Es dauert nur ein paar Minuten, und dann fällt die Dunkelheit wie ein Vorhang. Eben noch strahlend hell und glühend heiß, ist es plötzlich pechschwarz und eiskalt in der Wüste am Fuß der San Bernardino Mountains, und keine zehn Minuten später funkeln am Himmel mehr Sterne als im Starlight Headliner eines Rolls-Royce. Und als wären die nicht schon genug, kommen dazu auch noch die sechs Sterne der Plejaden, die Subaru als Logo an den Kühler seiner Modelle schraubt und die an einem sandfarbenen Outback nun blass das Licht des Lagerfeuers reflektieren.
Willkommen auf der 28 Palms Ranch, willkommen am Rande des Joshua Tree National Parks. Spätestens seit dem gleichnamigen U2-Album von 1987 gehört die Wüstenei mit ihren charakteristischen Kakteen, den Yuccas und natürlich den Joshua Trees im amerikanischen Südwesten zu den großen Sehnsuchtszielen, und nichts kann einen darauf besser einstimmen als eine Nacht in Erins noblen Jurten. Klar locken auf der anderen Seite die Luxushotels von Palm Springs, einst Spielplatz und Sündenpfuhl der Kino-Elite und heute das wohlig warme, rheumafreundliche Rentnerparadies für alternde Showstars und Leinwandgrößen.
Subaru Outback
Glamping unterm Wüstenhimmel: Auf der 28 Palms Ranch hat Erin ein paar Jurten aufgestellt. Die Miete kostet nicht mal 200 Dollar pro Nacht.
Bild: Thomas Geiger
Seit den Kindertagen der Filmindustrie zieht es Stars und Sternchen in die erste halbwegs erträgliche Stadt außerhalb jenes Bannkreises, in dem die Kinohelden früher vertraglich zu sittlich und moralisch einwandfreiem Benehmen verpflichtet waren. Ava Gardner, Frank Sinatra, Gene Autry, Bob Hope, Barry Manilow, ja sogar Hardy Krüger – sie alle sind deshalb in steter Regelmäßigkeit in die Wüste geflohen und haben Palm Springs und seine Nachbargemeinden zu einem Refugium des Geldadels gemacht – nicht umsonst haben Luxusmarken wie Bentley oder Ferrari hier größere Autohäuser als BMW oder Fiat in Paderborn oder Pittsburgh.

Luxus oder Lagerfeuer?

Doch wer morgens Natur pur genießen will, braucht abends kein Drei-Sterne-Dinner vom Room-Service und zum Frühstück keine Matcha-Latta aus Hafermilch. Sondern dann passen ein Lagerfeuer, ein BBQ-Grill und Kaffee aus der Blechkanne besser zur Natur, und statt der 49 Kanäle Video on Demand reicht ein Fenster zum Himmel, das Erin in die Dächer ihrer mit Klimaanlage und Kühlschrank zum Glamping-Domizil aufgerüsteten Jurten geschnitten hat. Bono, The Edge und der Fotograf Anton Corbijn haben auf der Suche nach dem passenden Coverschuss schließlich auch in einfachen Motels geschlafen statt in Luxusschuppen, eins davon war nur einen Steinwurf von der 28 Palms Ranch entfernt.
Subaru Outback
Ab ins Abenteuer: Der Park Boulevard beginnt im beschaulichen Wüstenkaff 29 Palms.
Bild: Thomas Geiger
Lange allerdings wird man diesen rustikalen Luxus kaum genießen. Denn genau so schnell, wie es Nacht wird, beginnt auch wieder der Tag. Die Glut in der Schale vor dem Zelt ist noch nicht kalt, da lockt der Sonnenaufgang in den nahen Nationalpark. Und vorher ein Stopp bei Starbucks, der nicht umsonst um 4.30 Uhr öffnet.

