Bitte nicht falsch verstehen! Mit dem Ehrentitel der ehemaligen DDR hat unser Held der Arbeit nun wirklich nichts zu tun. Verdienste um den Sozialismus? Nö, nicht auszumachen – war bei Erstzulassung des Seat Alhambra am 8. Dezember 2011 ja auch längst Geschichte. Den Titel "Held der Arbeit" trägt der metallicbraune Reiseriese dennoch zu Recht. Für herausragende Taten im Transportwesen von AUTO BILD. Über 200.000 Kilometer verdiente er sich diese Auszeichnung in den Jahren 2011 bis 2015. Die erste Halbzeit riss der Dieseldampfer dabei fast auf einer Reifenflanke ab. Als wir am 20. September 2013 das Ergebnis über 100.000 Kilometer verkündeten, gab es außer einem ungeplanten Boxenstopp wegen verstellter Scheinwerfer und einigen funktionalen Fehlern rein gar nichts zu meckern. Note: 1–. Sehr gut, setzen! Allerdings nicht zur Ruhe. "Selten so entspannt gereist – bitte schenkt dem großen Spanier ein zweites Leben", sprach Redakteur Stefan Voswinkel das aus, was fast jeder wünschte. Und warum auch nicht – der Siebensitzer schien ja gerade erst eingefahren. Zerlegung also verschoben, auf zu den nächsten 100.000 Kilometern.
Lesen Sie auch: So schlug sich der Alhambra auf den ersten 100.000 Kilometern
Insgesamt 18mal verlangte der Alhambra nach neuem AdBlue
Video: Seat Alhambra
Alhambra im Dauertest
Die begannen erst mal unfein. Bei 103.021 Kilometern meldete das Display im Cockpit einen Mangel an AdBlue. Die abgasreinigende Harnstofflösung verlangte der TDI im Schnitt alle 11.294 Kilometer. Insgesamt 18mal musste der seitlich im Kofferraum versteckte Einfüllstutzen freigelegt werden, wobei reichlich AdBlue in den kleinen Extratank gluckerte. Kosten dafür: 800,48 Euro – den Zeitaufwand nicht mitgerechnet. Puh! Ansonsten lief es aber, auch im Alter. Kollege Berend Sanders attestierte dem Alhambra bei Kilometerstand 104.630: "Was für ein bequemer, souveräner und leiser Reisewagen. Fühlt sich nach der ersten Dauertest-Runde noch taufrisch an." Auch wenn es gegen Ende der Distanz einige Klagen über den lauter gewordenen Zweiliter-TDI gab, zieht sich solches Lob durch die gesamte zweite Halbzeit. Logisch, denn an den grundsätzlichen Vorzügen unseres Arbeitstieres hat sich nichts geändert. Fragen Sie mal unser TV-Team – die hätten ihre Arbeit ohne den Alhambra kaum erledigen können. Equipment rein, vor Ort lässig aus den Schiebetüren oder dem großen Schiebedach filmen und anschließend auch völlig entspannt wieder heimwärts. Oscar für diesen Tausendsassa. Ähnliche Begeisterung bei den Kollegen von AUTO BILD KLASSIK. Wenn die betagten Schätze nicht selber zur Fotoproduktion anreisen konnten oder wollten, nahm sie der Alhambra einfach auf dem Trailer mit. Klaglos, kraftvoll, klasse!
Trotz einiger Zipperlein: Der Allgemeinzustand ist top
Von wegen alte Mühle: Der Alhambra zeigte sich auch nach 174.545 Kilometern noch fit — und weitgehend klapperfrei.
