Sunlight I 67 S Adventure Edition
Dauertest-Report vom Tausendassa

Bild: AUTO BILD Syndication
Wir Camper sind Genussmenschen. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, was genau jeder Einzelne von uns genießt. Sei es die Natur, gutes Essen, Bewegung oder auch das süße Nichtstun, wenn es draußen stürmt und schneit und drinnen mollig warm ist. Mit dem Sunlight I 67 S Adventure Edition hatten wir im letzten Jahr einen Integrierten im Dauertestfuhrpark, der ausnahmslos all diese Genussmenschen glücklich machte.
Unter der langen Markise konnte man bis spät in die Nacht vor dem Reisemobil sitzen. Der Dreiflammenkocher war ein Segen für Hobbyköche. In der Heckgarage blieb immer genügend Platz, etwa für Sportgeräte jeder Art. Und im luftigen, großzügigen Wohnraum konnte man sich auch zu viert bequem aufhalten. Kein Wunder, dass Suni, wie ihn Fotograf Sven Krieger nach der zweiten Tour liebevoll taufte, bei Paaren, Familien und Freunden mit Reiseplänen gleichermaßen beliebt war.

Mondlandschaft? Wohl eher Dänemark. Perfektes Urlaubsland für den großen Familiencamper.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Nur so richtig weit fahren wollten unsere Tester nicht mit ihm. Das hat aber wohl weniger mit seinen Eigenschaften auf der Straße zu tun als mehr mit Zufall und den geplanten Reisezielen. Österreichische Alpen, Deutschland kreuz und quer und mehrere dänische Orte stehen als Tankstopps im Testtagebuch.
Für Reisemobilisten mit Sitzfleisch, wie es fast alle unsere Campingtester sind, gelten diese Ecken, von Hamburg aus gesehen, eher als Nahziele. Dabei loben durchweg alle das gute Fahrverhalten des Sunlight. "Gute Übersicht", "angenehme Fahrleistungen", "erstaunlich wendig für die Größe", haben die Kollegen ins Fahrtenbuch geschrieben.
Das Zirpen der Möbel wird mit steigender Kilometerzahl lauter
Leider sind sie sich ebenso einig über das nervige Manko beim Tanken. Das Problem: Die automatische Stoppfunktion der Zapfsäule löste jedes Mal nach nur wenigen Litern im Tank aus. Um den Sunlight komplett volltanken zu können, brauchte es viel Fingerspitzengefühl beim Einfüllen und noch mehr Geduld, denn das Prozedere fraß Zeit. Und das galt leider nicht nur für den Dieseltank, sondern ebenso für das Nachfüllen von Öl und Wischwasser im schlecht zugänglichen Motorraum. "Der Tankeinlass dreht nach links weg, deswegen löst der Überlaufschutz beim Tanken ständig aus", vermutet Kollegin Sabine Möhle auf ihrer Tour durch Dänemark. "Das nervt böse!"

Schönes Weserbergland: Per historischer Fähre kommt man in Grohnde über die Weser.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das Gleiche müssen wir leider auch über das Zirpen der Möbel sagen. Von Beginn an fiel der kompakte Sunlight durch ein Quietschen und Klappern aus dem Aufbau auf, das mit zunehmender Kilometerzahl auf dem Tacho schlimmer wurde. Wer jetzt auch noch Horrorgeschichten über Pannen und Ausfälle erwartet, den müssen wir enttäuschen. Im Gegenteil: Der Sunlight lief und lief und lief und machte zu keiner Zeit Anstalten, uns im Stich zu lassen! Motor, Elektrik und selbst der Möbelbau hielten jedem Schlagloch, jeder Temperatur und jeder Steigung stand. Auch Heizung und Warmwasserboiler arbeiteten stets ohne Murren und sorgten für muckelige und gleichmäßige Wärme im Integrierten.
Genau das ist auch die Paradedisziplin des Sunlight I 67 S: Wohnen und Wohlfühlen. Der Integrierte ist das perfekte Beispiel dafür, warum der Grundriss aus Längseinzelbetten im Heck, mittlerem Badezimmer, L-Küche und Sitzgruppe im vorderen Bereich so beliebt ist bei deutschen Campern. Er funktioniert einfach. Obwohl Suni nur knapp sieben Meter lang ist, punktete er mit ganz viel Raum zum Bewegen. Das zeitlose Möbeldesign, auf das Sunlight in vielen Modellen setzt, erwies sich als unempfindlich, damit absolut campingtauglich, und strahlte mit dem hübschen indirekten Ambientelicht zudem noch Gemütlichkeit aus.

