Wie jetzt? Bescheidene Ausstrahlung ohne XXL-Grill, schüchterne 4,15 Meter kurz, elektrotechnisch schlanke Kost und von dicken Dieselmotoren unter der Haube keine Spur – das sollen SUV sein?

Zwei Mini-SUV im Test

  • angenehmes Raumgefühl
  • praktisches Fahrzeugformat
  • niedrige Typklasseneinstufung (Haftpflicht/Vollkasko)
  • gute Fahrzeuggröße für die Stadt
  • Mildhybrid mit Spareffekt
  • kurze Bremswege
  • Motor dröhnt beim Ausdrehen
  • DSG mit Anfahrruckeln
  • hohe Preise
  • hoher Schweller, unbequemer Einstieg
  • beengtes Raumgefühl
  • hohe Ladekante
Und ob! Wir meinen sogar: Das sind ausgesprochen schlaue Typen der Gattung. Schließlich vereinen Opel Mokka und Seat Arona ihre "formale" Bescheidenheit mit dem beliebten Hochsitz-Charakter und genügend Anteil an modernem Fahrgefühl in Form von Vernetzung und Fahrassistenz.

Unterschiedliche Konzepte bei der Motorisierung

Und mal ehrlich: Dass einem SUV nicht automatisch ein ultravariables 4x4-Traktionssystem Beine machen muss, ist doch längst allgemein bekannt. Letztlich ist es auch kein Zufall, dass diese Klein-SUV extrem beliebt sind und "echten" Kleinwagen schwer den Rang ablaufen. Kurz: Die Mini-SUV sind angekommen.
Opel Mokka Hybrid Seat Arona 1.5 TSI
Anders im Antrieb: Während der Seat Arona auf Elektrounterstützung verzichtet, setzt der Opel Mokka auf eine leichte Hybridisierung.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Zwei typische Vertreter dieser Liga lassen wir hier zum Duell antreten. Konzeptionell sehr ähnlich, unterscheiden sie sich technisch schon stärker. So setzt der recht junge Opel Mokka 1.2 auf eine dezente Hybridisierung und verspricht für den Dreizylinder (1.2) dank einer 48-Volt-Unterstützung einen Verbrauch von 4,9 Liter Super auf 100 Kilometer.

Testverbräuche nähern sich an

Sein gerade gelifteter Konkurrent Seat Arona 1.5 TSI verzichtet auf zusätzliche Elektrokraft. Die Spanier gehen einen weniger mit Kupfer gepflasterten Weg, lassen anstelle einer Elektrifizierung ein Zylindermanagement sowie weitere innermotorische Verfeinerungen am Verbrauch knabbern. Soll heißen: Der Hersteller verspricht für den 1,5-Liter-Vierzylinder des Arona 5,8 Liter Durchschnittsdurst.
Opel Mokka Hybrid Seat Arona 1.5 TSI
Während der Opel nach WLTP noch deutlich sparsamer als der Arona ist, schrumpft der Vorsprung im Test auf 0,3 l/100 km zusammen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ein klarer theoretischer Vorteil für den Mokka somit – doch die Praxis (besser gesagt: die AUTO BILD-Verbrauchsrunde mit Alltagskompetenz) relativiert das. Wir spoilern an dieser Stelle: Der große Unterschied nach WLTP-Messverfahren schrumpft nach unserer Prüfung deutlich zusammen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
1199 cm³ 
1498 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
107 (145)/Systemleistung 
110 (150)/5000 
Nm bei 1/min
230/1750 
250/1500 
Vmax
209 km/h 
212 km/h 
Getriebe 
Sechsgang-Doppelkupplung 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
215/55 R 18 W 
215/45 R 18 V 
Reifentyp 
Goodyear Efficient Grip Perf. 2 
Pirelli Cinturato P7 
Radgröße 
7 x 18" 
7 x 18" 
Abgas CO2 
110 g/km 
132 g/km 
Verbrauch* 
4,9 l/100 km 
5,8 l/100 km 
Tankinhalt 
44 l 
40 l 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super 
Ottopartikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
65 dB(A) 
69 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1200/680 kg 
1200/630 kg 
Stützlast 
61 kg 
55 kg 
Kofferraumvolumen 
350–1105 l 
400–1280 l 
Länge/Breite/Höhe 
4150/1787–1987**/1535 mm 
4153/1780–1942**/1529 mm 
Radstand 
2557 mm 
2566 mm
Grundpreis
29.890 Euro
33.250 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
34.740 Euro
35.260 Euro
Außerdem fahren noch gänzlich andere Kosten mit. Im Falle des Mokka 1.2 mit Automatik wären das 29.890 Grundpreis sowie ein Extra-Paket (Ultimate, 4850 Euro), in dem das größere Multimediasystem sowie 18 Zoll große Leichtmetallräder stecken – macht 34.740 Euro für den kleinen Rüsselsheimer. Auch Seat schlägt in diese Kerbe. Aus den 33.250 Euro Grundpreis für den Arona TSI mit Doppelkuppler machen die Spanier sogar 35.260 Euro – über die Linie FR mit Virtual Cockpit, Navi und ebenfalls 18 Zoll großer Bereifung.
Allerdings: Auch dieser kleine Vorsprung für den Mokka schmilzt. Der Arona punktet nämlich noch über bessere Versicherungsklassen und günstigere Inspektionen. Unter dem Kosten-Strich steht für unseren Vergleich also fest: kaum der Rede wert.

