Pick-ups sind bei uns kein Massenartikel, wegen ihrer Sperrigkeit. Aber das Interesse an ihnen steigt mit zunehmender Unbezahlbarkeit klassischer Geländewagen. Preissensibel ist die Pick-up-Kundschaft geblieben: Was die 50.000-Euro-Schallgrenze allzu beherzt reißt, etwa die Mercedes X-Klasse, das wird leicht zum Ladenhüter.
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Das macht einen Vergleich des neuen Vierzylinder-Amarok – 5,35 m lang und mit Technik vom Ford Ranger – mit dem ähnlich großen SsangYong Musso Grand (5,40 m) reizvoll. Letzterer ist nicht wirklich ein Preisbrecher, zählte aber gemeinsam mit dem Isuzu D-Max stets zu den preiswerteren Pick-ups in Deutschland und wurde erst kürzlich renoviert. Den Musso gibt es auch in einer 30 Zentimeter kürzeren Version, etwas parkfreundlicher.
VW Amarok 2.0 TDI 4Motion SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
Arbeiter ohne Schnickschnack: Amarok und Musso Grand wollen nicht vor dem Café glänzen, beide setzen auf praktische Qualitäten.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Musso Grand und Amarok wollen praktisch sein

Unter den landschaftsartigen Motorhauben beider Pick-ups dieseln Vierzylinder, und beide rollen auf vernunftbetonten, hochflankig bereiften 17-Zöllern. Keine Eisdielen-Showcars für Poseure, sondern Arbeitstiere für Käufer, die von ihrem Auto etwas verlangen. Robust ausgekleidete Ladeflächen etwa, in die man mit etwas Geschick zwei Europaletten quer einladen kann. Und die Möglichkeit, etwa drei Tonnen zu ziehen. Was in der Regel für zwei Pferde im Hänger reicht.

SsangYong setzt auf Ausstattungs-Pakete

SsangYong ist im Heimatland Korea eine angesehene Marke – sie baut traditionell die Staatslimousine. Nach dem unruhigen Jahr 2022 ist sie unter das Dach des Chemie- und Stahlriesen KG geschlüpft. Unser Testwagen kam in der zweithöchsten Ausstattung "Sapphire". Sitzheizung, Sitzlüftung und Schiebedach sind ebenso an Bord wie das beim Grand ohnehin serienmäßige Sperrdifferenzial hinten. Letzteres hilft bei unterschiedlicher Griffigkeit des Bodens links und rechts aus dem Schlamassel, statt alle Kraft an einem einzigen durchdrehenden Rad verpuffen zu lassen.
SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
Typisch Korea: Viele nützliche Ausstattungs-Extras sind an Pakete gebunden. Die Preise dafür sind allerdings ziemlich fair.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Typisch für Koreaner: Begehrte Extras sind paketgebunden. Wer die (empfehlenswerte) 360-Grad-Kamera will, muss Totwinkel- und Spurwechselassistent mitordern. Die Assistenten sind im Safety-Paket zusammengefasst, es kostet 2000 Euro. Wer Echtleder will, muss zum Elegance-Paket zu 3000 Euro greifen – das Safety-Paket ist darin enthalten. Die Pakete sind allerdings fair gepreist; anderswo würde allein das Leder mehr als 3000 Euro kosten.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn längs 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
2157 cm³ 
1996 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
149 (202)/3800 
151 (205) 
Nm bei 1/min
441/1600 
500/k. A. 
Vmax
183 km/h 
180 km/h 
Getriebe 
Sechsstufenautomatik 
6-Gang manuell 
Antrieb 
Allrad zuschaltbar 
Allrad semipermanent 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
235/70 R 17 H 
255/70 R 17 T 
Reifentyp 
Continental 4x4 Contact 
Goodyear Wrangler Territory 
Radgröße 
7 x 17" 
8 x 17" 
Abgas CO2 
245 g/km 
239 g/km 
Verbrauch* 
9,3 l 
9,1 l 
Tankinhalt 
75 l 
80 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat 
Vorbeifahrgeräusch 
71 dB(A) 
71 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
3000/750 kg 
3200/750 kg 
Rampenwinkel 
22,5 Grad 
21 Grad 
Bodenfreiheit/Wattiefe 
210/350 mm 
237/800 mm 
Länge/Breite/Höhe 
5405/1950–k. A.**/1855 mm 
5350/1910–2208**/1884 mm 
Radstand 
3210 mm 
3270 mm 
Grundpreis
37.290 Euro
47.122 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
48.290 Euro
52.798 Euro

