Das Beste kommt zum Schluss: Obwohl jüngst auf dem Genfer Salon der neue Mazda 3 MPS stand, nimmt sich der bisher nicht weiter auffällig gewordene Schweizer Tuner GSG des Vorgängers an. Und zieht alle Register, um aus dem Auto einen echten Streetracer zu machen.

Fahrfreude/Antrieb

Ein Tritt aufs Gaspedal flutet das Gehirn mit Glückshormonen und wohligen Erinnerungen. Der getunte 3 MPS gemahnt in seiner herrlichen Unbeherrschtheit an frühere Lancer Evo. Heftig atmend tritt der Motor seinen Dienst an, röchelt unter Last. Laut schnaubend lässt das Blow-off-Ventil Luft ab. Die Maschine kennt nur zwei Modi: Turboloch und Turboschub. Wobei Ersteres erfreulich winzig ausfällt. Die 60 Mehr-PS (320 statt 260 PS) rühren von einer optimierten Luftzufuhr von Werkstuner Mazdaspeed, einem großen Ladeluftkühler, Metallkat, anderem Abgaskrümmer und Zusatzsteuergerät her. Letzteres bewirkt eine moderate Erhöhung des Ladedrucks auf 1,26 Bar. Lediglich ein deutlicher Verschlucker bei 6000 Umdrehungen fällt negativ auf. Zudem kürzt die Schaltwegverkürzung zwar was das Zeug hält, verleiht dem Getriebe jedoch eine deutliche Hakeligkeit.

Fahrleistungen

Der Motor läuft nicht nur zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, sondern imponiert auch mit Bärenkräften. 0 bis 100 km/h dauern mit dem GSG-Auto 5,8 statt serienmäßiger 6,9 Sekunden. Bis 200 km/h ist der 3 MPS sogar mehr als sechs Sekunden schneller (19,2 statt 25,5 Sekunden) – und damit auf dem Niveau eines alten BMW M3 mit 343 PS. Auch die Durchzugswerte sind einfach atemberaubend: 6,0 Sekunden von 80 bis 120 km/h im sechsten Gang signalisieren deutlich: Runterschalten auf der Autobahn entfällt ab sofort. Bei der Höchstgeschwindigkeit tut sich nichts: Die Elektronik regelt bei 251 km/h ab.

Karosserie/Qualität

Nichts zu sehen – außer dezenten Enkei-Rädern in 18 Zoll und einem Supersprint-Auspuff.

Fahrwerk/Komfort

GSG begnügt sich nicht mit der Installation eines H&R-Gewindefahrwerks. Zudem kommen rundum Stabis und eine Domstrebe unter dem Fahrzeug zum Einsatz. Bei einer flotten Runde in Hockenheim zeigt sich die Qualität des Umbaus: Der Mazda liegt wie ein Felsbrocken, die Semislicks kleben bei drei Grad Außentemperatur wie Pattex, und selbst bei provozierten Lastwechseln muss der Pilot keine Heckschwenks parieren. Die mechanische Sperre an der Vorderachse unterbindet Traktionsprobleme wirksam – gegen die Antriebseinflüsse in der Lenkung ist sie machtlos. Nur mit dem unzureichenden Seitenhalt der Seriensportsitze hat der Pilot zu kämpfen. Wir fahren den kleinen Kurs mit Motorradschikane in 1:18 Minuten. Damit ist der Mazda nur drei Zehntel langsamer als ein Porsche 911 Carrera. Kehrseite der Medaille: Das Auto "federt" mit selten erlebter Brutalität.

Preis/Kosten

Schweizer Präzisionsarbeit kostet. Die Tuningteile sind nicht zum Dumpingpreis zu haben, insgesamt gibt es für unter 40.000 Euro jedoch ein Fahrzeug, dessen Performance in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht – bei super Verbrauchswerten. 11 Liter Super Plus sind aller Ehren wert.