Toyotas Einparkhilfe im Test

Wenn das mal gutgeht

Zu sch├Ân, um wahr zu sein: Eine Automatik lenkt ganz alleine in die Parkl├╝cke. In wirklich jede? Eine Blondine wagt f├╝r AUTO BILD den Selbstversuch.

Nicht nur ein Blondinen-Test

Tief eingegraben hat sich die Schramme in den hinteren Radkasten des Mercedes CLK. Und noch tiefer ins schlechte Gewissen seiner Besitzerin. Nur ungern spricht Julia Gro├če-Ophoff ├╝ber den Tag, an dem ihr Schmuckst├╝ck der Garagenwand zu nahe gekommen ist. Ein entschuldigendes L├Ącheln huscht ├╝ber ihre rosageschminkten Lippen. "Ich kann eigentlich total super einparken, nur beim R├╝ckw├Ąrtsfahren hapert es", sagt die Diplom-P├Ądagogin. Jetzt hat sich die 30j├Ąhrige Hilfe geholt.

Die Blondine mit Hochschulabschlu├č soll f├╝r AUTO BILD den elektronischen Einparkassistenten von Toyota ausprobieren. Stellvertretend f├╝r alle mit Parkl├╝cken-Panik. Im neuen Prius Sol bieten ihn die Japaner im Paket mit einem umfangreich ausgestatteten DVD-Navigationssystem an. Preis: 2950 Euro. In Japan wird das Zubeh├Âr bereits seit 2003 angeboten, 80 Prozent aller aktuellen Prius-Kunden entscheiden sich daf├╝r.

R├╝ckfahrkamera filmt das Geschehen

Bevor es losgeht, braucht der Computer-Assistent aber selbst eine Assistentin: Eine freundliche Pressedame von Toyota Deutschland erkl├Ąrt eine halbe Stunde lang das System, das den Hybrid-Wagen ohne jegliches Zutun des Fahrers in alle m├Âglichen Parkl├╝cken man├Âvrieren soll. Dann ist Julia dran. Auf dem vollen Parkplatz der K├Âlner Ikea-Filiale will sie ihr Gl├╝ck versuchen. Zwei Frauen mit hohen Abs├Ątzen stemmen sich gegen ihre ├╝berladenen Einkaufswagen, ein Mann verl├Ą├čt mit zwei Hot Dogs die schwedische W├╝rstchenbude (mit angeschlossener M├Âbelabteilung).

Julia kippt den Joystick f├╝r die Automatik auf "R". Im selben Moment filmt die R├╝ckfahrkamera eine Reihe quer geparkter Autos. Live und in Farbe erscheinen sie auf dem Bildschirm. Rechts daneben ein gr├╝nes Viereck, in der Monitormitte sechs Richtungspfeile. Und in Julias Gesicht viele Fragezeichen. Kann das klappen? Die D├╝sseldorferin tippt mit spitzen Fingern auf den Pfeilen herum, fummelt so das gr├╝ne Rechteck in die freie Parkl├╝cke. Das dauert. Hinter ihr dr├Ąngeln andere Parkplatzsuchende, Julia macht das nerv├Âs. Genauso wie das st├Ąndige Piepen, wenn der R├╝ckw├Ąrtsgang eingelegt ist. "Das nervt echt", sagt Julia, sichtlich gestresst. Dann traut sich die Blonde und nimmt den Fu├č von der Bremse. Langsam rollt das Auto los ÔÇô das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand. Julia, die Fahrerin, wird zum Passagier. "Ein beunruhigendes Gef├╝hl. Man mu├č loslassen k├Ânnen", sagt sie.