Arona mit dem lebendigeren Fahrwesen

Wir suchen ernsthafte Differenzen wohl lieber im Fahrwesen. Da sehen wir den Seat vorne. Weil er dank besser stützender Sitze und inniger ins Auto integrierter Sitzposition das verbundenere Fahrgefühl liefert, zudem komfortabler läuft. Wo der Opel immer mal wieder leicht bebend und anstoßend über schlechte Straßen rollt, filtert der Seat Unebenheiten fleißiger und effektiver weg. Gleichzeitig fühlt sich der Arona lebendiger und handlicher an. In puncto Wendekreis sowie von uns ermittelter Leermasse ist er das auch objektiv, lässt sich dank einer exakten und passend übersetzten Lenkung zielgerichteter führen.
Seat Arona 1.5 TSI
Dynamischer: Der Seat Arona zeigt sich im Vergleich etwas lebendiger als der Mokka. Zudem liefert er den besseren Fahrkomfort.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Für den Opel spricht dagegen die bequemere Ausstattung. Denn als Ultimate bietet der 1.2 beispielsweise so nette Zugaben wie den schlüssellosen Zugang und sogar eine Lenkradheizung. Die umfangreichere Klimatisierung haben wir wiederum beim Seat ausgemacht – hier regeln und temperieren Sensoren linke und rechte Zone des Innenraums getrennt voneinander.

