Es ist keine gute Idee, mit einer Alltagsbrille Sport zu treiben. Nicht nur, weil Alltagsbrillen keinen geeigneten Sonnen-und Windschutz bieten. Gebrochene Gläser und Rahmenteile können leicht zu Verletzungen führen.
Eine Alternative für Brillenträger sind Kontaktlinsen. Nachteil ist aber, dass Kontaktlinsen während der Fahrt verrutschen oder austrocknen können. Eine spezielle Sportbrille mit Korrektionsgläsern gilt als Goldstandard. Allerdings ist die Anschaffung, für die man unbedingt einen Optiker aufsuchen sollte, mit mindestens 300 Euro ziemlich kostspielig.
Ludwig Eberlein, 49, ist gelernter Optiker und bei der Silhouette Group in führender Position
Bild: Silhouette Group

Interview mit Ludwig Eberlein

Herr Eberlein, wie aufwendig ist es, Radsportbrillen zu verglasen?
Technisch ist die Verglasung von Sportbrillen alles andere als trivial. Die wichtigste Funktion von Radsportbrillen ist der Schutz der Augen, der durch eine starke Durchbiegung der Brille erreicht wird. Diese Durchbiegung und die dadurch erzeugte Schrägstellung der Brillengläser vor dem Auge sind eine große Herausforderung. Schließlich schaut der Sportler schräg durch ein stark gewölbtes Brillenglas, wodurch eine Vielzahl von optischen Abbildungsfehlern entstehen. Eine Radsportbrille hat daher andere Glasstärken als ein normales Brillenglas, welches gerade vor dem Auge steht. Neben der genannten Umrechnung der Glaswerte benötigt es spezielles Equipment zur Produktion der stark gewölbten Gläser. Mit Stolz können wir heute sagen: Bei Evil Eye lassen sich alle Sportbrillen optisch verglasen.
Welche Möglichkeiten zur optischen Verglasung hat der Kunde?
Wir bieten jedem Athleten die Verglasung an, die zu ihm passt. Entweder als Direktverglasung, über einen Adapter oder in Form eines Clip-ins.
Welche Verglasung wird am häufigsten nachgefragt?
Eindeutig die Direktverglasung. Die Brillen sehen eins zu eins aus wie die Brillen ohne Sehstärke, bieten das größte Sichtfeld und unterscheiden sich in Handhabung und Pflege nicht von einer herkömmlichen Sonnenbrille.
Modische Radsportbrillen mit großen Monogläsern sind begehrt. Lassen sich diese Brillen auch verglasen?
In puncto Aerodynamik sind solche Shield-Verglasungen gegenüber Brillen mit Einzelgläsern im Vorteil. Bei Evil Eye bieten wir Shield-Verglasungen seit geraumer Zeit an. Die Herausforderung ist, dass wir mit optischen Gläsern immer einen Fokuspunkt, also eine Brennweite für jedes Auge erzeugen müssen. Somit ist es physikalisch unmöglich, nur ein Glas für beide Augen zu fertigen. Unsere Lösung heißt Shield-Adapter: Wir haben für jedes Modell Monoscheiben mit Aussparungen für optische Gläser entwickelt, wo die Korrektionsgläser später eingefasst werden.
Welche Tönung empfehlen Sie?
Da beim Radsport schnelle Licht-Schatten-Wechsel zur Herausforderung werden können, empfehlen wir oft auch selbsttönende Filter, die sich den Lichtverhältnissen automatisch anpassen. Auch das subjektive Empfinden spielt eine große Rolle, denn jeder Mensch hat eine andere Farbwahrnehmung. Mein Rat: Probieren Sie verschiedene Tönungen beim Optiker vor Ort aus.

So kommen Sie zu Ihrer Radsportbrille mit Sehstärke

Viele Wege führen nach Rom und viele zu Ihrer Radsportbrille mit Sehstärke. Damit Sie sich ein Bild vom dem Prozess machen können, haben wir bei der Silhouette Group (Evil Eye) nachgefragt.
Beratung beim Optiker: Erster Schritt ist ein ausführlicher Sehtest beim Optiker. Wenn die Daten erhoben wurde, gibt der Optiker die Kundendaten in ein Bestellsystem ein. Es folgt eine live Berechnung der Glasdicken auf unserem Server. Der Optiker kann bei Bedarf Glasdicken angleichen. Dabei wird auch geprüft, ob die Brillenwerte des Kunden produzierbar sind.
Glasproduktion: Ein dreidimensionales Modell des fertigen Brillenglases wird berechnet. Berücksichtigt werden dabei die Konstruktionsdaten der Fassung, die benötigte optische Wirkung und die individuellen Parameter des Brillenträgers (Augenabstand, Durchblickspunkt, Sitz der Brille). Anschließend werden die Halbfabrikate aus dem Lager entnommen. Die nächsten Arbeitsschritte sind:
Blocken: Aufbringen einer Aufnahme aus Alloy, mit der die Halbfabrikate von den Maschinen gehalten werden können. Diesen Vorgang nennt man „blocken“. Alloy ist eine spezielle Metalllegierung, welche bei ca 70°C schmilzt. Es wird also ein flüssiger Metallblock auf das Halbfabrikat gegossen.
Hier sehen Sie, wie der Freiformgenerator das Brillenglas in seine finale Form bringt.
Bild: Silhouette Group

 
Fräsen: Nun kommt der Blank in einen Freiformgenerator, welcher das zuvor gerechnete 3D Modell auf die Rückseite des Halbfabrikats fräst. Die Maschine nutzt dabei mehr als 60.000 Referenzpunkte pro Brillenglas und fertigt die Gläser auf eine 1/100dpt. Genau.
 
Laser-Gravur: Alle Gläser werden vollautomatisch vermessen und mit einem Laser graviert. Die Gravur ist notwendig um die Gläser richtig zu zentrieren und später ausmessen zu können.
 
Politur/Härtung:
Danach werden die Gläser poliert und mit einer Hartschicht versehen, damit sie den Herausforderungen im Sport stand halten.
 
Entspiegelung: Die Gläser werden nun entspiegelt. Dazu werden in einem Vakuum bis zu zwölf Schichten aufgedampft um später ein reflexfreies Sehen zu ermöglichen.
 
Einarbeitung: In diesem Schritt werden die noch runden Brillengläser auf die Form der Brillenfassung gefräst und anschließend montiert.
Übergabe durch Optiker: Nach Fertigstellung der kompletten Brille wird diese an den Optiker versendet. Er kümmert sich ein letztes Mal um den perfekten Sitz und stellt sicher, dass dem perfekten Sehen nichts im Wege steht.
Die Radsportbrille mit Korrektionsgläsern ist fertig und bereit, vom Optiker an den Kunden übergeben zu werden.
Bild: Silhouette Group