Suzuki Vitara Hybrid: Dauertest
Wie steht's um die Haltbarkeit des Vitara Hybrid?
Suzuki Vitara Hybrid im 100.000-Kilometer-Dauertest
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der erste Eindruck kann täuschen: Der Suzuki Vitara II, in Esztergom/Ungarn nicht zuletzt für den osteuropäischen Markt produziert und in Kelheim für hiesige Salzwinter fit gemacht, wirkt beim Erstkontakt nicht sonderlich hochwertig. Er hat so etwas Dünnblechiges und ein knochiges Fahrwerk. Viel Hartkunststoff und wenig Dämmung machen ihn nicht gerade zum leisesten Mini-SUV.

Den Suzuki Vitara Hybrid gibt es ab 25.450 Euro. Unser Testwagen kostet inklusive Extras 32.150 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Technisch gesehen ist der Vitara kein Geländewagen
Mit klassisch-kantigem Hochformat mimt er den Offroader nur, aber praktisch macht ihn diese Form auf jeden Fall: Ein Fahrrad mit 27-Zoll-Rädern passt auch ohne Vorderraddemontage hinein. War der erste Vitara von 1988 noch ein echter Geländewagen mit Rahmen und Untersetzung, so ist der aktuelle technisch gesehen ein Pkw. Von der Lock-Taste sollte man keine Wunder erwarten: Das ist keine echte Zentralsperre, sondern nur eine zupackendere Kennlinie der Allradkupplung, die bei Bedarf die Hinterachse am Antrieb beteiligt. Da der Vitara aber leicht ist, blamiert er sich nicht in der Sandgrube. Es gibt sogar Höherlegungssätze und Unterfahrschutzplatten für Jäger (Autohaus Braun, Wassermungenau).
Technische Daten
Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
|---|---|
Hubraum | 1373 cm3 |
Leistung | 95 kW (129 PS) bei 5500/min |
max. Drehmoment | 235 Nm bei 2000/min |
Antrieb | Allradantrieb/Sechsgang manuell |
Leergewicht | 1320 kg |
Zuladung | 450 kg |
Kofferraum | 375–1120 l |
Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h |
Verbrauch | 5,9 l S/100 km (WLTP) |
Abgas | CO2 141 g/km (WLTP) |
Die Zerlegung offenbart nichts Dramatisches
Nach der Zerlegung beschränken sich die erkennbaren Schwachpunkte im Wesentlichen auf undramatische Rostansätze (Achsträger, Längsträger der Karosserie, Heckblech, einige Schrauben und Schweißpunkte) und die steinschlaggefährdete Motorhaube. Ansonsten sei "der Gesamtzustand bezogen auf die zurückgelegte Distanz nicht zu beanstanden", konstatiert der DEKRA-Sachverständige Marcus Constantin.
Messwerte
bei Testbeginn | bei Testende | |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,3 s | 3,2 s |
0–100/-130 km/h | 9,4/15,3 s | 9,3/15,1 s |
0–160 km/h | 26,3 s | 25,7 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 5,4 s | 5,3 s |
80–120 km/h | 6,9 s | 6,8 s |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 36,2 m | 36,4 m |
aus 100 km/h warm | 35,7 m | 36,1 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 59 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 130 km/h | 72 dB(A) | 72 dB(A) |
Testverbrauch – CO2 | 6,6 l S – 156 g/km | 6,5 l S – 152 g/km |
Bei den Kollegen überwiegen lobende Kommentare
Kritik im Fahrtenbuch bezieht sich meist auf das leicht poltrige Fahrwerk, das anfangs hakelige Getriebe, das hohe Geräuschniveau, den kleinen 47-Liter-Tank, das veraltete Navi, die fantasievolle Tempolimiterkennung, den übereifrigen Aufprallwarner und die schmalen, einfachen Sitze.
Das Lob – und es überwiegt – hebt oft die hohe Sitzposition und das praktische Format hervor: ein übersichtliches Parklückensuchgerät von 4,18 m Länge und 1,78 m Breite. Mit zupackendem Allrad und wenig Gewicht (1320 kg leer, eines der leichtesten Allrad-SUV) weiß der Suzuki auch auf dem stellenweise bodenlosen Strandparkplatz von St. Peter-Ording zu brillieren, wo sich Front- wie Hecktriebler gern mal eingraben.

