Ergebnisse des Schraubendreher-Tests

Ergebnisse des Schraubendreher-Tests

Schraubendreher: Test

Welcher Schraubendreher hat den Dreh raus?

Er ist in jedem Haushalt vorhanden und wirkt in seiner Schlichtheit fälschlicherweise, als könnte es kaum Qualitätsunterschiede geben: der Schraubendreher. AUTO BILD KLASSIK fühlt zwölf Sätzen auf die Klingenspitze.
Das universalste Werkzeug ist wohl der Schraubendreher. Manche nennen ihn auch Schraubenzieher, aber auch damit ist längst nicht sein komplettes Einsatzspektrum erfasst: Mit ihm lassen sich nämlich nicht nur Schrauben in alle Richtungen drehen, lösen oder festziehen; je nach Profil und Klingenlänge kann er auch hebeln, hobeln, stechen, meißeln, ritzen, angeln oder fixieren. In diesem Test von zwölf Schraubendreher-Sätzen geht es gemäß Testaufbau darum, wie gut sie ihren Hauptzweck erfüllen. Um das herauszufinden, haben wir übrigens keine einzige Schraube gedreht! Stattdessen hatten wir Laboreinrichtungen zur Verfügung, die die bei der Nutzung auftretenden Anforderungen und Belastungen in exakten Messwerten abbilden.
Schraubendreher-Test: Bruchanfälliges Werkzeug fällt durch

Schwache Griffe verdrehen und brechen anschließend.

©Joerg Maltzan / AUTO BILD

Zwei Dinge sind bei Schraubendrehern entscheidend: die optimale Übertragung der Drehkraft über das Klingenprofil auf den Schraubenkopf und die Festigkeit des Klingenmaterials. Jeder kennt das Problem eines "runden" Klingenprofils. Das entsteht zwar oft bei Zweckentfremdungen. Es kann aber auch bei fachgerechtem Einsatz auf korrekt passenden Schraubenköpfen entstehen, wenn das Klingenmaterial zu weich oder zu bruchanfällig ist.
Ganz am Ende lagen die Schraubendreher von Wera vorne, und das hat maßgeblich damit zu tun, dass sie am härtesten im Nehmen sind: Die sechs Schraubendreher aus dem Set namens 932/6 liegen bei der Materialfestigkeit im Durchschnitt 87 Prozent über der DI-Norm! Dicht darauf folgen Presch (83 Prozent) und Wiha (79 Prozent). Die Überraschung: Die Hazet-Discount-Marke Vigor schneidet bei der Materialfestigkeit besser ab als die Hazet-Schraubendreher. Vigor liegt 70 Prozent oberhalb der Norm, Hazet immer noch solide 60 Prozent. Ebenfalls ordentlich: die Bauhaus-Marke Sora mit 52 Prozent. Für gelegentlichen Einsatz ausreichend: die Lidl-Marke Parkside mit 40 Prozent.
Bei der Maßhaltigkeit des Klingenprofils erlaubt sich kein einziges Profil der drei Hazet-Sätze einen Patzer. Darüber hinaus sind nur die sechs Wiha-Profile ebenfalls perfekt. Bei allen anderen Sätzen entsprechen einer oder mehrere Schraubendreher nicht exakt dem DIN-Maß. Ein nicht ganz exaktes Maß beim PH1-Profil ist die einzige Kritik am sonst perfekten Wera-Satz 932/6 – sehr gut. Presch überzeugt zwar mit der zweitbesten Materialfestigkeit, versagt jedoch bei der Maßhaltigkeit. Sind also letztlich irgendwie alle gut? Nein!
In drei Fällen gibt es Totalausfälle zu beklagen: Schlecht passende Klingenprofile und weiches Klingenmaterial machen die Schraubendreher der Amazon-Hausmarke Umi wenig praxistauglich. Der Satz der Marke BGS krankt an viel zu schwachen Klingenankern; alle Griffe verdrehen sich auf dem Prüfstand, die Klinge bricht heraus. Geradezu unterirdisch ist die Qualität beim Letztplatzierten Kinzo für 3,75 Euro: schlecht passende Profile, Griffe mit Graten, die im Test zerbersten. Dass billig nicht schlecht bedeuten muss, hatten dabei doch zuvor die günstigen Produkte von Lidl und Bauhaus gezeigt!
Fazit zum Schraubendreher-Test
Vigor ist der Tipp in der 20-Euro-Klasse. Die Discount-Marke von Hazet bietet perfekt passende Klingenprofile und hohe Festigkeit. Wer zehn Euro drauflegt, bekommt bei Wera das Beste für sein Geld: höchste Festigkeit, tolle Griffe. Lidl und Bauhaus beweisen, dass es schon für unter zehn Euro ordentliche Qualität gibt. Ein Tipp für jene, die nicht häufig an Schraubenköpfen drehen.
Das beste Schraubendreher-Set: Wera 932/6 Kraftform Plus
Das Set Wera 932/6 Kraftform Plus bietet eine hervorragende Material- und Verarbeitungsqualität sowie einen ergonomisch perfekten Griff mit hohem Halt. Die Klingen haben die höchste Materialfestigkeit aller Schraubendreher im Test. Einziges Manko: Der PH1 entsprach nicht exakt dem DIN-Maß, war etwas zu dick bei der Messlehrenprüfung. Dennoch: klarer Testsieger.
So hat AUTO BILD getestet

