Ja, ja, die Tschechen. Schöne Frauen haben sie (Eva Herzigová). Oder gute Fußballer (Pavel Nedved). Und Bier brauen, mmmhh – das können sie (Pilsner Urquell). Ja, Autos bauen sie auch. Ziemlich gute sogar. Auf der IAA 2001 in Frankfurt machten die Tschechen Ernst. Neben Fabia und Octavia, ihren Modellen mit VW-Herz, stand da der Superb, so was wie ein Mercedes, nur ohne Stern. Glauben Sie nicht? Messen wir doch mal nach. 4,80 Meter zeigt der Zollstock als Superb-Maß. Die E-Klasse vom Typ W210 ist nur zwei Zentimeter länger. Und der AUTO BILD-Tester war nach einer ersten Ausfahrt schier aus dem Häuschen: "Der Superb besitzt hinten mehr Beinfreiheit als eine Mercedes S-Klasse in der Normalversion." Das klingt ja wie ein Ritterschlag! Okay, okay, jetzt haben wir uns ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Der erste Superb, eine Art Tschechen-Benz? Ach was. Die Wahrheit ist: Skoda hat den VW Passat der Baureihe 3B/3BG um zehn Zentimeter gestreckt, oder besser: Skoda hat sich die längere Plattform des "China-Passat" geschnappt und eine Hülle daraufgesetzt, die durchaus als Lang-Passat durchgehen könnte.
Skoda Superb 1.8T
Die Unterschiede im Cockpit zum VW Passat muss man mit der Lupe suchen.
Bild: Thomas Ruddies
Die Wahrheit ist aber auch: Richtig lieb hatten nur wenige den Maxi-Passat. Von 2002 bis zum Modellwechsel 2008 verkaufte Skoda Deutschland nur 26.000 Superb. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum gingen 315.000 Octavia weg, mehr als zwölfmal so viele. Ein Auto, das schon damals (fast) keiner wollte. Warum sollten Sie so was gebraucht kaufen? Ganz einfach: Weil dieser Tscheche günstig ist. Weil er oft aus erster Rentnerhand kommt, mit komplett abgestempeltem Serviceheft und meist weniger als 100.000 km auf dem Tacho. Und weil der Superb ein ordentliches Auto mit der Großserientechnik des Passat ist. Leider auch mit dessen Macken.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Skoda Superb 1.8T
Spröde: Bremsschläuche sind beim Superb eine Schwachstelle.
Bild: Thomas Ruddies
Haben wir nicht gesagt, dass der Superb meist aus erster Rentnerhand stammt? Hier ist der Beweis: Der Vorbesitzer unseres Testwagens ist Jahrgang 1937. Der letzte Service war vor 2000 km, jetzt zeigt der Tacho 83.800 km an. Preis für den Superb von 2002 mit 1,8-Liter-Turbomotor, Parktronic, Alufelgen, Sitzheizung und Anhängerkupplung: günstige 7990 Euro. Die Testfahrt: kein Vergnügen bei Schnee und Eis. Das Profil der Reifen: flach wie Holland! "Neue sind schon bestellt", sagt der Händler. Der Tschechen-Passat bietet dank des straffen Fahrwerks und des agilen Vierzylinder-Turbos sogar einen Schuss Sportlichkeit, innen verwöhnt er mit guter Verarbeitung und ordentlich Platz. Vor sieben Jahren hat dieser Superb mal 28.000 Euro gekostet, jetzt gibt’s ihn 20.000 Euro günstiger, neue Reifen inklusive. Wer so was kauft, kann nicht viel falsch machen.

Das macht Ärger

So ein Superb ist selten. Zumindest im Vergleich zum Passat 3B/3BG, dessen Technik drinsteckt. Auch viele Probleme teilt sich der Tscheche mit dem VW. Stichwort Antriebswellen. Knackt es beim Gasgeben in der Kurve, stimmt hier was nicht. Aber: Es muss nicht gleich die ganze Antriebswelle getauscht werden, oftmals reicht es, das defekte Gelenk auszuwechseln. Was viel schlimmer ist: Der TÜV bemängelt schon bei der zweiten Hauptuntersuchung rissige oder poröse Bremsschläuche, außerdem riefige Bremsscheiben. Kennen wir auch vom Passat-Bruder. Und es gilt: Wenn hier was nicht stimmt, sofort reparieren lassen!
Und der Motor? Der 1,8-Liter-Turbo-Benziner ist Massenware bei VW und Audi, dennoch nicht ohne Risiken. Das Problem ist konstruktionsbedingt. Bei längeren Vollgasfahrten werden sehr hohe Abgastemperaturen erreicht, das Schmieröl für den Turbolader kann in der Leitung verkoken. Resultat: Der Turbolader erhält wegen verstopfter Leitung kein Öl mehr – und gibt den Geist auf. Deshalb den Motor nach Volllastfahrten noch etwas im Stand nachlaufen lassen. Wenn es ein Diesel sein soll: auf den Zahnriemenwechsel achten. Und Vorsicht vor dem 2.0 TDI. Hier sind viele Zylinderkopfrisse bekannt, bei hoher Laufleistung undichte Pumpe-Düse-Elemente.

Fazit

Über Geschmack lässt sich streiten. Der Superb mag so bieder sein wie die, die ihn schön finden. Was unstrittig ist: Ein Superb aus erster Seniorenhand mit überschaubarer Laufleistung ist ein Kauf (fast) ohne Risiko. Der Tscheche ist zwar kein Benz, aber der bessere Passat.