Suzuki Vitara: übersichtlich und dabei erstaunlich geräumig. Das Infotainment wirkt antiquiert.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das hellblaue Exemplar war bereits der dritte Vitara II, den wir einem Dauertest unterzogen haben. Dem Vitara S (1,4-Liter-Benziner mit Automatik) verhagelten 2019 ein abgerutschter Turboschlauch, ergo ein Liegenbleiber, und ein Radlagerschaden nach nur 20.000 Kilometern die Bilanz. Auch den nicht mehr angebotenen 1,6-Liter-Diesel hatten wir im Dauertest, 2016 bis 2018: viele Steinschlagschäden im dünnen, empfindlichen Lack, unterm Blech aber ölnebelfreie Aggregate und Fahrwerksgelenke ohne erkennbaren Verschleiß. Ärger: null.
Kosten
Betriebskosten/Garantien (Fixkosten pro Jahr) | |
|---|---|
Haftpflicht 14 (100 %, SF 5) | 349 Euro |
Vollkasko 20 (500 € SB, SF 5)* | 804 Euro |
Teilkasko 21 (150 € SB, SF 5)* | 484 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d ISC-FCM) | 127 Euro |
Kraftstoffkosten für 100.307 km | |
7304,24 Liter Super (= 7,2 l/100 km) | 12.977,20 Euro |
Motoröl-Nachfüllbedarf 2,0 Liter | 43,74 Euro |
Inspektionskosten (inklusive Ölwechsel) | |
20.000 km | 330,25 Euro |
40.000 km | 457,91 Euro |
60.000 km | 358,96 Euro |
80.000 km | 691,58 Euro |
100.000 km | 364,43 Euro |
Reifenkosten (inklusive Montage) | |
1 Satz Sommerreifen 215/55 R 17 Conti EcoContact 5 | 616 Euro |
1 Satz Winterreifen 215/55 R 17 Nexen Winguard Sport 2 | 533 Euro |
Preise/Wertverlust | |
Testwagenpreis 10/21 (inkl. Extras) | 32.150 Euro |
Aktueller Neupreis (inkl. Extras) | 32.450 Euro |
Schätzpreis 7/24 | 13.650 Euro |
Wertverlust des Testwagens | 18.500 Euro |
Gesamtkosten für 2,5 Jahre | |
auf 100.307 km | 18.657,90 Euro |
Kosten pro km | 0,19 Euro |
Kosten pro km mit Wertverlust | 0,37 Euro |
TÜV-Report: Der Vitara hält
Der TÜV-Report ist nach neun Jahren Bauzeit recht aussagekräftig und macht als Schwachpunkte aus: Ölverlust bei einigen Exemplaren (bei unseren dreien nicht), die Beleuchtung vorn und hinten. Wichtiges wie Fahrwerk, Bremsen, Abgasanlage, Antriebswellen aber hielt. Das können wir nach all unseren gefahrenen Kilometern mit diesem Vitara bestätigen.
Wertung
Zuverlässigkeit | Anzahl | Fehlerpunkte |
|---|---|---|
Liegenbleiber | 0 x 15 | 0 |
Motor-/Getriebeschaden | 0 x 15 | 0 |
Defekte Antriebs-/Funktionsteile | 0 x 5 | 0 |
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch | 0 x 3 | 0 |
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt | 0 x 5 | 0 |
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) | 0 x 2 | 0 |
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) | 0 x 1 | 0 |
Langzeitqualität (aus Demontage) | ||
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) | 0–5 | 3 |
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) | 0–5 | 3 |
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) | 0–5 | 1 |
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) | 0–5 | 0 |
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) | 0–5 | 0 |
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) | 0–5 | 0 |
Alltagswertung/Fahren | ||
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch | 0–10 | 3 |
Gesamtpunkte | 10 | |
Note | 2+ |
Fazit
Nachdem schon der verblichene Diesel-Vitara in einem früheren Dauertest bei uns einen Eindruck unbedingter Verlässlichkeit hinterlassen hat, fügt sich der Mildhybrid-Benziner ins positive Bild. Unser Exemplar zeigte auch keinen Verschleiß der Vorderachse, der bei geschundenen Exemplaren gelegentlich anzutreffen ist. Der Vitara hält; die hohen Gebrauchtnotierungen kommen nicht von ungefähr.
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