Schw├Ąchen des Systems in Tiefgaragen

Im Schritt-Tempo kurvt der Wagen r├╝ckw├Ąrts in Richtung Parkl├╝cke. Julias zierlicher Fu├č ruht alarmiert auf dem Bremspedal, ihr Blick auf dem Bildschirm. Ein spannendes Programm, das da ├╝bertragen wird, nervenaufreibend wie ein guter TV-Krimi: Knapp schiebt sich das Prius-Heck am T├╝rblech eines roten Polo vorbei. Ein paar hundert Euro aus der Haushaltskasse stehen auf dem Spiel, denn bei Einparksch├Ąden ├╝bernimmt Toyota keinen Cent. Per Fu├čbremse steuert Julia das Tempo des Avantgarde- Autos, legt die letzten Zentimeter im Zeitlupentempo zur├╝ck. Eine rote Linie am Heck kommt ins Bild. Jetzt blo├č bremsen. Dann Motor aus und raus zur Kontrolle. Die schlanke Blondine zw├Ąngt sich durch den engen T├╝rspalt. Verdammt dicht steht der Prius am Polo. Denn das System steuert stur dahin, wo der Fahrer das gr├╝ne Viereck auf dem Touchscreen zuvor plaziert hat. Hindernisse wie Fu├čg├Ąnger oder Autos registriert Toyotas Parkassistent nicht.

N├Ąchster Testort: die dunkle Tiefgarage der K├Âlner Uniklinik. Auf dem Schirm flimmern Graut├Âne, die Kamera ist zu lichtschwach. "Man erkennt fast nichts", sagt unsere Testerin und f├Ąhrt weg. In einer ruhigen K├Âlner Wohnstra├če klappt es dann besser. Nach 90 Sekunden steht der Prius sauber am Bordstein. Julias Fazit: "Das System ist nicht an jedem Ort alltagstauglich. Mal sehen, was da noch kommt." Denn ganz sicher ist Toyotas Park-Assistent technisch erst der Anfang. Vom Ende aller Einpark-├ängste.

Die Technik des Parkassistenten

Der Einparkassistent arbeitet mit einer R├╝ckfahrkamera ÔÇô ohne weitere, zus├Ątzliche Sensoren. Das System ist vernetzt mit der Bordelektronik ÔÇô Navi-System, ESP ÔÇô und der elektrischen Servolenkung. Aus dem von der Kamera gelieferten Bild ermittelt der Rechner, ob die vom Fahrer auf einem Touchscreen-Bildschirm vorgew├Ąhlte Parkl├╝cke erreichbar ist. Falls ja, f├Ąhrt der Prius selbst├Ąndig exakt dorthin, ein Elektromotor ├╝bernimmt die Lenkarbeit.

Das System funktioniert nur im R├╝ckw├Ąrtsgang und nur im Schritttempo (drei bis f├╝nf km/h) ÔÇô das Tempo bestimmt der Fahrer mit dem Fu├č auf der schleifenden Bremse. Es arbeitet nicht bergauf, Schlu├č ist auch am Bordstein. Und es erkennt nicht, ob sich auf dem Weg in die angepeilte Parkl├╝cke ein Hindernis befindet oder gerade ein Kind entlangl├Ąuft. Darauf mu├č der Fahrer weiterhin achten.

Was machen die anderen?

Toyota liegt vorn ÔÇô aber die anderen Hersteller schlafen nicht. BMW setzt auf ein mit VDO-Siemens entwickeltes System. Das arbeitet mit den Ultraschall-Sensoren der Einparkhilfe (PDC), erkennt im Vorbeifahren, ob die Parkl├╝cke gro├č genug ist und steuert diese dann an. Das System funktioniert in einem X5-Prototyp bestens und ist wohl 2008 serienreif. Citro├źn hat bereits einen C3-Techniktr├Ąger mit Einpark-Automatik vorgestellt, ├╝ber einen Serieneinsatz ist noch nicht entschieden. Das System arbeitet so ├Ąhnlich wie bei BMW, der Fahrer erh├Ąlt die Kommandos ├╝ber eine Sprachausgabe. Ebenfalls schon im Testeinsatz: der Parklenk-Assistent von VW. Damit der funktioniert, mu├č die L├╝cke allerdings 1,40 m l├Ąnger sein als das Auto.
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