Bild: Manfred Klangwald
Allerdings altert auch ein Held der Arbeit. Und wir meinen hier nicht die kleinen Schrulligkeiten wie das fipselige Navi, ein wenig sensibles DSG oder die ungestümen elektrischen Schiebetüren, die auch im zweiten Durchgang noch für den einen oder anderen Lackschaden sorgten. Nein, wir reden von sogenannten Altersbeschwerden. Das Leben im sechsstelligen Kilometerbereich ging dann eben doch nicht mehr ganz so spurlos am Seat vorbei. Alles begann mit ein paar kleinen Zipperlein. Zur Wartung bei Kilometer 153.615 zeigten sich die Konsolenbuchsen der Achslenker vorn rissig – also raus damit und neue rein. Rund 7000 Kilometer später waren es die Kennzeichenleuchten, die nervös flackerten. Links wurde ein Wackelkontakt behoben, später noch mal eine Leuchte ersetzt. In unregelmäßigen Abständen wollte zudem das Start-Stopp-System beachtet werden und versagte spontan den Dienst. Doch so plötzlich, wie dieser Fehler auftrat, verschwand er auch wieder. Wurde der Seat mit der Zeit etwa wunderlich? Nein, nein! Mitarbeiter Diether Rodatz fasste den guten Allgemeinzustand des rüstigen Rentners wie folgt zusammen: "Er ist etwas lauter geworden und hat ein paar Kratzer – aber er funktioniert tadellos. Fahre ich immer wieder gern."
Nur ein einziges Mal erwischte es den Spanier doch ernsthafter. Als er mit 182.328 Kilometern zur Wartung rollt, haben sich schon einige Kollegen über die Arbeitsverweigerung der Klimaanlage beschwert. Zum Glück haben wir Oktober, und das Wetter im Norden bringt uns nicht ins Schwitzen. Das dürften Seat und der Zulieferer übernommen haben, die sich eifrig auf Fehlersuche begaben. Ergebnis: Eine gelöste Niete legte den Kompressor lahm, es musste ein neuer her. Laut Seat soll das Ganze aber schon seit längst kein Thema mehr sein.
Nach über 200.000 Kilometern waren wir neugierig: Wie sieht es im Inneren des Alhambra wirklich aus?
Bild: Christian Bittmann
Im April kletterte unser Kilometerzähler dann auf 200.000 – exakt zweimal die übliche Dauertest-Distanz. Und nun? Wären wir am liebsten immer weitergefahren. Allerdings hatten die letzten Wehwehchen uns auch neugierig gemacht, wie es im Inneren des Alhambra wirklich aussieht. Schließlich siegte die professionelle Neugier vor der Lust an diesem Laster. Am 20. April 2015 parkten wir den Seat mit 207.989 Kilometern also in den heimischen Werkshallen von Martorell bei Barcelona. Zerlegung! Und definitiv keine dritte Chance. Als die Teile gereinigt und sortiert sind, werden wir wehmütig. Hätten wir ihn doch weiterlaufen lassen sollen? Der DEKRA-Sachverständige Günther Schiele findet jedenfalls nichts, was dagegengesprochen hätte. Optisch auffälliger, aber ungefährlicher Kantenrost an Crashboxen und Achsträger hinten, wie schon bei der Hauptuntersuchung im März festgestellt ein bisschen Ölnebel an Motor und Getriebe, mit bloßem Auge sichtbare Spuren des harten AUTO BILD-Alltags in den Zylindern – die 200.000 Kilometer haben den Alhambra gezeichnet, aber nicht geschlagen. Zu den fünf Fehlerpunkten aus Runde eins kommen so 18 weitere. Macht 23 Zähler – allerdings auf der doppelten Strecke. Pro 100.000 Kilometer macht das 11,5 Punkte und damit eine 2+. Für so einen Opa ziemlich gut. Oder eben heldenhaft.In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 200.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.
Ein Riese, dieser Spanier! Der Alhambra reist mit uns fünfmal um die Welt und zeigt sich am Ende in einem beeindruckend fitten Zustand. Nein, spurlos sind die 200.000 Kilometer nicht an ihm vorbeigegangen. Das wäre dann auch schon fast unheimlich. Er hat den doppelten Dauertest aber ohne ernsthafte Zwischenfälle gemeistert. Respekt!
