Luxus hat viele Facetten. Manchen genügt ein prall gefülltes Konto, anderen reicht schon genügend Platz zum Leben, Lümmeln – und Laden. Wie schön, wenn Luxus nicht die Welt kostet. Etwa in großen Mittelklasse-Kombis wie dem aufgefrischten Mazda6, dem Opel Insignia und Skoda Superb. Sie bieten im Auto-Alltag mehr Platz als Edellaster wie Audi A4 Avant oder BMW 3er Touring, lassen aber finanziell noch genug Luft zum Atmen. Fängt hier etwa der wahre Luxus an? Beginnen wir also mit dem Preis, der den Skoda Superb Combi als echtes Luxus-Schnäppchen ausweist: 29.350 Euro kostet er mit 170-PS-Diesel, Comfort-Ausstattung und optionalen 17-Zoll-Alurädern (800 Euro). Dabei fehlt der vernünftig ausstaffierten Basis-Variante nichts Wichtiges. Annehmlichkeiten wie die automatische Klimaregelung (520 Euro), ein variabler und herausziehbarer Ladeboden (360 Euro), Regensensor (170 Euro) oder Sitzheizung (240 Euro) kosten freilich extra.

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Mazda 6 Kombi 2.2 MZR-CD
Bild: Toni Bader
Der Opel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI ist deutlich teurer, relativiert die 33.795 Euro jedoch mit der üppigen Ausstattung der "Design-Edition": Klimaautomatik, Tempomat, 17-Zoll-Aluräder und DVD-Navigationssystem sind Serie. Darin sind die 18-Zoll-Aluräder (900 Euro) und das elektronisch verstellbare FlexRide-Fahrwerk (930 Euro) eingerechnet, mit denen der Testwagen ausgestattet war. Der Mazda6 Kombi 2.2 CD in "Active"-Ausstattung für 30.490 Euro verzichtet auf preistreibende Extras und bietet traditionell viel Ausstattung wie Zweizonen-Klimaautomatik, 17-Zoll-Aluräder, Sitzheizung, Regensensor, Tempomat, Spurwechselassistent oder ein prima klingendes Soundsystem mit acht Lautsprechern. So weit, so gut. Doch Parksensoren, an der unübersichtlichen Karosserie sehr empfehlenswert, gibt es nur als Zubehör zur nachträglichen Montage (ab 257 Euro) oder zusammen mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, Kurvenlicht und Reifendruck-Kontrollsystem im "Business-Paket" für happige 1700 Euro. Ähnliche Ungereimtheiten leistet sich auch Skoda: Xenon gibt's im Superb erst ab "Ambition", was dann 3315 Euro kostet. Teurer Luxus.

