Semi-Slicks im Test: Sommerreifen in 235/35 R 19
Auf letzter Rille

Semi-Slicks für den normalen Einsatz im täglichen Verkehr – kann das funktionieren? AUTO BILD SPORTSCARS macht den Test mit fünf aktuellen Supersportprofilen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.
Bild: AUTO BILD
Der Aha-Effekt setzt schon wenige Hundert Meter nach Verlassen der Hebebühne ein. Wow, mit den 19-Zoll-Semi-Slicks hat unser sunsetgelber Focus ST noch einmal einen Zahn an dynamischer Schärfe und Sportlichkeit zugelegt. Knackiges Einlenken, eine erheblich gesteigerte Seitenführung und eine deutlich intensivere Rückmeldung von der Piste, so kommt echtes Rennfeeling auf. Kein Tempolimit, kein Gegenverkehr und kein Sheriff hinter der nächsten Straßenbiegung, auf dem neuen Handlingkurs der Continental AG im texanischen Outback können wir uns nach Herzenslust austoben. Nach unserem obligatorischen Sommerreifentest mit normalen 19-Zoll-Straßenreifen folgt jetzt, quasi als kleine Belohnung für die Testfahrer, die Kür auf renntauglichen Semi-Slicks der Dimension 235/35 R 19.
Semi-Slicks auch bei Fahrzeugbauern im Trend
Die Reifen mit viel Gummi und wenig Profiltiefe liegen nicht nur bei Tunern, sondern auch bei Fahrzeugbauern mit sportlichem Portfolio immer mehr im Trend. Ursprünglich für den Amateursport mit begrenztem Budget konzipiert, proben Semi-Slicks damit heute den Einzug in den normalen Verkehrsalltag. Kann das funktionieren? Noch in unserem letzten Semi-Slick-Vergleichstest von vor vier Jahren haben wir einschränkend resümiert: "Bei Nässe werden die Semi-Slicks zu einem potenziellen Sicherheitsrisiko. Wie unsere Tests auf nasser Piste eindrucksvoll belegen, sind solche Reifen dann mit äußerster Vorsicht zu genießen." Ein herber Dämpfer für die schwarzen Kurvensportler mit Supergrip auf trockener, aber massiven Leistungseinbrüchen auf nasser Piste.
Reifenhersteller haben kräftig nachgelegt

Das Aquaplaningverhalten der Semi-Slicks hat sich bei Dunlop und Michelin seit unserem Test im Jahr 2013 deutlich verbessert.
Bild: Anuscha Sonntag
Im Überblick: Alle aktuellen Sommerreifen-Tests
Toyo-Reifen schneidet im Test schlecht ab
Kritisch müssen wir dagegen das schlechte Abschneiden des Toyo Proxes R888 R betrachten, der bei Nässe eine traurige Figur abgibt. Wirklich peinlich wird es, wenn ein auf Sportlichkeit getrimmter Semi-Slick nicht einmal auf trockener Piste gegen den Standardreifen punkten kann. Für Toyo und auch Yokohama heißt es deshalb: Bitte nachbessern! Mit den übrigen Reifen fährt man dagegen auch im Alltag auf Nummer sicher. Gefahr besteht allenfalls aufgrund ihres hohen Suchtpotenzials – nach präziser Fahrdynamik und überragendem Grip.
In der Tabelle unten finden Sie die Testurteile und Durchschnittsnoten aus den beiden Test-Kapiteln "Nässe" und "Trockenheit". Weitere Ergebnisse aus dem Test sowie die Stärken und Schwächen der einzelnen Reifen haben wir für Sie in der Bildergalerie zusammengefasst.
Fazit
Ja, moderne Semi-Slicks taugen auch für den Verkehrsalltag, aber nicht alle. Die Reifen von Dunlop und Pirelli und allen voran der Michelin Pilot Sport Cup 2 begeistern mit einem famosen Handling – und einem bestechend direkten Lenkverhalten. Auf der Rundstrecke bleiben sie bei Fahrten am Limit im Vergleich zu einem normalen Standardreifen deutlich länger in Bestform. Das macht sie für Armateursportler mit kleinem Budget und ambitionierte Freizeitrennfahrer immer attraktiver. Und bei starkem Regen und Gefahr von Aquaplaning bleibt der Fuß eben einfach mal vom Gas.
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