Herzstück des Tests: die Drehmoment-Prüfmaschine.

©Joerg Maltzan / AUTO BILD

Auch simple Werkzeuge erfordern einen professionellen Testaufbau und erfahrene Spezialisten. Wir testen im Labor der Qualitätssicherung des Werkzeugherstellers Hazet in Heinsberg (Nordrhein-Westfalen). Hier finden wir sämtliche Prüfgeräte und Hilfsmittel, die für einen aussagekräftigen Test nötig sind. Wir kaufen alle zwölf Schraubendrehersätze online ein, jeden Satz dreimal. Denn in der wichtigsten und härtesten Testdisziplin, der Ermittlung der Materialfestigkeit, werden sämtliche Schraubendreher bis zum Bruch geprüft. Je fester die Klinge und je stabiler die Verbindung von Klinge und Griff, desto haltbarer ist das Werkzeug. Der Test findet an einer Drehmoment-Prüfmaschine statt. Ein E-Motor dreht den an Griff und Klingenspitze eingespannten Schraubendreher. Die Klingenspitze steckt in einem zum Klingenprofil passenden Prüfstein. Der Schraubendreher wird so lange gedreht, bis entweder die Klingenspitze abbricht oder sich der Griff auf der Klinge verdreht. Letzteres sollte jedoch nicht passieren, denn die Verbindung Klinge-Griff soll laut DIN-Vorgabe Drehmomente bis 30 Nm überstehen. Die beim Bruch gemessenen Drehmoment-Werte bilden die Grundlage für die Bewertung der Materialfestigkeit. Je höher der Wert, desto mehr Punkte. Der Beste des Testfeldes erhält in der Disziplin Materialfestigkeit 100 Punkte.
Zweitwichtigstes Testkriterium ist die Maßhaltigkeit der Klingenprofile: Entsprechen sie exakt den DIN-Vorgaben bzw. den individuell vom Hersteller angegebenen Maßen? Schlitzprofile messen wir mit einem elektronischen Messschieber. Bei PH- und PZ-Profilen prüfen wir mittels Gutlehrringen: Die Kreuzprofile müssen in den jeweiligen Lehren spielfrei sitzen, der Kopf soll leicht herauskommen, nicht aber ein markiertes Niveau überragen. Auch für Torx-Köpfe wenden wir entsprechende Lehren an, um die Maßhaltigkeit zu prüfen. Jedes einzelne Klingenprofil wird so geprüft. Erfüllen alle Schraubendreher eines Satzes die Maße, erhält das Set maximal 50 Punkte. Bei der Bewertung des Griffs kommt es auf Ergonomie und Haptik an: Liegt er gut und griffig im Handballen, gibt es maximal 20 Punkte. In der Wertungstabelle am Ende finden Sie alle Details, auch zur Ausstattung der jeweiligen Schraubendreher.

Autor:

Fotos: Joerg Maltzan / AUTO BILD

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.