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Skoda Superb Combi 2.0 TDI
Bild: Toni Bader
Darüber tröstet der 4,84 Meter lange Skoda mit fürstlichem Platzangebot hinweg. Im Fond kommen sich die Passagiere vor wie in einer Staatskarosse, können sogar lässig die Beine übereinanderschlagen, ohne anzuecken. Auch in der ersten Reihe zwickt es nirgends, nur Große würden gern etwas tiefer sitzen. Dennoch überzeugt der luftige Arbeitsplatz mit tadelloser Ergonomie, ansehnlichen Materialien, akkurater Verarbeitung und einfacher Bedienung – ein Auto zum Wohlfühlen. Und zum Verreisen. Mit 603 bis 1835 Litern kapituliert der glattflächige, gut nutzbare Kofferraum nicht mal vor dem Urlaubsgepäck einer fünfköpfigen Familie. Beim Opel passiert das öfter. Für einen Kombi von stattlichen 4,91 Meter Länge fallen Stauraum und Platzangebot enttäuschend knapp aus. Hinten bieten viele Kompakte mehr Bewegungsfreiheit als der Sports Tourer, Große hocken eingepfercht auf der durchaus bequemen Bank. Aber vielleicht haben die Rüsselsheimer ja mehr die Stammkunden der Außendienst-Fraktion im Blick! Vorn passt nämlich alles: viel Platz, klasse Sitzposition, bequeme Sessel. Allerdings braucht es Übung, bis man die vielen Knöpfe des Armaturenträgers auf Anhieb trifft.
Weniger Probleme macht in dieser Hinsicht der Mazda, wenngleich hier ebenfalls Lenkrad und Lenkstockhebel mit Funktionen überfüllt wurden. Dafür gefällt der Mazda (4,79 Meter) mit seiner Variabilität und pfiffigen Detaillösungen. Nur beim Japaner klappen die Rücklehnen bequem per Knopfdruck vom Kofferraum nach vorn, bilden dank einer klugen Faltmimik sogar eine ebene Ladefläche. Platzangebot und Stauraum (519 bis 1751 Liter) sind guter Durchschnitt. Ein nützliches Detail: Für den Transport besonders langer Gegenstände lässt sich die Beifahrerlehne flach legen. Das bieten nur wenige deutsche Edel-Kombis. Dagegen haben uns die Materialqualität im Cockpit, das überwiegend aus Hartplastik besteht, und der Sitzkomfort nicht überzeugt. Vorn fehlt es dem Gestühl an Kontur, hinten an straffen Polstern und einer ausreichend langen Beinauflage.

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Opel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI
Bild: Toni Bader
Beim Spurten und Sparen spielen Skoda und Mazda ihren Gewichtsvorteil von bis zu 191 Kilo aus – sie distanzieren den Opel deutlich. Der bringt fast 1,8 Tonnen auf die Waage, was sich an der Tankstelle rächt: Mit durchschnittlich sieben Litern schluckt der Rüsselsheimer am meisten. Mazda (6,5 Liter) und Skoda (6,1 Liter) fahren genügsamer. Und vor allem kultivierter als der Insignia mit seinem rappelig nagelnden und vibrierenden 160-PS-Diesel, den außerdem eine spürbare Anfahrschwäche plagt. Anders der Mazda: Sein 163 PS starker 2,2-Liter lässt sich nicht lange bitten, tritt ohne Verzögerung kraftvoll an und zieht souverän durch. Ähnlich flott kommt der 170-PS-TDI des Skoda zur Sache, bei hohen Touren wirkt er obendrein am spritzigsten. Diesen Eindruck vermittelt der Superb auch auf Landstraßen. Mit der zielgenauen Lenkung lässt er sich präzise dirigieren und bietet beste Rückmeldung. Gut informiert werden allerdings auch die Insassen, und zwar über den Fahrbahnzustand: Brückenabsätze und kurze Stöße kommen recht trocken durch.
Spürbar geschmeidiger rollt dagegen der Opel ab, dessen FlexRide-Fahrwerk selbst holprige Strecken schluckt. Doch Kurven nimmt er eher behäbig, trotz übertrieben spitz ansprechender Lenkung, die zu häufigen Korrekturen zwingt. Viel agiler flitzt der 6er mit direkter Lenkung und straffer Federung um die Ecken, schüttelt aber die Besatzung kräftig durch – Mazda hat nicht nur beim Preis knallhart kalkuliert. Doch ein Tritt ins Kreuz ist das Letzte, was man unter Luxus versteht.

Fazit

von

Uli Holzwarth
Reine Größe zählt bei einem Kombi nichts, wenn so wenig Nutzwert daraus wird wie beim Opel Insignia. Der sieht schick aus und federt komfortabel, doch Platzangebot und Fahrvergnügen begeistern nicht – Platz drei. Mit antrittsstarkem Triebwerk, guter Raumausnutzung und sportlichem Fahrverhalten sichert sich der Mazda 6 Rang zwei, trotz seiner Komfortschwächen. Der geräumige Skoda Superb leistet sich kaum Fehler, distanziert die Konkurrenz mit seiner Ausgewogenheit.