Seat Alhambra im 200.000-Kilometer-Dauertest
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Über 200.000 Kilometer haben wir mit unserem Dauertester Seat Alhambra in den Jahren 2011 bis 2015 bestritten. Die erste Halbzeit riss der Dieseldampfer dabei fast auf einer Reifenflanke ab. Der Siebensitzer schien gerade erst eingefahren. Also dann: Zerlegung verschoben, auf zu den nächsten 100.000 Kilometern!
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
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Als wir am 20. September 2013 das Ergebnis über 100.000 Kilometer verkündeten, gab es außer einem ungeplanten Boxenstopp wegen verstellter Scheinwerfer und einigen funktionalen Fehlern rein gar nichts zu meckern. Note: 1–. Jetzt waren wir gespannt, wie sich der Spanier im zweiten Teil des XXL-Dauertests schlägt.
Bild: Toni Bader
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Runde zwei begann erst mal unfein. Bei 103.021 Kilometern meldete das Display im Cockpit einen Mangel an AdBlue. Die abgasreinigende Harnstofflösung verlangte der TDI im Schnitt alle 11.294 Kilometer. Insgesamt 18mal musste der seitlich im Kofferraum versteckte Einfüllstutzen freigelegt werden, ...
Bild: Toni Bader
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... wobei reichlich AdBlue in den kleinen Extratank gluckerte. Kosten dafür: 800,48 Euro – den Zeitaufwand nicht mitgerechnet. Puh! Ansonsten lief es aber, auch im Alter.
Bild: Manfred Klangwald
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Kollege Berend Sanders attestierte dem Alhambra bei Kilometerstand 104.630: "Was für ein bequemer, souveräner und leiser Reisewagen. Fühlt sich nach der ersten Dauertest-Runde noch taufrisch an." Auch wenn ...
Bild: Werk
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... es gegen Ende der Distanz einige Klagen über den lauter gewordenen Zweiliter-TDI gab, zieht sich solches Lob durch die gesamte zweite Halbzeit.
Bild: Toni Bader
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Das viele Lob verwundert nicht, denn an den grundsätzlichen Vorzügen unseres Arbeitstieres hat sich nichts geändert. Fragen Sie mal unser TV-Team – die hätten ihre Arbeit ohne den Alhambra kaum erledigen können. Equipment rein, ...
Bild: Toni Bader
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... vor Ort lässig aus den Schiebetüren oder dem großen Schiebedach filmen und anschließend auch völlig entspannt wieder heimwärts.
Bild: Manfred Klangwald
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Was der Kasten von außen schon andeutet, erweist sich innen als entspannende Gewissheit. Auch in Reihe zwei finden Erwachsene noch ausreichend Raum – sogar drei echte Kerle.
Bild: Toni Bader
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Große Begeisterung auch bei den Kollegen von AUTO BILD KLASSIK. Wenn die betagten Schätze nicht selber zur Fotoproduktion anreisen konnten oder wollten, nahm sie der Alhambra einfach auf dem Trailer mit. Klaglos, kraftvoll, klasse!
Bild: Kersten Weichbrodt
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Auch als Zweirad-Taxi war der Alhambra gerne zur Stelle.
Bild: Flo / AUTO BILD
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Allerdings altert auch ein Held der Arbeit. Und wir meinen hier nicht die kleinen Schrulligkeiten wie das fipselige Navi, ein wenig sensibles DSG oder die ungestümen elektrischen Schiebetüren. Alles begann mit ein paar kleinen Zipperlein. Zur Wartung bei Kilometer 153.615 zeigten sich die Konsolenbuchsen der Achslenker vorn rissig – also raus damit und neue rein.
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Rund 7000 Kilometer später waren es die Kennzeichenleuchten, die nervös flackerten. Links wurde ein Wackelkontakt behoben, später noch mal eine Leuchte ersetzt.
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In unregelmäßigen Abständen wollte zudem das Start-Stopp-System beachtet werden und versagte spontan den Dienst. Doch so plötzlich, wie dieser Fehler auftrat, verschwand er auch wieder. Wurde der Seat ...
