130 km/h auf Autobahnen

Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen: Meinungen

Tempo 130: Wer ist dafür, wer dagegen?

Nach dem Weichwerden des ADAC hat sich nun der ACE für Tempo 130 auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Wer ist für und wer ist gegen ein Tempolimit?
(dpa/lhp/cj/brü) Die Einführung eines Tempolimits in Deutschland ist heiß umstritten. Nun hat sich der ACE für Tempo 130 auf Autobahnen ausgesprochen. Als Gründe nennt Deutschlands zweitgrößter Verkehrsklub eine Steigerung der Verkehrssicherheit, die Verringerung der Anzahl toter und schwerstverletzter Unfallopfer und einen besseren Verkehrsfluss. Wenige Wochen zuvor hatte bereits der ADAC seine generelle Abwehrhaltung aufgegeben.

Bundesrat entscheidet über Änderung der StVO

Auch ein Bündnis aus Verkehrs- und Umweltverbänden (Greenpeace, DUH, ADFC, BUND) forderte den Bundesrat vor seiner Sitzung am 14. Februar 2020 auf, für die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen zu stimmen. Allerdings entschied sich die Länderkammer im Rahmen einer Abstimmung über umfangreiche Änderungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) gegen eine solche Maßnahme. Ausschlaggebend waren dabei die vielen unionsgeführten Landesregierungen. Weite Teile der Union sind mehrheitlich gegen ein Tempolimit.

CSU und Umwelthilfe mit Online-Petitionen

In der Tempolimit-Debatte hatten sich Gegner und Befürworter auch mit Online-Petitionen in Stellung gebracht: Die CSU will mit der Kampagne "Tempolimit – nein danke" die Gegner einer Tempobeschränkung mobilisieren. Die Deutsche Umwelthilfe hält mit der Online-Petition "Tempolimit – jetzt" dagegen – und fordert gleich ein Limit von Tempo 120. Nachdem die Auswirkung eines Tempolimits von 130 auf Autobahnen auf den CO2-Ausstoß in Deutschland noch völlig offen ist, rückt der mögliche Gewinn an Sicherheit in den Blickpunkt. (Lesen Sie hier, was ein Tempolimit von 130 km/h nach aktuellem Kenntnisstand bringen würde.)

Würden die Autobahnen mit Tempolimit sicherer?

Doch auch hier gibt es keine allgemeingültigen Aussagen. Die Gegner eines Tempolimits zählen die relativ gesehen wenigen Schwerverletzten und Toten auf den Autobahnen und ziehen daraus den Schluss, dass die Autobahnen sicher seien. Denn statistisch gesehen entfielen 2018 13 Prozent der Verkehrstoten und neun Prozent aller Schwerverletzten in Deutschland auf Autobahnen – bei einem Drittel der gesamten Verkehrsleistung. Ein Grund dafür könnte im fehlenden Gegenverkehr liegen. So argumentiert der Unfallexperte Wulf Hoffmann von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland durch Tempo 130 werde die Verkehrssicherheit auf Autobahnen weiter verbessert. Er zitiert Modellrechnungen, die den Schluss zulassen, dass es deutlich weniger Verkehrstote bei geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit gebe. Das Argument: je höher die Geschwindigkeit, desto länger ist der Bremsweg und heftiger die Wucht, mit der Fahrzeuge aufeinanderprallen.

Autobahnen ohne Tempolimit stechen nicht hervor

Fakt ist jedoch auch: Auf Abschnitten ohne dauerhaftes Tempolimit, heute etwa 70 Prozent der Autobahnen, gibt es nicht überproportional viele tödliche Raser-Unfälle. Nach der Verkehrsstatistik war 2018 unangepasste Geschwindigkeit bei etwa jedem zweiten tödlichen Crash eine der Ursachen – egal ob mit oder ohne Tempolimit. Eine umfassende Studie zu dem Thema gibt es in Deutschland bisher nicht. Damit lässt sich die Frage nicht umfassend beantworten, es fehlt ein groß angelegter Feldversuch für eine aussagekräftige Bewertung.

ADAC rückt ab von ablehnender Haltung

Laut Vizepräsident Gerhard Hillebrand ist der ADAC nicht mehr grundsätzlich gegen ein Tempolimit.

Zuletzt hatte der ADAC, mit 21 Millionen Mitgliedern eine wichtige Einflussgröße, hat seine jahrzehntelange ablehnende Haltung aufgegeben. Damit könnte eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung wahrscheinlicher werden. Der Automobilklub sei "nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, hatte der ADAC-Vizepräsident Verkehr, Gerhard Hillebrand gesagt. Die Diskussion werde emotional geführt und polarisiere bei den Mitgliedern. "Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest." Zur Versachlichung sollten die Auswirkungen eines Tempolimits dringend in einer umfassenden Studie geklärt werden. "Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern", so Hillebrand. Im Gespräch ist vor allem ein Tempolimit von 130 km/h.

SPD will das Thema wieder diskutieren

Verkehrsminister Scheuer will keine neue Diskussion über ein Tempolimit in der Großen Koalition.

Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD ist in der Frage uneins, es zeichnet sich gar ein neuer Streit im Jahr 2020 ab – den die CSU mit der Online-Petition nun neu befeuert. Ein Tempolimit sei "gut für den Klimaschutz, dient der Sicherheit und schont die Nerven der Autofahrer", sagte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken: "Und deshalb werden wir darüber auch im neuen Jahr wieder sprechen." Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer warnte dagegen vor einer neuen Debatte in der GroKo über ein Tempolimit und verwies auf das funktionierende System der Richtgeschwindigkeit

Freie Fahrt auf 70 Prozent Autobahnstrecke

Auf dem Großteil der Autobahnen in Deutschland gilt nach wie vor freie Fahrt. Ohne Tempolimit sind 70 Prozent des Netzes. Dauerhaft oder zeitweise geltende Beschränkungen mit Schildern gibt es auf 20,8 Prozent des Netzes, wie Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen für 2015 zeigen. Am häufigsten sind Tempo 120 (7,8 Prozent) und Tempo 100 (5,6 Prozent). Dazu kommen variable Verkehrslenkungsanzeigen. Unabhängig davon gilt seit mehr als 40 Jahren eine empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Schaut man sich eine EU-Karte an, ist Deutschland ein weißer Fleck – überall sonst gibt es generelle Tempo-Beschränkungen.

Umfrage: Mehr als die Hälfte stimmen fürs Tempolimit

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von mobile.de sprachen sich zuletzt  56,5 Prozent der 1020 Befragten für ein allgemeines Tempolimit aus. Lediglich 16,8 Prozent lehnt eine Maximalgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen generell ab. Für rund ein Drittel (31,8 Prozent) ist die diskutierten 130 km/h die bevorzugte Obergrenze. Etwa jeder zehnte Befragte sieht die allgemeine Höchstgeschwindigkeit bei 140 km/h (12,8 Prozent), ähnlich verhält es sich bei 150 km/h (10,2 Prozent) und 160 km/h (9,2 Prozent). Immerhin 14,7 Prozent wünscht sich ein Tempolimit bei maximal 120 km/h oder sogar weniger.

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Autobahn Tempolimit

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