Standschäden beim Auto: ein Jahr nicht gefahren
So geht ein Auto im Stehen kaputt

Wochenlang nicht gefahren? Batterie, Bremsen und Reifen können unter langen Standzeiten leiden. Was nach Wochen, Monaten und Jahren droht!
Bild: AUTO BILD intern / mit Hilfe von KI berarbeitet
Inhaltsverzeichnis
Keinen Meter gefahren, keinen Sprit verbraucht – und dennoch um Jahre gealtert und hohe Kosten erzeugt. Das kann schnell passieren, wenn ein Auto lange rumsteht, ohne überhaupt bewegt zu werden. Ganz gleich ob Kälte, Hitze oder Regen – vor allem im Freien setzen Witterung ewig parkenden Autos richtig zu.
Doch auch in der Garage sollte das Auto nicht zum Stehzeug mumifizieren, sondern sollte spätestens alle paar Wochen einmal ausgiebig bewegt werden. Ausnahme: Wer sein Saisonfahrzeug richtig einmottet, kann das Auto auch ein paar Monate schlummern lassen, ohne dass Schäden drohen.
Welche Schäden treten beim Rumstehen wann auf?
Wir machen eine kleine Zeitreise und zeigen, welche Schäden nach welcher Zeit auftreten. Ein düsterer Blick vorab in die Zukunft: Nach einem Jahr ist es meist bereits so schlimm, dass sich das Auto nicht mehr auf eigener Achse sicher fortbewegen lässt. Und das liegt dann gewiss nicht mehr nur an einer platten Starterbatterie. Lost geht's!
Es kann erschreckend schnell gehen. Nach einer feuchten Nacht zeigen blanke Bremsscheiben oft bereits den ersten rostbraunen Belag. Das sieht schlimm aus, ist zunächst aber meist harmlos. Leichter Flugrost wird bei den ersten vorsichtigen Bremsungen normalerweise wieder von der Scheibe geschliffen.

Leichter Flugrost lässt sich noch runterbremsen. Eventuell gibt es eigenartige Geräusche bei den ersten Bremsvorgängen, doch nach ein paar Bremsungen hat sich das Thema erledigt.
Bild: Tim Dahlgaard
Anders sieht es aus, wenn das Auto über Wochen bei Wind und Wetter steht. Dann kann aus dem oberflächlichen Rost stärkere Korrosion werden. Im schlimmsten Fall können Bremsbeläge an der Scheibe festrosten oder Teile der Bremsmechanik schwergängig werden. Kurz gesagt: Nach ein paar Tagen kann man den Stillstand schon sehen. Ein echter Standschaden ist das normalerweise noch nicht.
Selbst wenn Zündung und Licht ausgeschaltet sind, herrscht im modernen Auto nicht völlige Stromstille. Alarmanlage, Keyless-System, Steuergeräte und andere Verbraucher können weiterhin Energie benötigen.

Das Auto steht, doch die Autobatterie hat trotzdem einiges zu tun. Vor allem bei moderne Fahrzeugen ziehen die Steuergeräte immer wieder Strom. Etwa wenn ein Funkschlüssel bedient wird. Alle Autos in Reichweite checken dann: Galt das mir? So zieht das Auto immer weiter Strom. Gegen Kriechströme und Korrosion an den Polen und Klemmen hilft Fett.
Bild: Ralf Timm
Wie groß die Unterschiede sind, zeigt ein vom ADAC untersuchtes Szenario: Bei korrekt abgestellten und eingeschlafenen Fahrzeugen wurden Ruheströme von lediglich 5 bis 40 Milliampere gemessen. Wenn das Fahrzeug wegen eines offenen Kofferraums dagegen nicht richtig in den Schlafmodus wechselte, waren bei einzelnen Autos bis zu 0,45 Ampere möglich.
Eine fitte Batterie sollte eine Woche normalerweise ohne Drama überstehen. Ist der Akku aber alt, schlecht geladen oder gibt es einen ungewöhnlich hohen Ruhestrom, kann die Standzeit deutlich schneller zum Problem werden. Erstes Warnzeichen: Der Anlasser dreht beim nächsten Start auffällig müde.
Ratgeber Starterbatterie: So laden Sie Ihre Autobatterie auf
Nun lasten seit Wochen mehrere Hundert Kilogramm auf denselben wenigen Quadratzentimetern Reifenfläche. Dadurch kann sich der Reifen im Bereich der Aufstandsfläche vorübergehend verformen. Das Ergebnis nennt sich Standplatten. Beim Losfahren kann das Auto deshalb zunächst unangenehm hoppeln oder vibrieren.
Ein leichter Standplatten kann sich mit zunehmender Erwärmung des Reifens wieder zurückbilden. Je länger das Fahrzeug steht und je niedriger der Reifendruck ist, desto ungünstiger sind die Voraussetzungen.

