S 63 AMG, Continental GT Speed, Aston Martin Vanquish: Test
In bester Gesellschaft

Mit seiner begrenzten Vmax und dem sozialen Grundpreis steht das neue S 63 AMG Coupé inmitten der High Society fast etwas ärmlich da. Doch der Schein trügt. Ein Concours d’ Élégance.
Bild: Ronald Sassen
- Stefan Helmreich
Ganz ehrlich: Wenn man einem dieser drei hier in freier Wildbahn begegnet, sucht man doch immer erst nach einer Erklärung. Nach einer Erklärung, wieso sich der, der da zusammen mit seiner gemachten Beifahrerin so geringschätzig zu uns in den Golf herübergrinst, so was leisten kann und man selber nicht. Und meistens helfen dann nur Klischees. So fährt den Bentley hundertpro irgend ein Halbhochadeliger mit Mansion in den Highlands und einem Haufen geerbtem Geld. Im Aston Martin sitzt – ganz klar – ein Doppelnullagent; und der Besitzer eines großen Mercedes-Coupés hat sein Vermögen entweder mit einem verdächtig gut gehenden Import-Export-Handel oder direkt im Milieu verdient – wobei man verdienen natürlich ganz explizit in Anführungszeichen meint.

Das schwülstige Design ist ebenso passé wie das barocke Fahrverhalten.
Bild: Ronald Sassen
Wohin tendiert der S 63 AMG?
Übertriebene Dezenz wird man ihr nach wie vor kaum vorwerfen, völlig daneben benimmt sie sich nun aber auch nicht mehr. Statt schwülstig trägt sie ihren Zweireiher nun figurbetont, mit kurzen Überhängen und einem Wahnsinns-Hinterteil im Stile des AMG GT. Das Bittere: Obwohl sie auch in Mattlack wirklich glänzend aussieht, extra die schwarzen Schmiederäder überzogen hat, damit die güldenen Sättel der neuen Keramikbremsanlage auch schön zu Geltung kommen, knipsen Passanten ihre Erinnerungs-Selfies vorzugsweise mit der britischen Konkurrenz.

Geradeaus ist der Bentley uneinholbar. Beim Bremsen jedoch taucht er übel ein.
Bild: Ronald Sassen
Kein Ausweg aus der Zwickmühle
Doch auch, wenn man der Performance das Gewicht geradeaus nicht anmerkt, bemerkbar macht es sich dann doch. Und zwar in Form der strikten Reifenluftdruck-Anforderungen, die – neben dem heftigen Eintauchen der Karosserie beim Bremsen – vielleicht so etwas wie die Achillesferse des GT Speed darstellen.Drei Werte schreibt Bentley vor. Der niedrigste schmachtet die 21-Zöller gefühlvoll die Fahrbahn entlang, warnt aber lauthals vor Geschwindigkeiten im 200-km/h-Bereich; der höchste öffnet die Schranke Richtung Vmax, ruiniert aber den Abrollkomfort; und der mittlere ist wie jeder Kompromiss mit beidseitigen Einschränkungen behaftet. Einen Ausweg aus der Zwickmühle gibt es nicht. Allein schon, weil das permanente Herumpopeln an Ventilhütchen – so kunstvoll sie auch gemacht sein mögen – einfach nicht zur Vorstellung vom Bentley-Fahren passt.

Das Transaxle-Coupé kurvt wunderbar ausbalanciert, die letzte Gier fehlt – bewusst.
Bild: Ronald Sassen
Wildwasser, Stromschnelle oder Gebirgsbach?
Aber nicht nur die Intensität des Motors imponiert, es ist sein ursprünglicher Charakter, der ihn besonders macht. Formulieren wir es bildhaft: Im Mercedes braust der Kraftfluss wie Wildwasser über einen hinweg, den Bentley reißt er mit der Beharrlichkeit einer Stromschnelle mit – und durch den Aston sprudelt er als Gebirgsbach. Pur, rau, unverschnitten, mit glasklaren Reaktionen, donnerndem Auspufftosen und diesem besonderen Prickeln auf der Haut.
Fazit
Mercedes hat sich vom schwülstigen CL-Image befreit. Vor allem mit Allradantrieb, der die Dynamik sowohl quer als auch längs beschleunigt, ist der S 63 eine echte Ansage – ohne seine Komfortkompetenzen zu vernachlässigen. Auch der Vanquish gibt sich multitalentiert, bringt den AMG aber trotz der sportlicheren Anlagen nicht ernsthaft in Gefahr. Dem Bentley hingegen genügt es, die geschmackvollste Verbindung aus Aberwitz und Laissez-faire zu sein.
Service-Links