Skoda Karoq: Gebrauchtwagen-Test
Das hat der gebrauchte Karoq zu bieten

In der Mitte des SUV-Marktes buhlt der Skoda Karoq seit fast neun Jahren um Neuwagenkunden. Wäre er als Gebrauchtwagen eine clevere Wahl?
Bild: AUTO BILD/Ingo Barenschee
Um entspannt durch den Alltag zu kommen, braucht es keine automobilen Superlative. Der Ende 2017 vorgestellte Skoda Karoq ist der rollende Beweis dafür. Morgens fährt er die Kids in den Kindergarten, mittags vielleicht zum Businesslunch beim Italiener, am Wochenende mit vier Leuten samt Gepäck an die See.
Und weil er aus seiner Vielseitigkeit keine große Sache macht, ist er ziemlich sympathisch. Im Mittelformat zwischen zu klein und unnötig groß hat Skoda einen bemerkenswert klugen Formfaktor gefunden. Man sitzt angenehm hoch und muss für den Familienurlaub nicht panisch über die passende Dachbox nachdenken.
Dass der Karoq technisch konsequent auf VW-Konzerntechnik setzt, macht ihn als Gebrauchten erst recht interessant. Nur ganz sorgenfrei ist auch dieser Pragmatiker nicht.
Weniger Eigenwilligkeit: Der Karoq setzt auf klassische SUV-Attribute
Das ist er: 2017 trat der Karoq die Nachfolge des kultig-kantigen Yeti an – und damit ein schwieriges Erbe. Der Yeti war originell, praktisch und unverwechselbar. Der Karoq setzt dagegen auf klassische SUV-Attribute. Technisch basiert er auf dem Modularen Querbaukasten (MQB A1) des VW-Konzerns, ist eng mit Seat Ateca und diversen anderen kompakten Konzern-SUV verwandt. Überschaubare 4,38 Meter Länge, aber stattliche 1,84 Meter Breite und rund 1,60 Meter Höhe ergeben bis heute vernünftige Proportionen. Der Karoq ist handlich genug für die Stadt, aber gleichzeitig auch groß genug, um als einziges Auto einer Familie gut zu funktionieren.

Zwischen T-Roc und Tiguan positioniert und als Benziner oder Diesel mit verschiedenen Getrieben und optionalem Allrad, trifft der Karoq den Mainstream-Geschmack.
Bild: AUTO BILD/Ingo Barenschee
Das Raumangebot düpiert manchen Kombi. Der Kofferraum fasst im Normalfall 521 Liter, umgeklappt sind es bis zu 1630 Liter. Richtig interessant ist das optionale VarioFlex-System: Drei einzeln bis zu 15 Zentimeter verschiebbare und doppelt klappbare Rücksitze sind der Schlüssel für noch mehr Flexibilität und bis zu 1810 Liter Ladevolumen. Im Cockpit geht es weniger spektakulär zu.
Die Ergonomie folgt der bewährten VW-Konzern-Logik, Übersichtlichkeit ist Trumpf, alles wirkt aufgeräumt und erfreulich wenig verspielt. Materialqualität und Verarbeitung sind ordentlich, ohne den Anspruch eines Premiummodells zu erfüllen. Jenseits der 100.000 Kilometer sind leichte Knistergeräusche aus den Türen oder ein Knarren des optionalen Panoramadachs durchaus verzeihlich.
Technische Daten
1.0 TSI | 1.5 TSI ACT | 2.0 TDI SCR | |
|---|---|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 999 cm³ | 1498 cm³ | 1968 cm³ |
Leistung | 81 kW (110 PS) bei 5000/min | 110 kW (150 PS) bei 5000/min | 110 kW (150 PS) bei 3500/min |
Drehmoment | 200 Nm bei 2000/min | 250 Nm bei 1500/min | 340 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 187 km/h | 203 km/h | 205 km/h |
0–100 km/h | 11,1 s | 9,0 s | 8,8 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Super | 50 l/Super | 50 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | 7-Gang-DSG/Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4382/1841/1603 mm | 4382/1841/1603 mm | 4382/1841/1603 mm |
Kofferraumvolumen | 521-1630 l | 521-1630 l | 521-1630 l |
Leergewicht/Zuladung | 1340/540 kg | 1393/534 kg | 1459/541 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1200/670 kg | 1500/690 kg | 1800/720 kg |
Vernunft trifft auf ein bisschen Abenteuer
Das hat er: Alles Relevante für einen stressarmen Alltag. Die Basis Active ist erfrischend schlicht und eindeutig ein Fall für stark rationale Käufer. Häufig anzutreffen sind Ambition und Style. Betont kerniger tritt der stets allradgetriebene Scout auf, dezent dynamischer die Sportline-Modelle. Dazu gab es diverse Sondermodelle wie Clever, Tour und Drive, die stets den Fokus auf ein besonders interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis legten. Bei der Gebrauchtwagensuche sollte man sich deshalb nicht vom Namen blenden lassen, sondern jedes einzelne Fahrzeug anhand der tatsächlichen Ausstattungsliste bewerten.