Wenn schon das Unkraut kommt ... nach mehreren Monaten Last auf der exakt gleichen kleinen Fläche droht den Reifen ein sogenannter Standplatten. Die Reifen laufen dann nicht mehr richtig rund, was den Komfort, aber vor allem auch die Sicherheit beeinträchtigt. Bei langer Standzeit Fülldruck um rund ein halbes Bar erhöhen.
Bild: AUTO BILD intern
Gleichzeitig hat die Starterbatterie weitere Wochen ohne Nachladung hinter sich und die Bremsscheiben haben bei einem Laternenparker womöglich zahlreiche feuchte Nächte erlebt. Genau deshalb empfiehlt AUTO BILD bei einem nicht speziell eingemotteten Auto regelmäßige Bewegung, mindestens einmal im Monat, besser wöchentlich. Und damit ist nicht die Fünf-Minuten-Runde um den Block gemeint.
Jetzt wird aus "Auto einige Zeit nicht gebraucht" langsam echtes Langzeitparken. Die Batterie kann inzwischen so weit entladen sein, dass Starthilfe nötig wird. Besonders ungünstig ist eine länger anhaltende Tiefentladung, weil die Batterie dabei dauerhaft Schaden nehmen kann. Auch die Reifen stehen seit Monaten auf derselben Stelle. Beim geplanten längeren Abstellen hilft es daher, den Reifendruck vorher etwas anzuheben. Noch besser: im Zubehör gibt es spezielle Reifenschoner. Hier stehen die Reifen auf weichem Gummigranulat und vertragen Stillstand so deutlich besser.

Durch die geschwungene Form der Reifenwiege erhöht sich die Auflagefläche, wird der Reifen geschont. Für rund 50 Euro erhält man gummierte Modelle, die besonders schonend für die Reifen sein sollen.
Bild: Hersteller
Und auch die Bremsscheiben leiden weiter. Aus oberflächlichem Flugrost wird langsam eine tiefergehende Korrosion. Bei einem über Monate abgestellten Fahrzeug sollte deshalb nicht einfach Starthilfe gegeben werden, um dann unbekümmert loszufahren. Die Bremse sollte auf den ersten Metern mit Vorsicht benutzt werden. Bleibt die Bremsleistung nach mehreren Versuchen unzureichend, sollte das Fahrzeug unbedingt abgestellt werden.
Jetzt wird aus dem Rumstehen langsam ein technisches Problem. Die Batterie kann tiefentladen und dauerhaft geschädigt sein, Reifen können ausgeprägte Standplatten entwickeln und aus harmlosem Flugrost an den Bremsen kann hartnäckige Korrosion werden.

