gibt. Das Besondere daran: Rocket Camper inszeniert den Innenraum nicht bloß als schmalen Durchgang zwischen Sitzecke, Bad und Küche, sondern als luftigen Wohnraum, der durch den Küchenblock vom Bettbereich getrennt wird.

Dreh- und Angelpunkt im Rocket ist der zentral eingebaute Küchenblock.
Bild: Bernd Hanselmann
Gerade beim Rocket TGE ist das wichtig, weil der MAN durch Fahrerhaus und Vorbau im Wohnbereich kompakter ausfällt als etwa ein klassischer Ducato-Ausbau. Im L-Block bündelt Rocket alle wesentlichen Campingfunktionen: von zwei Gasflammen über Spülbecken und beidseitig zu öffnenden Kühlschrank mit Eisfach bis hin zu diversen Schubladen und gut erreichbaren Servicezugängen für Wasser samt 48-Liter-Frischwassertank und Elektrik.
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Kratzfeste HPL-Oberflächen, kombiniert mit Eiche-Echtholzfurnier, sichern Langlebigkeit und sorgen für ein tolles Wohngefühl.
Die Toilette steckt in einem Auszugfach im L-Block und wird nur im Bedarfsfall hervorgeholt. Serienmäßig ist eine herausnehmbare Chemietoilette vorgesehen, optional kann für 499 Euro Aufpreis eine manuelle Trenntoilette bestellt werden.

Das Rocket- Layout ohne Nasszelle sorgt für ein offenes Raumgefühl.
Bild: Bernd Hanselmann
Das Waschbecken dient zugleich als Spül- und Waschplatz, die Duschbrause lässt sich zum Abduschen durch das Fenster nach draußen führen. Wer zu Bett gehen möchte, muss also erst mal über den Küchenblock klettern. Dabei hilft ein Polster, auf dem sich das Knie schonend abstützen lässt, etwas Beweglichkeit vorausgesetzt.
Viel Stauraum auf sechs Metern
Im Heck wartet ein Querbett mit einer großzügigen Liegefläche von 1,97 x 1,40 Metern. Mit einem optional erhältlichen Topper lässt sich diese Fläche sogar auf 1,97 x 1,85 Meter erweitern, oder man zieht ins Aufstelldach um.
Im Heckbereich bietet der Rocket für diese Fahrzeuggröße viel Stauraum, weil sich das Ende des Bettes hochklappen lässt. Über Blockierer an den Dämpfern entsteht im Innenraum zugleich eine loungeartige Liegefläche.
So fährt der Rocket Camper TGE
Insgesamt fährt sich der Rocket Camper TGE sehr Pkw-nah. Man sitzt zwar transporterhoch, doch Cockpit, Bedienung und Lenkung fühlen sich im MAN kaum nach Nutzfahrzeug an.

Der Rocket Camper TGE auf MAN-Basis kommt für einen Kastenwagen erstaunlich agil um die Kurven.
Bild: Bernd Hanselmann
Lenkimpulse werden direkt und unaufgeregt in Richtungswechsel übertragen, das Fahrwerk arbeitet straff, ohne unkomfortabel zu sein. Auf der Straße macht der MAN damit eine total überzeugende Figur. Man merkt ihm an, dass er zu den besten Basisfahrzeugen auf dem Markt gehört.
Das große, benutzerfreundliche Navigationsdisplay unterstreicht den zeitgemäßen Eindruck. Die Geräuschkulisse fällt ebenfalls angenehm aus, nicht zuletzt auch ein Verdienst des hochwertigen Innenausbaus. Rein gar nichts klappert, knarzt oder scheppert.
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