Jozef Kaban muss eine ruhige Hand haben. Der 42-Jährige ist seit sieben Jahren für das Skoda-Design verantwortlich. Wenn man so will, ist das jüngste Serienmodell, an dem er beteiligt ist, das krasse Gegenteil seines ersten größeren Projekts bei Volkswagen: Unter der Leitung von Hartmut Warkuß war Kaban als junger Designer für den Bugatti Veyron verantwortlich. Begeben wir uns auf den Boden der Tatsachen, steigen hinab vom Auto-Olymp in den mobilen Alltag, in dem 1000 Liter Kofferraum mehr zählen als 1001 PS. Skoda gibt 1395 Liter Volumen an. Das ist fast schon das Format eines Kompaktkombis. Hinter der Rückbank sind es 530 Liter – ein Maß, das nicht jeder Mittelklassekombi erreicht. Gut, das ist Teil der Skoda-Markenidentität, innerhalb einer Fahrzeugklasse die Raumgrenzen infrage zu stellen. Es spricht für die Konstrukteure, dass dies mit dem Fabia Combi gelang, ohne bei den Außenmaßen die Klasse zu verlassen.
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Überraschend: Eine so gute Übersichtlichkeit ist selten

Video: Skoda Fabia Combi (2015)

Neuer Fabia-Kombi

Weil jedoch auch die Jungs von Skoda nicht zaubern können, ist der Knieraum auf der Rückbank kleinwagentypisch knapp. Auch die Innenbreite dürfte für zwei kräftig gebaute Mitfahrer zum Problem werden. Dafür passt das Format perfekt in Innenstädte. Wohltuend: schlanke Dachsäulen und eine Übersicht, von der wir dachten, dass wir sie in modernen Autos nicht mehr wiedersehen. Das ist eine direkte Folge der ruhigen Hand Kabans. Die Skoda-Linie verzichtet auf jene Sicken, Falze und ansteigende Seitenlinien, die ein Auto nicht wirklich schneller machen, sondern nur optisch beschleunigen. Das wäre bei einem Kleinwagen, der mit maximal 110 PS umherfährt, ohnehin übertrieben. Einen RS wird es nicht mehr geben, dafür verkaufte sich der Vorgänger zu schlecht. Dabei wäre die Vorstellung reizvoll. Mit breiterer Spur und Komponenten aus dem "Modularen Querbaukasten" gibt sich der Fabia agil wie nie – das längere Heck fällt dabei gar nicht weiter auf.
Skoda Fabia Combi
Landstraßen machen Spaß mit dem Fabia: Der Eintonner flitzt behände um Kurven und federt fein.
Bild: Werk
Skoda
will das Gewicht eines ordentlichen Röhrenfernsehers wegkonstruiert haben, überprüfen konnten wir das während der ersten Ausfahrt noch nicht. Doch spürbar leichtfüßig und mit einer direkten Lenkung gesegnet, hechtet der Eintonner in Biegungen. Dort lässt er sich auch von Bodenwellen oder schreckhaften Gaslupfern nicht aus der Ruhe bringen. Der Komfort ist in Ordnung, wenn auch das Fahrwerk eher straff abgestimmt ist. Doch die stramme Dämpfung beruhigt den Aufbau auch nach üblen Bodenwellen sehr schnell – bei aller Vernunft ist der Fabia ein Fahrerauto geworden, das auf gewundenen Landstraßen Spaß macht. Das liegt an der neuen Lenkung, die präzise rückmeldet und genau den richtigen Widerstand bietet, um in der Stadt nicht als schwergängig zu gelten oder über Land als zu leichtgängig. Auf seiner breiteren Spur kann sich der Fabia in Kurven besser abstützen; vorn gewann er 27, hinten 31 Millimeter.

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Skoda Fabia Combi
Skoda Fabia Combi, Skoda Fabia
Skoda Fabia Combi
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Skoda Fabia Combi: Kaufberatung
Das Fahrwerk muss mit bis zu 530 Kilogramm Zuladung fertig werden – dafür ist die Hinterachse konziliant abgestimmt. Zum leichteren Beladen senkte Skoda die Ladekante des Combi um fünf Zentimeter ab. Zwei Extras seien an dieser Stelle empfohlen: Der doppelte Ladeboden – er sollte eigentlich serienmäßig sein – kostet 140 Euro und ebnet die beim Umklappen entstehende, lästige Stufe ein. Darüber hinaus hilft das Ablagenpaket, mit einclipbarem Korb und Netzen Ordnung zu halten. Es ist außerdem mit 55 Euro so clever bepreist, dass es angekreuzt gehört.

Karg: Basis ohne Klima und Radio

Skoda Fabia Combi
Motoren-Tipp: Der 1.2 TSI läuft mit seinen 90 PS leise, zapft sich etwa sechs Liter aus dem Tank und hat stets genügend Kraft.
Bild: Werk
Ambition ist die von AUTO TEST empfohlene Mindestausstattung: elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage und Radio rechtfertigen den Aufpreis von 2080 Euro ebenso wie die breitere Motorenauswahl und die freie Konfigurierbarkeit. Wer Active wählt, muss das Auto mit dem Schlüssel aufschließen, mangels Radio selbst singen und die Fenster von Hand kurbeln. Alles nicht schlimm, und wer auf modernen Kram wie Parksensoren, Multifunktionslenkrad und Sitzheizung verzichten kann, mag mit einem Basis-Fabia schon wegen des lockenden Startpreises von 13.090 Euro glücklich werden. Komfortfreunde werden zum Style greifen, den kleinen Preisvorteil mitnehmen und ein Auto haben, dem im Prinzip nichts fehlt. Ein Allrounder, der am besten mit dem ohnehin empfehlenswerten 1.2 TSI motorisiert ist. Der kleine 90-PS-Turbo läuft leise, zapft sich etwa sechs Liter aus dem Tank und hat genügend Kraft auch in dem Fall, dass die Ladekapazität ausgeschöpft wird. Im Vergleich bieten die Diesel noch einmal niedrigere Normverbräuche und bessere Durchzugskraft. Die hohen Preise und die schlechtere Laufkultur muss man dafür jedoch in Kauf nehmen. Bleiben wir beim 1.2 TSI. Mit Ablagen- und Comfort-Paket sowie dem Radio Bolero inklusive Bluetooth und Mirror Link ergibt sich selbst dann ein Preis unter 19.000 Euro, wenn ein feudaler Metalliclack gewählt wird. Was man auf 20.000 rausbekommt, reicht für einen kleinen Urlaub. Man kann ja das Auto nehmen.

Fazit

von

Andreas Of
Skoda hat es geschafft, mit dem neuen Fabia einen funktional wie formal schlüssigen Kleinwagen auf die Räder zu stellen. Der Kombi für 600 Euro mehr ist die logische Folge des vernünftigen Grundkonzepts – uns würde nicht wundern, wenn deutlich mehr als die Hälfte der Fabia-Käufer den Combi wählte. Gleichzeitig ist zu besichtigen, wie fein der Volkswagen-Konzern seine Pkw-Marken differenziert: Der Fabia Combi kostet ein paar Hunderter mehr als ein kleinerer, aber feiner aufgemachter VW Polo. Die Entscheidung liegt beim Kunden.