Smart gegen Golf? Jeder halbwegs Autointeressierte wittert sofort den berühmten Äpfel-gegen-Birnen-Vergleich. Passt nicht, geht nicht, darf nicht – basta! Kann man so sehen, sollte man aber nicht. Äpfel und Birnen besitzen immerhin reichlich Gemeinsamkeiten. Beide Obstsorten gehören von der Ordnung (Rosenartige) bis zum Untertribus (Kernobstgewächse) in die gleichen biologischen Schubladen. Erst dann folgt die Unterscheidung in die Gattungen Äpfel und Birnen – die jede für sich natürlich ein ganz spezielles Aroma entfaltet.
Beide Konkurrenten teilen einen gewissen sportlichen Anspruch
Apfel und Birne im Vergleich? Mitnichten! Golf GTI I und Smart Brabus haben durchaus Gemeinsamkeiten.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Ähnlich läuft das auch bei Smart und Golf – falls die richtigen Modelle gegenübergestellt werden. Den aktuellen Smart wählen wir also als forfour von Brabus. Das macht dann 109 PS auf 3,53 Meter Gesamtlänge. Dazu bitten wir einen VW Golf I GTI, dessen 110 PS sich auf 3,73 Metern versammeln. Zweimal sehr ähnlich – allerdings mit fast 40 Jahren Altersunterschied. Und jeweils ganz eigenem Geschmack. Heckmotor und Heckantrieb im Smart, alles vorn im GTI. Mal sehen, was mehr Spaß bringt. Herrlich, wie aufrecht der Golf I sich in den Wind stellt. Und das klare, kantige, inzwischen klassische Design bringt echte Vorteile. Du siehst da draußen plötzlich so viel mehr als im knubbeligen Smart Forfour. Wo beim Mini-Mercedes ständig ein Fahrradfahrer oder der Nebenmann in uneinsehbaren Ecken verschwindet, lassen große Fenster und schlanke Karosseriesäulen beim Golf nichts im Verborgenen. Auch das Cockpit lockt mit herrlich wenigen Knöpfen und einfachster Bedienung – Mann, war Auto fahren damals einfach.
Dem Brabus forfour nimmt die moderne Technik das Wilde
Technisch überlegen: Der Smart Brabus wird von einem ESP bei Bedarf im Zaum gehalten.
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Allerdings bietet der Smart nicht nur deutlich mehr Bedienelemente, er kann auch viel mehr. Das beginnt beim serienmäßigen Autoradio und hört beim optionalen Spurhalteassistenten (380 Euro) noch lange nicht auf. Vieles, etwa die Start-Stopp-Automatik oder ein ESP, war vor 40 Jahren noch gar nicht erfunden. Doch zumindest beim Duell auf der Rennstrecke haben wir das nicht weiter vermisst. Im Gegenteil Schon allein der Sound des smarten Brabus macht unmissverständlich klar, dass moderne Elektronik denkleinen Flitzer fest im Griff hat. Leicht künstlich röhrt der Dreizylinder im Heck vor sich hin und bemüht sich um einen sportlichen Eindruck. Die Gänsehaut bleibt aber aus. Und ja, auch der Vierzylinder des GTI pustet uns jetzt nicht gerade die Gehörgänge durch. Er klingt aber zumindest ehrlich und erdig – was so ein 1.6er-Sauger halt hergibt. Auch auf dem Rundkurs kann der VW sich erstaunlich gut in Szene setzen. Allein die Sitze verdienen ein dickes Extra-Lob. Die karierten Recaros sehen nämlich nicht nur lecker aus, sie geben dem Fahrer auch hervorragenden Halt. So was haben die Wolfsburger schon vor 40 Jahren in ihren kompakten Wilden gepackt? Respekt!
Im Smart sehen die Polster zwar sportlich aus, unterstützen den Fahrer im Angriffsmodus aber nur mäßig. Auf der Piste legt sich der Smart dennoch ordentlich ins Zeug, kommt ohne Traktionsprobleme aus der Startaufstellung und wuselt flink über den Parcours – der Funke will aber nicht überspringen. Schuld trägt vor allem Kollege Computer. Weil das ESP den Zwerg stets sicher auf Kurs halten muss und sich auch für den Rennbetrieb nicht abschalten lässt, gibt es ständig den Spielverderber.
Die schnelle Rennrunde im Smart vergeht ereignislos
Etwas emotionslos: Vom Heckantrieb ist auf der Piste wenig zu spüren, der forfour bleibt stets brav.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
In forsch angegangenen Kurven staucht es den Brabus bestimmt zusammen und entlässt ihn brav bummelnd auf die nächste Gerade. Da kannst du an der mäßig direkten Lenkung reißen, wie du willst – vom Heckantrieb spürst du nichts. Kein vorlauter Powackler, kein übermütiges Eindrehen, nicht mal ein zaghaftes Zucken. Das ist für einen Smart im Normalfall sicher die richtige Einstellung, für den Brabus auf Zeitenjagd hätten wir dem ESP einen freizügigeren Sportmodus gewünscht. Auch das Doppelkupplungsgetriebe dürfte im Dynamik-Modus ruhig mit noch kürzeren Schaltzeiten und späteren Schaltpunkten aufwarten. Zugegeben, Schaltpaddel am Lenkrad und die Race-Start-Funktion machen gegenüber der nicht mehr so richtig straffen Handschaltung des GTI mächtig was her – wirklich sportlich geht aber anders. So bleibt die Kurverei im Contidrom letztendlich ziemlich ereignis- und emotionslos, die Uhr schließlich bei 1:53.43 Minuten stehen. Und der GTI? Kämpft vor allem mit einem nicht ganz rund laufenden Motor. An Drehzahlen über 5500 traut er sich nicht so recht ran, schöpft deshalb nicht sein volles Potenzial aus. Spaß bringt er dennoch.
Der Golf verbindet den Fahrer direkter mit dem Geschehen
Dynamischer Klassiker: Mutig wirft sich der GTI in Kurven aller Art, schnurrt leichtfüßig über die Piste.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Weil er seinen Fahrer direkt und hautnah miterleben lässt, was zwischen Lenkrad, Lauffläche und Limit abgeht. Trotz niedlicher 13-Zoll-Räder weist uns die hydraulische Servolenkung zuverlässig den Weg. Ja, aus engen Kehren heraus könnte die Traktion des Fronttrieblers besser sein, und auch das Untersteuern im Grenzbereich weckt nicht gerade unsere Leidenschaft. Dennoch zieht uns der GTI dank mehr als 300 Kilo Gewichtsvorteil gegenüber dem Smart stärker in seinen Bann. Mutig wirft sich der Held der End-70er in Kurvenkombinationen aller Art, schnurrt leichtfüßig übers Parkett und hebt fröhlich ein Hinterrad. Ein typischer Golf-Gag: sieht wild aus, bleibt aber harmlos. Und ändert auch nichts daran, dass unser Museums-GTI mit 1:55.63 Minuten knapp hinter dem Brabus ins Ziel kommt. Und dabei nach fast 40 Jahren trotzdem noch echt knackig wirkt. Versuchen Sie das mal mit Äpfeln. Oder Birnen.
Na klar liefert der Smart Brabus forfour das modernere Gesamtpaket ab. Allerdings nicht das spannendere. Das finden wir beim Ur-GTI, der durch seine direkte und ehrliche Art daran erinnert, wie wenig es für großen Spaß braucht.