Radargerät

Rote Ampel überfahren

Ein Rotlichtverstoß und seine Folgen

Zack, rote Ampel überfahren – das passiert täglich tausendfach auf deutschen Straßen. Doch welche Strafen drohen? Wie hoch ist das Bußgeld, und gibt es Punkte in Flensburg? Alle Infos zum Thema rote Ampel überfahren!
"Ah, das schaff ich noch ... Mist, jetzt bin ich doch über eine rote Ampel gefahren!" Eine Situation, die täglich viele Autofahrer erleben. Und die kann so einige Konsequenzen mit sich bringen: Bußgeld, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot. AUTO BILD zeigt Ihnen, wann welche Strafe droht, falls Sie über eine rote Ampel gefahren sind. Und was passiert, wenn Sie als Fahranfänger einen Rotlichtverstoß begangen haben.

"Einfacher" und "qualifizierter" Rotlichtverstoß

Eine Sekunde entscheidet darüber, ob ein "einfacher" oder ein "qualifizierter" Rotlichtverstoß vorliegt. Das heißt: War die Ampel weniger oder mehr als eine Sekunde lang rot, als Sie mit Ihrem Fahrzeug die Haltelinie überquert haben? Unter einer Sekunde bedeutet "einfacher" Rotlichtverstoß, darüber ist es ein "qualifizierter" Rotlichtverstoß. Um festzustellen, ob ein qualifizierter Rotlichtverstoß vorliegt oder nicht, gibt es verschiedene Verfahren. Am genauesten sind Stoppuhren und elektronische Messungen wie etwa von einer Blitzeranlage. Vor Gericht kann aber auch die Schätzung eines Zeugen bestehen. Zum Beispiel, wenn ein Polizist die Rotlichtphase einer Ampel mit "Einundzwanzig, zweiundzwanzig" zählt. 

Bußgelder nach Überfahren einer roten Ampel

So viel kostet ein einfacher Rotlichtverstoß:
• einfacher Rotlichtverstoß ohne Gefährdung: 90 Euro Bußgeld, 1 Punkt
• einfacher Rotlichtverstoß mit Gefährdung: 200 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
• einfacher Rotlichtverstoß mit Sachbeschädigung: 240 Euro Bußgeld, 3 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
So viel kostet ein qualifizierter Rotlichtverstoß:
• qualifizierter Rotlichtverstoß ohne Gefährdung: 200 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
• qualifizierter Rotlichtverstoß mit Gefährdung: 320 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
• qualifizierter Rotlichtverstoß mit Sachbeschädigung: 360 Euro Bußgeld, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot

Darf ich über eine gelbe Ampel fahren?

Nein, denn eine gelbe Ampel bedeutet: Vor der Kreuzung auf das nächste Zeichen warten. Bei beginnender Gelbphase muss der herannahende Fahrer sein Fahrzeug zum Anhalten bringen. Ansonsten kann der Gelblichtverstoß mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro bestraft werden. Die Gelbphase darf also nicht als Aufforderung zum Gasgeben verstanden werden.

Sonderfall: Krankenwagen nähert sich

Wenn ein Autofahrer einem Krankenwagen, Polizei- und Feuerwehrfahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht Platz machen möchte, dann darf er dazu auch eine rote Ampel überfahren. Wichtig ist allerdings, dass Sie sich die Uhrzeit und das Kennzeichen des Einsatzwagens aufschreiben. Beides dient als Beweismittel, wenn an der roten Ampel der Radar ausgelöst wird und Ihnen ein Bußgeldbescheid ins Haus flattert. Grundsätzlich gilt nach § 38 Abs. 1, dass alle Verkehrsteilnehmer für Einsatzfahrzeuge mit angeschaltetem Blaulicht und Martinshorn ausweichen müssen.

Rote Ampel überfahren: Strafen auch für Radfahrer?

Radfahrer müssen ebenso wie Autofahrer mit Konsequenzen rechnen, wenn sie über eine rote Ampel fahren – denn auch sie gefährden dabei den Straßenverkehr. Das Bußgeld kann zwischen 60 und 120 Euro liegen. Hinzu kommt ein Punkt in Flensburg. Wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde rot ist, erhöht sich die Strafe auf 100 bis 180 Euro und einen Punkt in Flensburg. Außerdem wichtig: Seit 2017 gibt es eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung für Radfahrer. Fehlte bisher eine spezielle Ampel für Radfahrer, mussten sie sich bislang nach der Ampel für Fußgänger richten. Nun gilt nach § 37 Abs. 2 Nr. 6 der StVO die Ampel für den Autoverkehr. Ebenfalls begeht derjenige einen Verstoß, der mit seinem Fahrrad auf dem Gehweg die Ampel umfährt, um danach unmittelbar wieder auf die Kreuzung oder die Straße einzufahren.

Wer eine rote Ampel missachten darf: Sonderrechte

Wenn sich ein Feuerwehrfahrzeug mit Blaulicht nähert, muss sofort Platz gemacht werden.

Laut § 35 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind von den Vorschriften der StVO die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, wenn diese "hoheitliche Aufgaben dringend zu erledigen haben". Weiter sagt der Verkehrsrechtsexperte Uwe Lenhart dazu: "Dem Fahrzeugführer stehen die Sonderrechte auch zu, wenn das Fahrzeug weder Horn noch Blaulicht führt oder wenn diese nicht betätigt werden, zum Beispiel wo das Einsatzhorn die Erfüllung der Aufgabe gefährden würde." Einfach Dienstfahrten reichen nicht aus, um das Sonderrecht beanspruchen zu können. In Anspruch genommen werden kann das Sonderrecht aber zur Beseitigung größerer Gefahren, zur Lebensrettung und zur Abwendung besonders schwerer Schäden. Gemäß § 35 Abs. 5a StVO sind Fahrzeuge des Rettungsdienstes von den Vorschriften der StVO befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.
Und was ist, wenn der der Partner seine schwangere Frau ins Krankenhaus fährt und dabei eine rote Ampel überfährt? Ob dieser Rotlichtverstoß durch einen Notstand gerechtfertigt werden kann, hängt von den konkreten Umständen ab. Lenhart: "Ob in solch einer Situation gegenwärtig eine Gefahr vorliegt, ist schwierig zu beurteilen und kann auf jeden Fall nicht vom Standpunkt des Betroffenen erfolgen." Zudem müsse der durch die Überschreitung erreichte Zeitgewinn für die Abwendung der Gefahr entscheidend sein. "Bringt der Rotlichtverstoß einen für die Beseitigung der Gefahr nur unwesentlichen Zeitgewinn, so ist er nicht durch Notstand gerechtfertigt", erläutert der Verkehrsexperte.

Welche Strafen drohen in der Probezeit?

Wer in der Probezeit über eine rote Ampel fährt, muss mit einer besonders hohen Strafe rechnen. Es gelten nicht nur die Strafen aus dem Bußgeldkatalog – Fahranfänger müssen zusätzlich innerhalb einer bestimmten Frist ein Aufbauseminar besuchen. So ein Seminar kostet zwischen 300 und 400 Euro. Das war noch nicht alles: Außerdem wird die Probezeit um zwei Jahre verlängert. Wer zum dritten Mal gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, der verliert seine Fahrerlaubnis.

Autor: Isabella Sauer

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