Arbeitsfläche ist das Einzige, das in der L-Küche fehlt. Dafür gibt’s links eine praktische Ablage.
Bild: AUTO BILD Syndication
In Verbindung mit den Isofixsitzen und dem serienmäßig verbauten Hubbett über dem Fahrerhaus wurde Suni während unseres Dauertests zum absoluten Familienliebling. "Tolles Platzangebot. Viele Ablagen. Auch für Einsteiger gut zu bedienen. Auf jeden Fall familientauglich!", brachte es Fotografin Lena Willgalis nach einer ausgedehnten Tour durch Dänemark mit Mann und Sohn auf den Punkt. Begeistert zeigte sie sich, wie auch alle anderen Camper, von dem einfachen wie cleveren Badezimmerkonzept.
Um die Dusche nutzen zu können, wird hier nämlich nur das Waschbecken samt Wand zur Seite geklappt und gibt eine abgedichtete und große Nasszelle frei. Das Konzept kennen wir bereits aus anderen Testfahrzeugen von Sunlight, die damit bei uns immer wieder Pluspunkte sammeln. Normalerweise tun das auch die gemütlichen Betten. Unser Dauertestfahrzeug brach allerdings mit dieser Tradition. Schuld war eine hohe Kante unter der Matratze im Heckbett, die nicht nur empfindliche Schläfer bei der Nachtruhe störte.

Ein Vorteil beim Sunlight: die große Panoramascheibe.
Bild: AUTO BILD Syndication
Ganz ohne Defekte sind wir natürlich nicht durch ein Jahr Dauertest gekommen. Ein paar davon waren selbst verschuldet, einige gehen auf das Konto des Herstellers. Für manche konnten wir den Grund nicht genau verorten, denn der Integrierte kam bereits mit 10 737 Kilometern auf dem Tacho auf unseren Hof gerollt. Redakteurin Jenny Zeume passierte leider schon an Tag eins des Dauertests ein Malheur: Im Dunkeln verstaute sie hohe Töpfe in der Spüle, die beim Herunterdrücken der Glasabdeckung im Weg waren.
Diese zersprang daraufhin in tausend Teile, die die Kollegen trotz gründlicher Putzaktion noch Wochen später in irgendeiner Ritze fanden. Auch das Heckfenster auf der Fahrerseite machte Ärger. Erst quittierten die Gasdruckdämpfer ihren Dienst, dann löste sich auch noch die Fensterscheibe aus dem Rahmen. Da alle anderen Fenster im Suni problemlos funktionierten, gehen wir hier von einem Montagsstück aus.
Defektes Staufach wird zur Kuchenhalterung
Wirklich genervt haben bis zum Testende, trotz Einsatz von Schmiermitteln, die hakeligen Schlösser an den Außenklappen, für die man viel Fingerspitzengefühl brauchte. Grundsätzlich war es bei einer Tour mit dem Sunlight sinnvoll, ein paar Werkzeuge und Panzertape (die Klassiker fürs Campen) dabeizuhaben. Zum Beispiel, um die Schrauben der Druckknöpfe an den Schränken nachzuziehen, den sich lösenden Faltbalg am Hubbett wieder festzukleben oder das lose Gitter am Lautsprecher zu arretieren. Oder um das Heck zusammenzukleben, wenn man beim Ausparken auf dem Campingplatz eine der idyllischen Kiefern übersieht.

Das defekte Staufach wird von Kollegin Sabine Möhle zur Kuchenhalterung umfunktioniert.
Bild: AUTO BILD Syndication
Für kreativen Einsatz sorgte zudem das eigentlich praktische und große Staufach neben dem Beifahrersitz, das sich aber nach nur wenigen Testkilometern bei AUTO BILD REISEMOBIL nicht mehr schließen ließ. Unsere Kollegin Sabine Möhle machte kurzerhand eine gut zugängliche Kuchenhalterung daraus. Zum unbeliebtesten Gegenstand im Sunlight wurde am Ende des Testjahres einstimmig das Navigationssystem gekürt.
Das Modell von Xzent war nicht nur langsam, sondern stürzte auch noch ständig ab. Und selbst wenn es mal lief, war die Routenführung absolut unzuverlässig, weil das Gerät immer wieder das GPS-Signal verlor. Da gibt es viel bessere Alternativen auf dem Markt. Was wir uns noch wünschen würden von Suni? Einen beheizten Abwassertank! Dann wäre er mit seinem Platz und der guten Dämmung ein echter Liebling für Wintercamper.
Fazit
Ein klares Urteil über Suni zu fällen, ist gar nicht so leicht. Auf der einen Seite war der Integrierte ein durchdachter und vielseitiger Camper mit jeder Menge Platz. Auf der anderen Seite stehen eine nicht immer optimale Verarbeitung und ein paar Mängel, die unser Dauertest offenbarte. Am Ende überwiegen jedoch die positiven Eindrücke. Und die Tatsache, dass Suni uns stets ein zuverlässiger Reisebegleiter ohne Pannen war.
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