Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat mehr Anstrengungen für den Klimaschutz im Verkehr gefordert – und dafür erneut ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ins Spiel gebracht (Lesen Sie hier, was ein Tempolimit von 130 km/h bringen würde.).
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Die Bundesregierung habe sich zwar ehrgeizige Ziele beim Ausbau der Elektromobilität vorgenommen, doch das Erreichen dieser würden nicht reichen, um die Klimaziele zu erfüllen. Lemke: "Die Klimakrise wird nicht mit sich verhandeln lassen."
Umweltministerin Steffi Lemke
Bundesumweltministerin Lemke erneuerte die Forderung nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen für mehr Klimaschutz.
Bild: DPA
Ein Tempolimit könne einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, so Lemke weiter. Dies sei auch die Position vieler Expertinnen und Experten. "Es ist aber aus bekannten Gründen nicht Teil des Koalitionsvertrages", sagte die Umweltministerin mit Blick auf die Blockadehaltung der FDP.

Wie lange schon übers Tempolimit diskutiert wird

Schon seit Jahrzehnten wird hierzulande über eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung debattiert. Die Befürworter argumentieren mit steigender Verkehrssicherheit und besserem Klimaschutz, die Gegner sprechen von Symbolpolitik. Nach der Bundestagswahl 2021 schien ein Tempolimit zumindest für die folgenden vier Jahre vom Tisch zu sein. Im Koalitionsvertrag der Ampel steht: "Ein generelles Tempolimit wird es nicht geben."

Tempolimit auf der A24 bei Berlin aufgehoben

Anfang März hatte die Aufhebung des Tempolimits von 130 km/h auf der A24 zwischen den Dreiecken Havelland und Wittstock/Dosse (nordöstlich von Berlin) für viel Diskussionsstoff sorgt. Sie war nach einer deutlichen Senkung der Unfall- und Opferzahlen beschlossen worden, nachdem die Strecke zuvor ohne Geschwindigkeitsbeschränkung als Abschnitt mit den meisten Verkehrstoten in ganz Brandenburg gegolten hatte. Die Polizei Brandenburg sah die Abschaffung des lokalen Tempolimits kritisch, Unfallforscher sprachen von einer rechtlich richtigen, aber keiner guten Entscheidung.

ADAC neutral beim Thema Tempolimit

Anfang 2020 hatte der ADAC, mit 21 Millionen Mitgliedern größter Autofahrervertreter in Deutschland, seine jahrzehntelange ablehnende Haltung gegen ein Tempolimit aufgegeben. Tatsächlich sind 52 Prozent der Clubmitglieder dafür, 44 Prozent gegen eine Tempobeschränkung. 
Daher ist der Automobilclub "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, so der ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Die Diskussion werde emotional geführt und polarisiere die Mitglieder. "Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest." Konkret heißt das: Der ADAC verzichtet auf eine Empfehlung an die Politik.

Ex-Formel-1-Weltmeister Vettel könnte mit Limit leben

Selbst der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel zeigte sich zu einem generellen Tempolimit aufgeschlossen. Wenn es helfe, Menschenleben zu retten, könne er damit leben, sagte er BILD. Dies sei ein "No-Brainer", so der viermalige Weltmeister.

Freie Fahrt auf 57 Prozent der Autobahnstrecken

Letzten Zahlen von 2019 zufolge gibt es ungebremste Fahrt auf etwas mehr als der Hälfte der bundesdeutschen Autobahnen: 57,2 Prozent haben kein Tempolimit. Auf 30 Prozent ist das Tempo von Haus aus beschränkt, auf 12,8 Prozent der Strecken gibt es eine Begrenzung wegen Baustellen. Am häufigsten sind Tempo 120 (7,8 Prozent) und Tempo 100 (5,6 Prozent), besagen Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen.
Dazu kommt die örtlich variable Verkehrslenkung. Unabhängig davon gilt seit mehr als 40 Jahren eine empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Mit dem fehlenden Tempolimit auf großen Teilen des Autobahnnetzes ist Deutschland ein weißer Fleck in der EU – überall sonst gibt es generelle Tempobeschränkungen.

Umfrage: Mehrheit fürs Tempolimit

In der Bevölkerung hierzulande hätte ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aktuell eine Mehrheit. In einer Befragung von YouGov unter mehr als 2000 Menschen über 18 Jahren äußerten sich 57 Prozent zustimmend und 33 Prozent ablehnend. Zehn Prozent waren unschlüssig. (Radarwarner im Vergleich)
Mit Material von dpa