Der Dauerbrenner Tempolimit auf Autobahnen spaltet die Deutschen: Laut einer aktuellen Umfrage sprechen sich 57 Prozent der Befragten dafür aus, das Tempo auf den schnellen Fernstraßen generell zu begrenzen. Dagegen lehnen 41 Prozent eine Geschwindigkeitsbegrenzung ab. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage.
Die Befragung zeigt auch, dass sich etwas weniger Leute als noch zuletzt für eine Geschwindigkeitsbegrenzung aussprachen: Bei den letzten Forsa-Umfragen 2023 und 2022 hatten sich noch 63 Prozent für ein Tempolimit auf den Autobahnen ausgesprochen. (Überblick: Was ein Tempolimit von 130 km/h in Deutschland bringen würde).

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Interessant ist auch die Antwort nach der Höhe der Höchstgeschwindigkeit, die nach Ansicht der Autofahrer gelten sollte: Die 1003 befragten Autofahrer sprachen sich im Schnitt für ein Tempolimit von 133 km/h aus, das sind drei km/h mehr als bei der letzten Umfrage von 2023.

Wie steht die künftige Regierung zu Tempo 130?

Noch ist offen, wie die Verhandlungen zum Koalitionsprogramm der sich bildenden Regierung aus Union und SPD verlaufen, wobei die Wahlprogramme den Weg weisen: CDU und CSU sind gegen jedes Tempolimit auf deutschen Autobahnen, die SPD ist dafür. Diese Position spiegelt sich im Arbeitspapier der entsprechenden Arbeitsgruppe wider, das sickerte bereits durch. Das Thema dürfte jetzt auf dem Tisch der Chefverhandler liegen. In der zerbrochenen Ampel-Regierung hatte sich die FDP gegen eine Geschwindigkeitsbeschränkung gestemmt.

Was verbindet Tempolimit mit Klimaschutz

Schon seit Jahrzehnten wird hierzulande über eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung debattiert. Die Befürworter argumentieren mit steigender Verkehrssicherheit und besserem Klimaschutz, die Gegner sprechen von Symbolpolitik. Deutschland ist weltweit berühmt für die in weiten Teilen freie Fahrt auf Autobahnen (hier ein episches Video mit Hollywoodstar Tom Hanks).
Klimaschützer führen ins Feld, dass der überproportional hohe Energieverbrauch bei hohem Tempo durch den steigenden Luftwiderstand nicht mehr zeitgemäß ist. Ein Begrenzen des Tempos würde damit den Benzin- und Dieselverbrauch mindern und das Klima schützen.
Tatsächlich fahren laut einer im Sommer 2024 in Nordrhein-Westfalen erhobenen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 83 Prozent der Autobahnbenutzer nicht mehr als Tempo 130. Nur ein Prozent der Autofahrer fahren schneller als 160. Das entwerte den Wert eines Tempolimits, so die Wissenschaftler.

Wie ist der Klimabeitrag des Verkehrs?

Seit Jahren verfehlt der Verkehrsbereich die Vorgaben zum Klimaschutz. Die Ampel hatte sich darauf verständigt, den CO₂-Ausstoß sektorenübergreifend und über mehrere Jahre zu betrachten. Umweltverbände führen ins Feld, dass Tempo 130 auf den Autobahnen ein leicht gangbarer Schritt wäre, im Straßenverkehr den Ausstoß an Klimagas zu verringern.
Weiterhin gilt die letzte Empfehlung des Umweltbundesamtes (UBA), ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen, denn dadurch könnten bis 2030 38 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden, das seien 20 Prozent der zuletzt genannten Lücke. Das Umweltbundesamt plädiert für ein Tempolimit von 120 auf Autobahnen.

ADAC nicht mehr gegen ein Autobahn-Tempolimit

Schon Anfang 2020 hatte der ADAC, mit 21 Millionen Mitgliedern größter Autofahrervertreter in Deutschland, seine jahrzehntelange ablehnende Haltung gegen ein Tempolimit aufgegeben. Tatsächlich waren laut einer Umfrage 52 Prozent der Clubmitglieder dafür, 44 Prozent gegen eine Tempobeschränkung. Die Position des Automobilclubs daher: Der ADAC legt sich in der Frage nicht fest.

Wie groß ist das Autobahnstreckennetz ohne Tempolimit?

Letzten Zahlen von 2019 zufolge gab es unbegrenzte Fahrt auf 57,2 Prozent oder 7546 km des 13.192 km langen Autobahnnetzes. Auf 30 Prozent war das Tempo von Haus aus beschränkt (3958 km), auf 12,8 Prozent der Strecken gab es eine Begrenzung wegen Baustellen (1689 km).
Bei den Strecken mit Tempolimit sei am häufigsten Tempo 120 (7,8 Prozent) und Tempo 100 (5,6 Prozent) vorgeschrieben, besagen jüngste Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen.
Dazu kommt die örtlich variable Verkehrslenkung. Unabhängig davon gilt seit mehr als 40 Jahren eine empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Mit dem fehlenden Tempolimit auf großen Teilen des Autobahnnetzes ist Deutschland ein weißer Fleck in der EU – überall sonst gibt es generelle Tempobeschränkungen.

Ex-Formel-1-Weltmeister Vettel könnte mit Limit leben

Selbst der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Sebastian Vettel zeigte sich zu einem generellen Tempolimit aufgeschlossen. Wenn es helfe, Menschenleben zu retten, könne er damit leben, sagte er gegenüber BILD. Dies sei ein "No-Brainer", so der viermalige Weltmeister.

Kommentar

Am Tempolimit scheiden sich die Geister, das geht auch mir so. Ich fahre nur selten schneller als 130. Aber es anderen zu verbieten? Das möchte ich nicht. Die auf Teilstrecken der Autobahn geltende Freiheit gehört zu unserer Identität. Eine pauschale Tempobegrenzung geht mir daher zu weit.