Mit mehr Kraft und gestählter Querdynamik will die neue Viper Supersportler wie Lexus LFA und Lamborghini Gallardo LP 560-4 aufmischen. Der große V10-Vergleich.
Bild: Ronald Sassen
Stefan Helmreich
Egal ob Lexus LFA, Lamborghini Gallardo LP 560-4 oder die Viper, die fortan als SRT firmiert – sie alle kommen am Ende bei zehn Zylindern raus, jeder der drei gelangt jedoch anders dorthin. Dodge entdeckt den V10, als man auf der Suche nach immer noch mehr Hubraum mit den achtzylindrigen Magnum-Motoren nicht mehr weiterkommt; Lexus baut ihn als Brücke zur Formel 1, und bei Lamborghini scheint er in eine Sackgasse zu münden, bis Audi mit einem 90-Grad-V8 die passende Ausgangsbasis beisteuert.
Front- und Heckschürze des Gallardo tragen ihre Luftschächte seit dem Minilifting querverstrebt.
Bild: Ronald Sassen
Lamborghini Seit 2003 belebt er den Gallardo nun, wächst in ihm von anfänglich 4961 auf 5204 Kubik heran und wird – wenn er demnächst in den Nachfolger umzieht – in seinen diversen Leistungsstufen das Herz mindestens zehn verschiedener Versionen gewesen sein. Inmitten der ganzen Downsizing-Hektik steht er für Beständigkeit, überdauert selbst die Anschläge der Euronormen und ist damit inzwischen so etwas wie der Fixstern im Universum des V10, dessen Extreme die Motoren von LFA und Viper sind. Im Kern geht es bei ihnen um genau dasselbe: Treibstoff wird eingespritzt, verdichtet, gezündet und weggeschafft.
Bei 80 km/h faltet der Lexus den Heckflügel auf. Selbst auf der Autobahn lässt sich der Abtrieb erfühlen.
Bild: Ronald Sassen
Lexus Es ist der 14. Dezember 2012, als das letzte der 500 Exemplare die Manufaktur verlässt. Einen Vorgänger gab es nicht, einen Nachfolger wird es nicht geben. Auf Profit kommt es ihm trotz des absurden Preises von 375.000 Euro niemals an, eitel ist er nicht, und doch legt er auf sein Äußeres den größten Wert. Vorn leitet eine unscheinbare Lippe den Fahrtwind genau am Unterboden entlang, hinten stauen das monumentale Leitwerk und ein Diffusor tonnenweise Abtrieb auf, während die 8,5 Quadratmeter dazwischen die Luft je nach Bedarf umleiten oder in sich hineinsaugen. Ganz wenig ist Form, alles Funktion.
Dank Sperre und 355er-P-Zero-Corsa ist die Traktion der Viper enorm. Kämpfen darf man dennoch.
Bild: Ronald Sassen
SRT Vor allem die Viper flößt einem anfangs einen Heidenrespekt ein. Die Dachkuppel zieht sich wie ein Helm bis weit ins Gesicht hinein, die Fronthaube wölbt sich als Hügellandschaft vors Visier, während die Cockpitfassade fast ein wenig zu bürgerlich rüberkommt, wenn man bedenkt, was dahintersteckt. Alte Regel: nicht gucken, nur anfassen. Gelenkt wird mit den Oberarmen; Schalten klappt am besten, wenn man den kurzen Hebel mit roher Gewalt durch die Gassen reißt; neben den straffen, hervorragend ausgeformten Sabelt-Sitzen wirkt so eine Corvette schon ganz schön durchgesessen. Ein Druck auf den Startknopf lässt dann aber auch jeden anderen Sportwagen dieser Erde blass aussehen. Den kompletten Artikel mit allen Daten und Infos gibt es in der neue AUTO BILD SPORTSCARS 7/2013 oder im Heftarchiv als pdf-Download.
Fazit
von Stefan Helmreich
Lexus baut eine Rennsportromanze, SRT erschafft ein Ungetüm, während der Lamborghini je nach Perspektive das eine oder andere ist. Mit 649 PS, höllischem Klang und abartiger Kraftentfaltung wird die Viper jedoch der einzige Zehnzylinder bleiben, der voll auf die Zwölf geht.