Für sorgfältigen Karosseriebau sprechen die gleichmäßigen, feinen Spaltmaße und die Türen. Die fühlen sich schön schwer an und fallen satt ins Schloss. Beim Einsteigen verwöhnt der SsangYong mit weit öffnenden Seitentüren und vergleichsweise niedrig liegendem Schweller. Das Interieur ist eine Übernahme vom Geländewagen Rexton und wirkt keineswegs nutzfahrzeughaft, trotz hohem Hartplastikanteil. Auch die Bedienung überzeugt: wohin das Auge blickt, nichts als echte Tasten, Knöpfe und Drehregler.

Hohe Zuladung macht den Musso unruhig

Beim Fahren ist stets spürbar, welche Sorte Auto man hier bewegt: Die Federung stuckert derb; vor allem auf Autobahnen mit Dehnungsfugen entwickelt der Musso den typischen Pick-up-Zitterich und stakst wie ungefedert durch die Lande, mit Bewegungen um die Längsachse. Wer das nicht mag, der sollte seine Eignung als Pick-up-Fahrer hinterfragen – oder einen alten Amarok fahren, denn der federte untypisch komfortabel, um den Preis einer deutlich reduzierten Zuladung.
SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
Komfort geht anders: Das Fahrwerk des Musso Grand neigt zu derbem Stuckern – das wirkt teilweise wie ungefedert.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Beim Musso haben wir es mit einem Weltauto zu tun, dessen Fahrwerksteile auch für Länder dimensioniert sein müssen, in denen ein Straßennetz eher andeutungsweise vorhanden ist. Der Grand ist blattgefedert, im Gegensatz zum kürzeren, hinten spiralgefederten Standard-Musso. Das Stuckern liegt aber nicht an den Blattfedern, sondern an den 955 kg Zuladung – beim "kurzen" Musso sind es rund 300 kg weniger. Der Kurze stuckert auch, aber weniger heftig.
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Viel mehrheitsfähiger: der willig durchziehende, durchaus kultivierte 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, ein SsangYong-Eigengewächs. Die Leiterrahmen-Konstruktion mit aufgeschraubtem Aufbau hilft hier, denn sie entkoppelt die Kabine von den Schwingungen und Geräuschen von Motor, Antrieb und Fahrwerk.
Überhaupt fährt der dicke Pick-up leise; Windgeräusche sind erst weit oberhalb von 150 km/h vernehmbar. Zudem ist der gesamte Antrieb lang übersetzt. Bei 2000 Umdrehungen sind wir bereits mit 130 km/h unterwegs. Der Sechsstufen-Wandler wechselt die Gänge gemütlicher als das jüngere Achtstufen-Aggregat im Rexton, passt aber zum Auto. Das Höchsttempo liegt immerhin laut Tacho bei 190 km/h. Auch das ist ohne Hörschaden und Angstschweiß erlebbar. Leider zupft der Spurhalteassistent in Kurven mehr an der Lenkung herum als wünschenswert.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,5 s 
4,0 s 
0–100 km/h 
11,3 s 
12,1 s 
0–130 km/h 
19,4 s 
19,3 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
6,7 s 
6,6/8,6 s (4./5. Gang) 
80–120 km/h 
8,9 s 
9,1/11,2 s (5./6. Gang) 
Leergewicht/Zuladung 
2305/955 kg 
2195/1035 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
55/45 % 
55/45 % 
Wendekreis links/rechts 
13,1/13,3 m 
13,3/13,1 m 
Sitzhöhe 
820 mm 
845 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
41,4 m 
41,2 m 
aus 100 km/h warm 
39,6 m 
43,6 m 
Verbrauch
Sparverbrauch 
7,1 l D/100 km 
7,1 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,5 l D/100 km
(-8,6 %)
8,4 l D/100 km
(-7,7 %)
Sportverbrauch 
11,2 l D/100 km 
10,8 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
226 g/km 
222 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
880 km 
950 km 

Pick-up-üblich, aber ein echter Nachteil: der Zuschalt-Allradantrieb. Primär ein Hecktriebler, fürs Gelände lässt sich der Frontantrieb per Drehknopf zuschalten. Leider entsteht dann eine starre 50:50-Kraftverteilung mit zwei Problemen auf griffigem Asphalt: radierende Reifen und Verschleiß des Fahrwerks. Schlimmer: Der Rechner der ABS-Bremse erhält falsche Daten, da der starre Durchtrieb die Räder vorn und hinten ja zu exakt gleichen Drehzahlen verdonnert – was die Bremswege verlängert. Deshalb taugt der Zuschalt-Allrad nur für losen Untergrund oder lückenlose Schneedecke.