Bild: Werk
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... mit der Zeit etwa wunderlich? Nein, nein! Mitarbeiter Diether Rodatz fasste den guten Allgemeinzustand des rüstigen Rentners wie folgt zusammen: "Er ist etwas lauter geworden und hat ein paar Kratzer – aber er funktioniert tadellos. Fahre ich immer wieder gern."
Bild: Toni Bader
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Nur ein einziges Mal erwischte es den Spanier doch ernsthafter. Als er mit 182.328 Kilometern zur Wartung rollt, haben sich schon einige Kollegen über die Arbeitsverweigerung der Klimaanlage beschwert. Seat und der Zulieferer begaben sich eifrig auf Fehlersuche. Ergebnis: Eine gelöste Niete legte den Kompressor lahm. Laut Seat soll das Ganze aber schon seit längst kein Thema mehr sein.
Bild: Toni Bader
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Im April kletterte unser Kilometerzähler dann auf 200.000 – exakt zweimal die übliche Dauertest-Distanz. Und nun? Wären wir am liebsten immer weitergefahren. Allerdings hatten die letzten Wehwehchen uns auch neugierig gemacht, ...
Bild: Toni Bader
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... wie es im Inneren des Alhambra wirklich aussieht. Schließlich siegte die professionelle Neugier vor der Lust an diesem Laster. Am 20. April 2015 parkten wir den Seat mit 207.989 Kilometern also in den heimischen Werkshallen von Martorell bei Barcelona. Zerlegung! Und definitiv keine dritte Chance.
Bild: Christian Bittmann
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Als die Teile gereinigt und sortiert sind, werden wir wehmütig. Hätten wir ihn doch weiterlaufen lassen sollen? Der DEKRA-Sachverständige Günther Schiele findet jedenfalls nichts, was dagegengesprochen hätte. Diese Kleinigkeiten ...
Bild: Christian Bittmann
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... sind uns aufgefallen: Beginnender Kantenrost am Achsträger: Sieht unschön aus, ist aber noch nicht dramatisch – sollte Seat beobachten.
Bild: DEKRA
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Wie schon bei der Hauptuntersuchung im März festgestellt: Ein bisschen Ölnebel findet sich an Motor und Getriebe.
Bild: Christian Bittmann
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Die wackelnde Fahrersitzlehne geht auf lose Schrauben am Gelenk zurück. Seat hatte vor Auslieferung am Sitz gearbeitet und ihn dann luschig montiert.
Bild: DEKRA
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Die Schlossgarage schützt den Schließmechanismus. Der Deckel rastet aber leicht aus. Inzwischen hat Seat hier aber nachgebessert.
Bild: DEKRA
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Korrosion an der Kennzeichenleuchte führte zu einem Wackelkontakt. Seit März 2013 ist die Fassung verbessert. Mit dem mit Facelift kam LED.
Bild: DEKRA
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In den Zylindern finden sich deutliche Laufspuren. Eine Funktionseinschränkung besteht nicht, laut Seat ist Ölkohlebildung am Kolben der Auslöser.
Bild: DEKRA
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Die 200.000 Kilometer haben den Alhambra gezeichnet, aber nicht geschlagen. Zu den fünf Fehlerpunkten aus Runde eins kommen so 18 weitere. Macht 23 Zähler – allerdings auf der doppelten Strecke. Pro 100.000 Kilometer macht das 11,5 Punkte und damit eine 2+.
Bild: Werk
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Fazit: Ein Riese, dieser Spanier! Der Alhambra reist mit uns fünfmal um die Welt und zeigt sich am Ende in einem beeindruckend fitten Zustand. Nein, spurlos sind die 200.000 Kilometer nicht an ihm vorbeigegangen. Das wäre dann auch schon fast unheimlich. Er hat den doppelten Dauertest aber ohne ernsthafte Zwischenfälle gemeistert. Respekt!