Test Alfa Spider 3.2 JTS V6 24V Q4

Die italienische Geliebte

Mit dem 260 PS starken Spider 3.2 V6 war autobild.de auf Erkundungstour am Mittelmeer. Il mio amore – aus diesem Flirt könnte mehr werden!
An einem kalten Hamburger Februarmorgen steige ich in den Flieger nach Italien. In Neapel wartet meine neue Geliebte. Rassig ist sie, knackig und verlockend. Kennengelernt habe ich sie in einem Hamburger Autohaus, zum zweiten Rendez-vous lockt sie mich bereits in ihre Heimat. Dort soll es wĂ€rmer sein, und meine Hoffnung wĂ€chst, sie wieder oben ohne zu sehen. Denn dieses Outfit steht dem Top-Modell aus Mailand einfach am besten – dem nagelneuen Alfa Spider. Am Hotel in Vietri sul Mare angekommen stellt sich mir die Qual der Wahl. Die italienische Schönheit hat viele Gesichter, wartet unter anderem in Rubin Rot, Oro, Alfa Rot, Schwarz und Misano Blau auf mich. Inspiriert vom tiefen Blau des Golfs von Neapel schwinge ich mich ins Cockpit der maritimen Version, öffne die Stoffkapuze und drĂŒcke den Start-Knopf.
Bam! Damit hĂ€tte ich nicht gerechnet. Der Klang der vierflutigen Abgasanlage macht mich willenlos, lĂ€sst mich meiner Geliebten blind gehorchen. Entlang der KĂŒste geht's Richtung Amalfi. Links droht der Abgrund, unten das Mittelmeer, rechts zischt die grob behauene Felswand vorbei. Und das in einem knapp 1,8 Tonnen schweren Cabrio. Fasziniert vom 260 PS starken V6 vor mir und dem permanenten Allradantrieb Q4 unter mir, lasse ich die SĂŒĂŸe richtig fliegen. Bremsen, runter in den ersten, vor der Kurve hupen (es ist zu eng fĂŒr zwei Wagen), Fuß aufs Gas und hoch in den zweiten. 4000, 5000, 6000 Umdrehungen und wieder abbremsen. Suchtgefahr! Leicht untersteuernd treibt mich meine blaue Schönheit an, die Straßenbreite voll auszunutzen. Knackig und sportlich dringen die StĂ¶ĂŸe des armseligen Asphalts zu mir durch, vor Tunneln bremse ich ab, um den widerhallenden GĂ€nsehautsound beim Hochbeschleunigen voll genießen zu können.

Wie im Rausch gehe ich in Amalfi vom Gas, um auch etwas von dieser wunderschönen Gegend in mich aufzusaugen. Voller Stolz genieße ich die neidischen Blicke der italienischen MĂ€nner, spĂŒre die sich drehenden Köpfe beim Vorbeifahren. Ich mache kehrt und fahre zurĂŒck zum Hotel. Genug fĂŒr heute. Ich gehe frĂŒh schlafen, will morgen frisch ausgeruht sein fĂŒr die nĂ€chste Ausfahrt. Die ganze Nacht hindurch hat es geschĂŒttet und gestĂŒrmt. Der Strom im Nachbarhotel ist ausgefallen, das Licht in meinem Bad ĂŒbte das Morse-Alphabet. Am Morgen regnet es noch immer, der Himmel zeigt keine LĂŒcken, nirgends Sonne. Da heißt es heute wohl geschlossen fahren. Macht nichts. Die Kopffreiheit reicht, die WindgerĂ€usche sind gut gedĂ€mmt, das Knarzen der Verdeckkonstruktion ist dem straffen Fahrwerk geschuldet.

Rauf geht's in die Berge, der erhofften Sonne entgegen. Auf regennasser Fahrbahn taste ich mich an den Grenzbereich meiner Geliebten heran. Wie weit kann ich gehen, wann ist der Allradantrieb mit seiner 43-zu-57-Verteilung (vorne, hinten) ĂŒberfordert, wann entgleitet sie mir? Doch entspannt steht mir das ESP zur Seite, spurtreu rettet mich das ABS vor Fast-ZusammenstĂ¶ĂŸen mit einheimischen Busfahrern, die mir auf meiner Seite entgegenkommen. Nach der fĂŒnften oder sechsten Vollbremsung haben die 330 Millimeter Scheiben vorn, die 292er hinten und ich die Nase voll. Das Fading ist einfach zu stark. Ich beschließe, mich zusammenzureißen, den Reizen des Sieben-Sekunden-Sprints zu widerstehen und gesittet zurĂŒck ins Hotel zu fahren. Man soll aufhören, wenn's am schönsten ist. Auf dem RĂŒckweg gibt's einen Abstecher ĂŒber die Autobahn. Die Auffahrt wird voll ausgekostet, bei 160 kommt der dritte Gang. PhĂ€nomenal.

Schweren Herzens lasse ich die reinrassige Italienerin zurĂŒck und mache mich auf die Heimreise. Doch der Weg ist lang und beschwerlich, mein Name nicht auf der Passagier-Liste, der Anschluss-Flug fast verpasst und ich bald schweißgebadet. Egal, der neue Spider – meine Geliebte – war es wert. Jetzt muss ich nur noch 42.100 Euro auftreiben, um sie nach Hamburg in meine Garage zu locken. Oder ich verzichte auf Q4, dann sind nur noch 34.300 Euro fĂ€llig.

Übrigens: Noch im Februar stellt Alfa dem 3.2 JTS V6 24V Q4 und dem 2.2 JTS 16V (185 PS) einen FĂŒnfzylinder-Diesel mit 200 PS zur Seite (2.4 JTDM 20V, ab 38.200 Euro). Etwas spĂ€ter sogar mit dem sensationellen Allrad-System Q4 und 210 PS. Dann treffen 400 Newtonmeter auf vier angetriebene RĂ€der und eine heiße LinienfĂŒhrung – und meine Liebe erwacht erneut.

Autor: Jan Kriebel

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen gĂŒnstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.