Amarok mit dem besseren Allrad-Antrieb

Dieses Problem kennt der neue VW Amarok ebenso wenig wie sein Technikspender Ford Ranger, denn die Technikbrüder nutzen einen semipermanenten Allrad via elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung. Es handelt sich quasi um einen umgedrehten SUV-Allrad: Primär ist auch der Amarok als Hecktriebler unterwegs. Tritt Schlupf auf an den Hinterrädern, etwa durch kräftiges Gasgeben, schnappt die Allradkupplung zu und beteiligt die Vorderräder am Vortrieb.
VW Amarok 2.0 TDI 4Motion
Cleverer: Anders als der Musso setzt der Amarok im 4x4-Modus nicht auf starren Durchtrieb. Ein Lamellenkupplung trennt die Achsen.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Bevor sie die elektronischen Fahrhilfen stören kann, lässt sich die Lamellenkupplung blitzschnell öffnen. Es empfiehlt sich, auch auf Asphalt im 4A-Modus zu fahren, denn dann steht der Allrad stets Gewehr bei Fuß. Der reine Hinterradantrieb (2H) spart kaum Sprit, bietet aber nicht die Spurtreue eines Allrads.
Der Vierzylinder mit 500 Nm Drehmoment reicht für alle Lebenslagen, den V6 braucht man nicht zwingend. Der Amarok stuckert zwar auch, aber weniger als der SsangYong. Der neue Amarok bietet eben im Gegensatz zum alten eine volle Tonne Zuladung. Da liegt das Losbrechmoment der Hinterachsfedern hoch – Blattfedern übrigens auch hier.

An der Kasse verliert VW gegen SsangYong

Die Hinterachssperre ist auch beim Amarok serienmäßig an Bord, funktioniert tadellos und arbeitet doch ungewöhnlich spontan. Und er hat dafür noch eine physisch vorhandene Taste. Noch mal Vorteil Amarok: Er bietet Lordosenstützen in den Sitzen, auch in der eher einfachen "Life"-Ausstattung. Im Kostenkapitel holt der SsangYong dann auf. Hätten wir einen Automatik-Amarok zur Verfügung gehabt, wäre die Preisschere nochmals 2000 Euro auseinandergegangen.
VW Amarok 2.0 TDI 4Motion SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
Teuer: Für den Amarok standen am Ende 52.798 Euro auf der Rechnung. Der Musso Grand bleibt mit 48.290 Euro deutlich darunter.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD

Die waagerechte Amarok-Haube hat etwas von einem Flugzeugträger und soll Übersichtlichkeit schaffen. Das gelingt aber nur eingeschränkt: Der Fahrer sieht zwar immer, wo der Wagen aufhört, aber nach rechts vorn kann die hohe Haube auch mal etwas verdecken. Da ist die leicht abfallende, seitlich angehobene SsangYong- Gestaltung praktischer. Vorteil Amarok wiederum: die Pritschenbeschichtung, die weniger nutzbaren Platz wegnimmt als die Plastikwanne des Koreaners. Beide Pick-ups hatten bei uns ihre Fans, weil sie auf Nonsens wie 20-Zöller und Trittbretter verzichten. Schlicht ist schöner.

Bildergalerie

VW Amarok 2.0 TDI 4Motion SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
SsangYong Musso Grand 2.2 e-XDi
VW Amarok 2.0 TDI 4Motion
Galerie "Zwei Pick-ups im Test" mit 26 Bildern öffnen
Zwei Pick-ups im Test

Fazit

Erstaunlich ist die geringe Punktedifferenz. Der SsangYong, auch schon fünf Jahre alt, kann durchaus mithalten dank Preisvorteil, bequemerem Fond und mehr Ausstattung. Sein Zuschaltallrad ist üblicher Pick-up-Standard – mit Nachteilen. Hier bietet der Amarok mehr Modernität.