Nach mehreren Monaten Standzeit sind die Stahlscheiben dieses Porsche 911 massiv verrostet. Hier lässt sich die Bremse nicht einfach "freibremsen". In jedem Fall sicherer: statt auf eigener Achse mit dem Schlepper in die Werkstatt.
Bild: AUTO BILD intern
Im Freien kommt Feuchtigkeit hinzu: Rost arbeitet an Fahrwerks- und Bremsenteilen, Laub kann Wasserabläufe verstopfen und stehendes Wasser neue Korrosionsprobleme schaffen. Auch der Kraftstoff altert bereits, besonders ungünstig bei starken Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit. Nach einem halben Jahr heißt es deshalb nicht mehr selbstverständlich: einsteigen, starten, losfahren.
Hat ein Auto tatsächlich ein Jahr unbewegt im Freien gestanden, sollte vor der ersten Fahrt kontrolliert werden, was die zwölf Monate angerichtet haben.
Auf die Checkliste gehören mindestens:
- Batterie und Ladezustand
- Reifen, Reifendruck und sichtbare Schäden
- Bremsscheiben und Funktion der Bremsanlage
- Motoröl und weitere Betriebsflüssigkeiten
- möglicher Flüssigkeitsverlust unter dem Auto
- Kabel und Leitungen im Motorraum
- Feuchtigkeit und mögliche Wasserschäden
- Beleuchtung und Scheibenwischer
- Springt der Motor noch an, bedeutet das schließlich nicht automatisch, dass das Auto auch sicher fahren kann. Reifen und Bremsen interessieren sich herzlich wenig dafür, dass die Starterbatterie gerade noch genug Saft hatte.
Bei einem Fahrzeug mit unbekanntem Zustand oder deutlich längerer Standzeit ist eine fachkundige Kontrolle und Wiederinbetriebnahme fällig.
Auch wenn das Auto weiter steht, die Alterung macht keinen Halt. Nach weit über einem Jahr kann deutlich mehr hinüber sein. Der Sprit im Tank ist gealtert, Bremsflüssigkeit, Motoröl und Kühlmittel sind keinen Kilometer gefahren, müssen aber trotzdem dringend gewechselt werden. Benzin kann durch Sauerstoff, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen altern und Rückstände bilden, im Kühlsystem lässt mit der Zeit die Schutzwirkung der Additive nach.
Nach sehr langer oder unbekannter Standzeit steht deshalb eine kleine Wiederbelebung an: alten Kraftstoff raus, Motoröl samt Filter wechseln sowie Kühl- und Bremsflüssigkeit nach Alter, Zustand und Herstellervorgabe erneuern. Dazu Bremsen gangbar machen, Reifen und Batterie prüfen und nach Undichtigkeiten schauen. Bei jahrelangem Stillstand können sogar Ablagerungen im Kraftstoffsystem oder Korrosion im Motor zum Thema werden.
Jetzt könnte man auf die Idee kommen, das Problem ganz clever zu lösen: Alle zwei Wochen Motor starten, fünf Minuten laufen lassen, fertig. Damit ist wenig gewonnen. Wer ein nicht eingemottetes Auto gelegentlich bewegt, sollte es richtig fahren und auf Betriebstemperatur bringen. AUTO BILD empfiehlt genau das und warnt vor reinen Kurzstrecken. Eine längere Fahrt hilft außerdem dabei, Feuchtigkeit beziehungsweise Kondenswasser aus Motor und Abgasanlage zu bekommen. Unter Umständen ist dauerndes Starten für wenige Minuten also schlechter, als das Auto vernünftig für seine längere Pause vorzubereiten.
- Die Starterbatterie vor längerer Standzeit vollständig laden und, sofern es Fahrzeug und Hersteller erlauben, abklemmen oder an ein geeignetes Erhaltungsladegerät anschließen. Vorsicht bei modernen Autos: Einfaches Abklemmen kann Fehlermeldungen verursachen oder Einstellungen löschen. Hitze möglichst vermeiden, denn hohe Temperaturen beschleunigen die Alterung der Batterie.
- Einen Luftentfeuchter ins Auto stellen, wenn das Fahrzeug trocken und geschützt abgestellt wird. Er bindet Feuchtigkeit im Innenraum und hilft gegen muffigen Geruch und Schimmel. Fußmatten, Teppiche und Kofferraum vorher unbedingt trocknen, sonst sperrt man die Feuchtigkeit gleich mit ein.
- Den Reifendruck vor dem Abstellen erhöhen. Für längere Standzeiten werden häufig rund 0,5 Bar über dem normalen Fülldruck empfohlen. Noch besser sind Reifenschoner, die die Aufstandsfläche vergrößern. So sinkt das Risiko, dass sich die Reifen nach Monaten einen dauerhaften Standplatten einhandeln.
- Bei Verbrennern den Kraftstoff nicht einfach jahrelang im Tank vergessen. Bei sehr langen Standzeiten können geeignete Benzinstabilisatoren beziehungsweise für die Einlagerung vorgesehene Diesel-Additive die Alterung des Kraftstoffs verlangsamen. Dabei unbedingt Dosierung und Freigaben des jeweiligen Herstellers beachten.
- Das Elektroauto nicht mit fast leerem oder randvollem Akku monatelang abstellen. Der ADAC empfiehlt für längere Standzeiten beispielsweise einen mittleren Ladezustand von etwa 30 bis 70 Prozent. Vor allem dauerhaft 100 Prozent sollte man vermeiden. Entscheidend sind aber immer die Vorgaben des Autoherstellers, denn Akkuchemie und Batteriemanagement unterscheiden sich.
Fazit
Ein Auto kann sich tatsächlich kaputtstehen. Nach einer Woche passiert einem gesunden Auto normalerweise noch wenig. Nach einigen Wochen kommen Batterie und Reifen ins Spiel. Nach Monaten können Bremsenkorrosion, tiefentladene Batterie, Standplatten und Witterungsschäden das Auto zum echten Reparaturfall machen. Dann führt die erste Fahrt womöglich direkt in die Werkstatt – eventuell sogar auf dem Abschlepper.
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