Ergonomisch durchdachtes und wertiges, aber keinesfalls luxuriöses Cockpit. Haltbare Oberflächen dominieren.
Bild: AUTO BILD/Ingo Barenschee
Legendär sind die Simply-Clever-Features der Marke, also Ablagen, Haken und praktische Details. Je nach Baujahr und Geldbeutel gab es außerdem ein Digitalcockpit, Ledersitze, Navigation, elektrische Heckklappe, Sitzheizung, Rückfahrkamera, adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spur- und Totwinkelassistenten, DCC-Fahrwerk und 19-Zöller. Das dezente Facelift Ende 2021 brachte schmalere Leuchten, einen wuchtigeren Grill und modifizierte Schürzen.
Wichtiger als die Kosmetik: Die LED-Scheinwerfer wurden aufgewertet, Matrix-LED war erhältlich, das aufgefrischte Cockpit mit neuem MIB-3-Infotainment war ein fälliger Tribut an die branchenweit fortschreitende Digitalisierung.
Kein Handling-Riese, aber dafür gutmütig abgestimmt
So fährt er: Unaufgeregt, sicher und erwachsen. Die Lenkung arbeitet leichtgängig, aber recht präzise, das Fahrwerk bietet einen gelungenen Kompromiss aus Sicherheit und Komfort. Der Karoq gibt glaubwürdig den entspannten Alltagsbegleiter.
Seine Motorenpalette ist durch die lange Bauzeit enorm breit. Bei den Benzinern markieren die Dreizylinder-TSI mit 110 beziehungsweise 115 PS den Einstieg. Sie reichen aus, solange man eher solo und regional unterwegs ist. Der Sweet Spot ist der 1.5 TSI mit 150 PS: Die Reserven reichen für Autobahn und Urlaubsgepäck, gleichzeitig bleibt der Verbrauch im Rahmen. Darüber gibt es einen 2.0 TSI mit 190 PS, DSG und Allrad. Er ist souverän, aber im Grunde fast überpotent.

Ein Karoq funktioniert eher als zuverlässiger Blutdrucksenker denn als Pulsbeschleuniger.
Bild: AUTO BILD/Ingo Barenschee
Für Dieselfreunde gibt es sparsame 1.6 TDI und 2.0 TDI mit 115 bis 190 PS. Die 150-PS-Version passt besonders gut zu Langstreckenfahrern, erleichtert Anhängerbetrieb und ermöglicht hohe Jahresfahrleistungen. Je nach Motorisierung gab es eine Sechsgang-Handschaltung oder ein Siebengang-DSG-Getriebe.
Der Haldex-Allradantrieb der 4x4-Variante macht den Karoq traktionsstärker und fit für Forst- und Feldwege, aber trotz 17,6 Zentimeter Bodenfreiheit keinesfalls zu einem veritablen Geländewagenersatz. Stark: Mit Anhängerkupplung sind je nach Ausführung bis zu 2,1 Tonnen Anhängelast möglich.
Stärken
- Angenehmes Allroundformat
- Solide Konstruktion
- Moderate Fixkosten
Schwächen
- Sparsame Basisausstattung
- Müder Einstiegsmotor
- Hohes Gebrauchtpreisniveau
Im Detail altert der Karoq solide
Das macht Ärger: Skoda stattete den Karoq je nach Variante mit zwei bis fünf Jahren Neuwagengarantie, drei Jahren Lackgarantie und zwölf Jahren Durchrostungsschutzgarantie aus. Dramatische Baustellen sind rar. Achslager und Dämpfer zeigen sich nicht immer besonders langlebig, was sich auch in einer leicht erhöhten Mängelquote beim TÜV widerspiegelt.
Bei Fahrzeugen mit Doppelkuppler (DSG) gilt, dass sie kalt und warm sauber einkuppeln und ohne Schläge oder langes Zögern schalten müssen. Besonders bei häufigem Stadt- und Anhängerbetrieb steigt das Schadenrisiko nach einigen Jahren spürbar.
Auch das Hinterachsdifferenzial der Allradmodelle kann bei hohen Laufleistungen und regelmäßigem Anhängerbetrieb jenseits von 200.000 Kilometern Probleme bereiten. Das Panoramadach zeigt neben verstopften Wasserabläufen lästige Knarz- und Klappergeräusche, blockiert bei verschleppter Pflege teils sogar. Wassereinbrüche in der Reserveradmulde sind möglich.
Ebenfalls nicht immer unauffällig: die elektronischen Helfer. Karoq-Eigner berichten immer wieder über Infotainment-Aussetzer sowie sporadische Fehlermeldungen von Notruf- und Assistenzsystemen. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind insgesamt zehn Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,0 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 129 g/km |
Inspektion | 300-650 Euro |
Haftpflicht (14)* | 548 Euro |
Teilkasko (23)* | 753 Euro |
Vollkasko (18)* | 1082 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d) | 260 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1001 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 691 Euro |
Wasserpumpe | 900 Euro |
Zahnriemen | 896 Euro |
Nachschalldämpfer | 778 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1313 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 665 Euro |
Infotainmenteinheit | ab 1577 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/55 R 17 94W) | 700 Euro |
Service-Links



























