Suzuki Vitara S: 100.000-Kilometer-Dauertest
Nicht ganz so glänzend

Ein Liegenbleiber vermasselt dem Suzuki Vitara S die Tour. Nach 100.000 Kilometern reicht es für ihn nur zu einer mittelmäßigen 3–.
- Manfred Klangwald
- Martin Puthz
Als der Suzuki Vitara S in auffällig rot-schwarzem Zweifarblack am 13. Mai 2016 in die Redaktionsgarage rollt, sind die Erwartungen hoch. Gerade erst hat ein SX-4 S-Cross den 100.000-Kilometer-Marathon mit der Traumnote 1– beendet. Nun sind alle gespannt, wie der Dauertest mit dem technisch verwandten SUV ausgeht. Schnell wickelt der Exil-Japaner aus dem ungarischen Esztergom die Fahrer um den Finger. Bei seinem 1,4-Liter-Turbobenziner scheint der Name "Booster Jet" Programm zu sein: Fliegen kann der Hubraumzwerg zwar nicht, aber "subjektiv fühlt er sich stärker an als 140 PS", notiert Testfahrer Stefan Mallach ins Fahrtenbuch. Tatsächlich: Der angenehm weich laufende, kleine Direkteinspritzer hängt spontan am Gas und liefert über das gesamte Drehzahlband gleichmäßigen, strammen Durchzug. Zwischenspurts schüttelt er aus dem Ärmel, und aus dem Stand auf 100 km/h spurtet er sogar 1,4 Sekunden schneller, als Suzuki im Prospekt verspricht. "Ein echter Stelzen-GTI!", jubelt Leserredakteur Stephan Puls. Bald zeigt sich, dass der auch bei Weitem nicht so zügellos säuft wie andere Winzlinge – und das trotz Automatik! Die auf der Normrunde gemessenen 6,7 Liter/100 km lassen sich auf Dauer zwar nicht halten. 8,6 Liter als Schnitt über die Testdistanz sind aber ordentlich – erst recht, wenn man bedenkt, dass der Vitara S die meiste Zeit auf der linken Autobahnspur verbrachte.
Der Vitara wühlt sich mühelos durch tiefen Schlamm

Den Geländeritt übersteht der Vitara unversehrt. Kritik gibt's für die tief heruntergezogene Frontschürze, die an Böschungen oder Löchern schnell aufsetzt.
Überblick: Alles zum Suzuki Vitara
Der Berührungsbildschirm wirkt wie aus dem Baumarkt

Nett: Uhr mit japanischen Schriftzeichen. Nervig: bunter, kleinteiliger Monitor.
Ein Liegenbleiber beschert Minuspunkte
Weitere 15.000 Kilometer vergehen nicht, bis der Vitara S abermals einrücken muss: Redakteur Frank Rosin rollt bei 56.982 Kilometern auf dem Pannenstreifen der A 7 aus. Motorausfall! Grund ist, wie sich später zeigt, zwar "nur" ein abgerutschter Turboschlauch. Aber der Liegenbleiber bringt Minuspunkte; eine Top-Platzierung à la SX-4 ist für den Vitara S damit passé. Nach der Halbzeit zeigen sich die ersten Verschleißerscheinungen. Die Hutablagenaufnahme hat den Dienst quittiert; häufiges Rein und Raus überfordert offenbar die Haltbarkeit des Plastikteils. Auch im Hartkunststoff des Cockpits und an der chromglänzenden Frontschürze hinterlässt der Alltag Spuren: Innen stören Kratzer, draußen pellt der Lack ab. Redakteur Lars Busemann ist insgesamt wenig begeistert: "Die Karosserie wirkt dünnhäutig und ist schlecht gedämmt, die Verkleidungen sind klapprig, die billigen Filzteppiche dünn und schwer zu reinigen. Im Neuzustand sieht das alles gut aus, nach 100.000 Kilometern nicht mehr so." DEKRA-Experte Günther Schiele bestätigt bei der Zerlegung die Kritik: Der glänzende Eindruck der ersten Monate ist nach zweieinhalb Jahren intensiver Nutzung tatsächlich ein wenig verblasst.
Fazit
Hinter der schicken Fassade steckt ein Suzuki in der hauseigenen Tradition der 80er und 90er: quirlig und sympathisch, aber dünnhäutig und teilweise von eher rustikaler Machart. Aufgrund eines Liegenbleibers ist für den Vitara S nicht mehr drin als eine 3–. An der Langzeitqualität, einer zutiefst japanischen Tugend, muss Suzuki offenbar noch arbeiten. Note: 3-
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