Das perfekte Auto für Natur und Abenteuer

Und ein passenderes Auto als einen Subaru könnte es dafür kaum geben. Erst recht, wenn es ein Outback ist. Denn während die japanische Allradmarke bei uns das verstaubte Image des immergrünen Förster- und Bauernautos für Feld, Wald und Wiese hat, sind Legacy & Co in den USA die Freizeitfahrzeuge schlechthin. Als automobile Entsprechung zum leichten Wanderschuh und der Mammut-Jacke stehen sie vor allem bei der naturgeneigten Jugend hoch im Kurs, weil sie weniger protzig, teuer und durstig sind als Geländewagen wie der Explorer oder der Bronco, und sind damit ausgesprochen erfolgreich. Nicht umsonst rangierte Subaru im letzten Jahr auf Platz acht der US-Statistik, noch vor Jeep oder Ram, und kommt mit knapp 700.000 Zulassungen auf fast doppelt so viele Verkäufe wie VW.
Den Ruf als Trailrunner verdanken sie dabei vor allem dem Outback, der noch vor Audis Allroad oder Volvos Cross Country die Idee vom Allradkombi fürs Abenteuer propagiert hat und seit seinem Debüt vor exakt 30 Jahren allein in Amerika drei Millionen Mal verkauft wurde. Und während das in Los Angeles oder Palm Springs noch vergleichsweise albern aussieht, kommen ihm die hohe Bodenfreiheit und die rustikalen Plastikplanken spätestens im Nationalpark zugute.
Subaru Outback
Auf der Straße zählt der Subaru nicht eben zu den Schnellsten. Aber im Gelände gibt der Allradkombi alles.
Bild: Thomas Geiger
Klar, der Park Boulevard ist so glatt asphaltiert, dass da auch die greisen Biker auf ihren Goldwings durchballern können, ein paar verstreute Porsche-Fahrer oder asiatische Touristen in ihren Minivans. Auf einer Autowanderung von knapp 100 Kilometern oder gut und gerne zwei Stunden sehen sie so markante Punkte wie den Skull Rock, den Cholla Cactus Garden oder den Keys View. Doch spätestens im Queen Valley oder am Big Horn Pass trennt sich die Spreu vom Weizen, denn ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter, auf dem Pferd oder eben mit einem 4x4. Und vom Namen "Pleasant Valley" am Ende der Geology Tour Route sollte man sich auch nicht in die Irre leiten lassen. So "pleasant" der View sein mag, so gemein ist die Piste. Aber auch wenn die Jungs vom Offroad-Club in ihren aufgebockten Land Cruisern noch so ungläubig schauen, braucht man dafür keine ballonartigen MT-Reifen und keine Portalachsen, sondern nur einen Outback.
Selbst das Warnschild, dass es ab hier jetzt aber wirklich auf eigene Gefahr weitergeht, dass kein Ranger kommt und es kein Mobilfunknetz mehr gibt und dass die Bergung schnell mal 1000 Dollar kostet, kann man im Outback deshalb geflissentlich ignorieren. Solange der Tank halbwegs voll ist und im Kofferraum neben dem Gepäck auch etwas Gebäck und ein paar Flaschen Wasser liegen, muss man sich von den staubigen Schotterpisten nicht bange machen lassen.
Subaru Outback
Viel Platz, gemütliches Fahrwerk und jede Menge Abenteuerlust: Der Outback ist der ideale Reisebegleiter für einen (Off-)Roadtrip durch den Südwesten der USA.
Bild: Thomas Geiger
Immer schön langsam boxert sich der 2,5-Liter durch die staubige Ebene, vorbei an Kugelfelsen, als hätte ein Riese nach dem Spielenachmittag seine Murmeln nicht ordentlich weggeräumt, durch Wälder von Joshuas und Yuccas und tief hinein in die Hexie Mountains, die immerhin 1500 Meter hoch sind. Je weiter man sich hineinwagt in die Wildnis, desto größer wird die Einsamkeit und desto verlockender die Versuchung, das strenge Limit von 40 Meilen pro Stunde zu ignorieren.