Angenehm zurückhaltender Mokka-Motor

Trotz 48 Volt "starker" Unterstützung aus dem Getriebe fühlt sich der Opel nur auf den ersten Metern aus dem Stand heraus souveräner an. Beim Sprintstart setzt er sich jedoch unerwartet verhalten in Bewegung, und aus leichten Lasten heraus ist der Elektro-Leistungszusatz kaum zu spüren. Trost: Sein Dreizylinder werkelt angenehm entkoppelt und akustisch vergraben unter der Motorhaube, das sorgt für ein enorm entspanntes Fahrgefühl.
Opel Mokka Hybrid
Leisetreter: Vom Dreizylinder im Bug des Mokka bekommen die Passagiere wenig mit – das Aggregat arbeitet akustisch entkoppelt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch die lineare Leistungsentfaltung des leisen Antriebs gefällt uns sehr. Da ist der Vierzylinder des Arona deutlicher zu vernehmen, unter höheren Drehzahlen wirkt das Aggregat sogar angestrengt. Durchzugsschwächer ist er allerdings nicht. Auch ohne E-Maschine im Strang hält der Turbobenziner des Seat mit dem Opel mit. In der Höchstgeschwindigkeit übertrumpft der Arona den Mokka dann.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,1 s 
3,1 s 
0–100 km/h 
8,6 s 
8,3 s 
0–130 km/h 
14,0 s 
13,4 s 
0–160 km/h 
22,9 s 
21,5 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,7 s 
4,5 s 
80–120 km/h 
5,8 s 
5,5 s 
Leergewicht/Zuladung 
1309/441 kg 
1249/521 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
65/35 % 
62/38 % 
Wendekreis links/rechts 
11,2/11,3 m 
10,5/10,5 m 
Sitzhöhe 
655 mm 
615 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,3 m 
36,1 m 
aus 100 km/h warm 
34,9 m 
35,5 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A) 
60 dB(A) 
bei 100 km/h 
67 dB(A) 
65 dB(A) 
bei 130 km/h
70 dB(A)
69 dB(A)
bei 160 km/h
74 dB(A)
73 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
4,7 l S/100 km 
5,3 l S/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,5 l S/100 km
(+33 %)
6,8 l S/100 km
(+17 %)
Sportverbrauch 
9,6 l S/100 km 
9,5 l S/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
154 g/km 
161 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
676 km 
588 km 
Da passt es gar nicht, dass der Arona ungleich schlechter verzögert als der Mokka. Speziell mit kalten Bremsscheiben meistert der Opel die Prüfung viel gekonnter, steht aus Tempo 100 heraus fast zwei Meter früher als der Seat. Für beide Typen gilt: Sie fahren sicher, patzen beim Ausweichen nie und sichern Fahrten über saubere ESP-Abstimmungen ab.

Im Seat sitzt es sich hinten besser

Größere Unterschiede zeigen sich bei den praktischen Fähigkeiten. Weil der Seat etwas raumökonomischer konstruiert ist, in der Folge mehr Platz in der zweiten Reihe und im Kofferraum bietet. Gleichzeitig darf er schwerere Lasten buckeln und wirkt beim Rangieren übersichtlicher.
Seat Arona 1.5 TSI
Bequemer: Der Arona bietet hinten ein passables Raumangebot, taugt so durchaus auch zum Reisen. Im Mokka ist es spürbar enger.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Auch wenn der Seat über seinen altertümlichen Getriebewählhebel, die schlichtere grafische Aufarbeitung der Fahrzeugfunktionen im Hauptdisplay (beim Opel sehr hübsch gelöst) oder auch die wahlweise Darstellung von Tacho und Drehzahlmesser als Rundinstrument liebloser im Bedienkonzept wirkt – wir finden es besser, weil intuitiver und weniger ablenkend.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
548
529
Platz
1
2
Testnote
2,2
2,4
Fazit
Handliches Fahrgefühl, starker Motor, universell und komfortabel – so geht der Sieg an den Seat.
Mit hilfreicher Elektrifizierung unterwegs, schlaues Multimediasystem – doch unkomfortabler als der Seat.
Opel kontert dagegen mit einem verständigeren Sprachbediensystem und verbucht die bessere Umweltbilanz. Er setzt seine E-Seite nämlich sinnvoll – zum Beispiel elektrisch rollend in der Stadt – ein, rekuperiert sogar elektrische Energie im Schiebebetrieb. Vorteil Opel bei der Umwelt, ansonsten kann er Seat nicht in Verlegenheit bringen. Mit längerer Garantie und günstigerer Versicherung sichert sich der Arona auch das Kostenkapitel. Heißt: smarter Sieg für den kleinen Spanier.

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Opel Mokka Hybrid Seat Arona 1.5 TSI
Opel Mokka Hybrid
Seat Arona 1.5 TSI
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Zwei Mini-SUV im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Angenehme Typen in sympathischer Größe, dazu multimedial gut aufgestellt – damit sind Seat Arona und Opel Mokka interessante Alternativen für teurere Kaliber. Der Opel wirkt – auch dank zarter sowie effektiver Elektrifizierung – moderner, kann aber insgesamt nicht am reifen Seat vorbei.