Die GTS-Modelle sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Als Panamera und Cayenne bezeichneten sie lange Zeit den stärksten und sportlichsten Sauger im Sortiment. Vorbei: Der aktuelle Cayenne GTS ist ab Werk mit einem 440 PS starken V6-Biturbo ausgestattet, der neue Panamera dürfte demnächst ähnlich bestückt auflaufen. Aus Sicht des Puristen ist diese Entwicklung bedauerlich, aus Perspektive der Veredler großartig: Tun sich doch schlagartig formidable Tuning-Möglichkeiten auf.

Die Motorcharakteristik könnte mehr Lässigkeit vertragen

Techart Cayenne GTS Magnum
Ungewohnter Charakter: Der 520 PS starke V6-Biturbo wirkt aufgeregt und muss ordentlich ackern.
Bild: Ronald Sassen
So verpasst Techart dem GTS neben viel mehr Breite auch 80 zusätzliche PS. Und rückt damit dem serienmäßigen Cayenne Turbo mit V8 und 520 PS gefährlich dicht auf die Pelle. • Längsdynamik: Die Extra-Power kommt per Zusatzsteuergerät ins Auto und wird mit einem Druck auf die Sport-Taste scharfgeschaltet: Wer das tiefenentspannte Wesen des Cayenne mit V8 kennt, den wird die Aufgeregtheit des V6-Aggregats befremden: Das muss spür- und hörbar mehr rackern, um zügig voranzukommen. Lohn der Anstrengungen: 0 bis 160 km/h dauern mit dem hubraumschwächeren Techart eine Zehntel kürzer als im achtzylindrigen Cayenne im Serientrimm (10,2 zu 10,3 Sekunden). Bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht ebenfalls ein Patt: Die 279 km/h des Cayenne Turbo erreicht der Techart auf den Punkt – trotz des sich in den Wind stemmenden Breitbaus.
Alle News und Tests zum Porsche Cayenne

Bei forcierter Kurvenfahrt wankt der Riese kaum

Techart Cayenne GTS Magnum
Umkippen unmöglich: Dank breiterer Spur stemmt sich das Magnum-Fahrwerk wirksam gegen die Physik.
Bild: Ronald Sassen
 • Querdynamik: Mit den meisten Autos kippt man nicht so schnell um. Beim spurgeweiteten Widebody-Magnum tendiert diese Gefahr endgültig gegen null. Bei wirklich forcierter Kurvenfahrt wirkt der Cayenne zwar eine Spur steifer in den Hüften als mit Serienbreite, subjektiv betrachtet aber immer noch hinreichend flink. • Emotion: Mein Herz schlägt schneller, krieg ich diese Infusion: Wer den großen Auftritt liebt, gerät beim Anblick des knalligroten Breitbau-Cayenne in Ekstase. Wer den Nerz hingegen lieber nach innen trägt, sollte lieber seinem silbernen Diesel-Touareg treu bleiben. Von diesem setzt sich der Magnum auch innerlich ab: Techart überarbeitet das Interieur im großen Stil. Rautengestepptes Leder gibt sich ein Stelldichein mit roten Ziernähten, Carbon und neu gepolstertem Sportlenkrad. So toll verarbeitet, stilsicher, schön und spektakulär kann das kaum ein anderer Veredler – Innenräume sind seit jeher eine Paradedisziplin des Leonberger Veredlers. Der Sound klingt dank Klappenauspuff sehr ordentlich – das Tiefbass-Wummern eines V8 geht dem Sechszylinder aber natürlich ab.

An der Kasse muss man beim Magnum sehr stark sein

Techart Cayenne GTS Magnum
Auch bei den Kosten ein Riese: Der Techart GTS Magnum kostet überaus üppige 226.877 Euro.
Bild: Ronald Sassen
 • Alltag: Der extreme Cayenne funktioniert im täglichen Betrieb einwandfrei und ohne Einschränkungen. Vorausgesetzt natürlich, man ist Feinmotoriker genug, mit den formschönen Riesenrädern nicht gegen jeden Randstein zu bollern, der den Wegesrand säumt. • Preis/Leistung: Die Kosten sind ein wunder Punkt des Techart Magnum. Erstens verbraucht die Fuhre mit 15,6 Liter Sprit genauso viel Super Plus wie ein Cayenne Turbo. Zweitens fällt der Komplettpreis mit 226.877 Euro astronomisch hoch aus. Unglaublich dabei: Das Basisauto kostet weniger, als das umfangreiche Tuningpaket verschlingt. Widebody-Kit und Interieur sind hier die großen Preistreiber. Performance-Hungrige können sich auf die Leistungssteigerung beschränken. Ein Cayenne GTS mit Techart-Mehrleistung für Cayenne-Turbo-Fahrleistungen kostet dann 106.423 Euro – ein Serien-Cayenne Turbo mindestens 25.049 Euro mehr.

Fazit

von

Ben Arnold
Breite Monster können auch andere bauen – wirklich fix sind die aber nicht immer. Techart hingegen macht mit dem brandheißen und pfeilschnellen Magnum alles richtig, punktet zudem mit feiner Handwerkskunst und einem stimmigen Gesamtpaket. Leider hat das alles hat einen sehr, sehr hohen Preis.