Kein Rennwagen – aber ein echter Outback

Jetzt ist der Outback zwar nicht wirklich ein Rennwagen. Sondern mit 169 PS und 252 Nm gönnt er sich gute zehn Sekunden auf Tempo 100 und kommt bei 190 km/h schon wieder aus der Puste. Und das stufenlose CVT-Getriebe fördert jetzt auch nicht gerade einen flotten Fahrstil.
Doch ein bisschen mehr Tempo dürfte es schon sein, sonst bekommt der Fotograf nie seine Staubfahne. Aber Achtung: Das Auge des Gesetzes ist wachsam und sieht alles – zur Not aus dem Flieger. Deshalb hält man sich im Land der losen Colts besser an die Regeln.
Und nach drei, vier weiteren Kurven in den Berdoo Canyon ist es mit der freien Fahrt ohnehin vorbei. Denn plötzlich wird die Piste immer enger und immer unwegsamer, schließt sich wie ein Trichter, und dann geht es nur noch über steinige Stufen weiter. Spätestens hier wäre jedes normale Auto aufgesessen, und spätestens hier kommt einem dann doch wieder das Warnschild in den Sinn, das man vor einer Stunde noch so selbstbewusst verlacht hat. Als ein paar Kehren weiter dann auch noch ein verlassener Offroad-Camper vor sich hinrottet, sind Mut und Zuversicht längst ins Bodenlose gesunken, und Millimeter für Millimeter dreht sich der Outback im engen Canyon der Rückfahrt entgegen. "With or without you" gibt es jetzt nur noch eine Richtung: retour.
Subaru Outback
"Wenn nicht alles betoniert ist wie in Berlin, sondern so viele Nationalparks locken, dann braucht es Fahrzeuge wie den Outback."
Thomas Geiger
Bild: Fabian Hoberg
Schließlich ist der Park zwar das wichtigste Ziel dieser Tour de Nature, doch die wenige Zeit, die dafür bleibt, will nicht mit Bergen verbummelt werden. Erst recht nicht, wenn man die Hilfe zu Fuß holen muss. Und das bei selbst in unserem Winter schnell mal über 30 Grad und vielen Stunden steinigen Wegs. Schließlich ist ein Trip in den Südwesten Kaliforniens nicht komplett ohne einen Abstecher zur Mutter aller Straßen: Die Route 66 läuft 50 wüste Meilen weiter im Norden durch die Mojave und winkt gleich hinter der Kreuzung mit einem der bekanntesten Fotomotive im ganzen Westen: "Roy's Motel".
Zwar hat der letzte Gast hier bereits in den 1950ern ausgecheckt, doch die damals ziemlich futuristische Lobby im Jetson-Style-Bungalow sieht aus, als wäre die Zeit stehen geblieben, und jeden Moment könnte eine höfliche Dame zurück hinters Frontdesk kommen, um die Herren Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. auf ihrem Weg nach Las Vegas in einem der Bungalows einzuchecken. Und kein Fotoalbum und keine Insta-Story aus Kalifornien ist komplett ohne den riesigen Werbeturm, der sich hier – wie passend – in den vom Sonnenuntergang glutrot eingefärbten Himmel reckt.

Die Straße der Sehnsüchte

Nach Westen sind es von hier aus noch gute 300 Kilometer bis zum Ende der Route 66 am Santa Monica Pier und nach Osten zehnmal so viel bis nach Chicago, wo die Route 66 beginnt. 3000 Kilometer, die für viele die Nabelschnur des Landes sind und eine Straße der Sehnsüchte.
Selbst wenn das allermeiste davon asphaltiert ist, würde sich der Subaru auch dafür sicher bestens eignen. Und auf dem "Joshua Tree"-Album gäbe es mit "I Still Haven't Found What I'm Looking For" auch die passende Rechtfertigung für solch eine Extratour. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.