(dpa) Das Bundeskartellamt nimmt erneut die deutschen Spritpreise unter die Lupe. In einer zweiten "Sektoruntersuchung Mineralöl" würden die Raffinerien, Transportwege und Tanklager sowie der Handel der Branche auf den Mineralöl-Großmärkten – also das Geschehen vor dem Endverkauf an der Tankstelle – untersucht, teilte das Bundesamt am 27. September 2012 mit. "Wir werden uns auch genauer ansehen, in welcher Form Preisbewegungen bei Rohöl und Mineralölprodukten an die Autofahrer weitergegeben werden", erklärte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt.

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Andreas Mundt
Kartellamtschef Mundt kündigte Untersuchungen an, wie Preisbewegungen auf dem Ölmarkt an die Autofahrer weitergegeben würden.
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In einer ersten Untersuchung hatte die Behörde den deutschen Tankstellenmarkt selbst untersucht. Sie kam nach mehrjähriger Prüfung im Mai 2011 zu dem Ergebnis, dass die fünf großen Konzerne Aral/BP, Shell, Jet, Esso und Total zwar keine Preisabsprachen träfen, aber ein marktbeherrschendes Oligopol bildeten. "Die Unternehmen verstehen sich ohne Worte. Das führt zu überhöhten Preisen", hatte Mundt gesagt. Die Mineralölwirtschaft hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen.
Ab 2013 soll eine sogenannte Markttransparenzstelle der Bundesregierung die Benzinpreise der rund 14.700 Tankstellen in Deutschland sammeln. Die Bundesregierung erhofft sich davon, dass das Bundeskartellamt Wettbewerbsverstöße künftig besser aufdecken kann. Rund 65 Prozent des Kraftstoffabsatzes entfällt bundesweit auf die großen fünf Konzerne. Falls das entsprechende Gesetz verabschiedet wird, könnten die Daten in Echtzeit ins Internet gestellt werden und dem Autofahrer über Smartphone-Apps die Suche nach der günstigsten Tankstelle erleichtern, hoffen Verbraucherschützer.