Trabant 601 L bei eBay
Warum ist dieser hübsche Trabi so günstig?
Bei Ebay wird derzeit dieser hübsche Trabant 601 L aus dem Jahr 1990 zum Kauf angeboten. Der kleine Sachse sieht auf den ersten Blick ordentlich aus und soll nur 1300 Euro kosten. Passt das zusammen?
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Weg vom aufgeregten Gebimmel moderner Infotainmentsysteme, zurück zum einfachen Autofahren. Wer zu Verkaufszeiten des P 601 Trabi fahren musste, hat den Kleinen und seine Macken vermutlich verflucht. Wer heute Trabant fahren darf, betrachtet das meist als Geschenk.

Die unter Kennern berühmte "Kraft der zwei Kerzen" beträgt exakt 26 zweitaktende PS.
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Das erzählt die Anzeige über den Trabant
Der inserierte Wagen wurde laut Beschreibung am 1. Juni 1990 zum ersten Mal zugelassen. Es soll sich um einen der letzten produzierten Trabant 601 handeln. Das könnte den Wagen für Liebhaber zu einem echten Leckerbissen machen. Zeitlich könnte die Einordnung des Verkäufers passen. Wer es genau wissen will, überprüft die Angabe natürlich.

In so einem Trabi-Cockpit findet sich alles, was man zum Fahren braucht. Alles andere ist einfach nicht da.
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Auch die Papiere liegen vor. Doch am Fahrzeug sind größere Schweißarbeiten notwendig, sichtbar zum Beispiel an der Einstiegsleiste in der Fahrertür. Das dürfte der Grund für den überschaubaren Preis sein. Daumen hoch für den Verkäufer: Wenn sich Schweißen lohnt, um diesem Trabi eine zweite Chance zu verschaffen, könnte er fair eingepreist sein. Doch das muss gecheckt werden. Rostschäden am vorderen Teil des Wagen, am sogenannten "Geweih", sind zum Beispiel nur sehr schwer zu reparieren.

An der Einstiegsleiste kann man sehen, dass am Trabi geschweißt werden muss. Wie viel, muss gecheckt werden.
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Das muss man über den Trabant wissen
Es beginnt beim Klassiker: Das Stahlblechgerippe unter der Duroplast-Karosserie rostet gerne. Diese Gerippe wurden bei Wind und Wetter auf offenen Lkw von einem Produktionsstandort in Zwickau zum anderen gefahren. Das ist gleich von vornherein, sagen wir mal, suboptimal.
Das Material Stahlblech war Mangelware. Also wurden die tragenden Baugruppen der Karosse in 26 Jahren Bauzeit immer dünner. Und Rostschutz ab Werk war in den 60ern bis 80ern nicht nur bei Sachsenring ein Fremdwort.
Punkt Nummer zwei auf der Checkliste sollte der Motor sein. Wer eher wenig technische Fachkenntnis hat, darf spätestens an dieser Stelle einen Experten zurate ziehen. Die Technik des Trabant braucht nämlich viel und vor allem regelmäßige Pflege.
Problem dabei: Auch wenn eigentlich schon was kaputt ist, fährt der treue Trabi noch. Im schlimmsten Fall sogar mit einem sich anbahnenden Lagerschaden. Um den zu erkennen, braucht man nicht nur Leidenschaft, sondern vor allem geübte Ohren.
Bitte keine unerwünschten Geräusche vom Getriebe
Das Getriebe darf nicht knarzen oder unerwartete Geräusche von sich geben. Als Erstes sollte die Schaltstange ganz leichtgängig sein. Im Idealfall lässt sich ein Trabant nämlich mit einem einzigen Finger schalten. Der Freilauf des vierten Gangs muss gleichmäßig aus- und wieder einrücken, wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Schlussendlich sollte das Getriebe dicht sein.
Die Schwenklagerbuchsen des Trabant müssen regelmäßig geschmiert worden sein. Sonst geben sie vorzeitig den Geist auf. Die Silentbuchsen der Querlenker kann man nicht pflegen. Sie gehören von Zeit zu Zeit ersetzt. Fährt der Trabi schwammig, sind die hinteren Dreieckslenker im Eimer. Die Bremsen mögen längere Standzeit nicht. Radbremszylinder können schon nach wenigen Monaten festsitzen.
Achtung: Es lohnt sich ein Blick auf die Fahrgestellnummer!
Ersatzteile sind unterschiedlich schwer zu beschaffen. Manche Innenausstattungskomponenten der frühen Modelle gibt es einfach nicht. Bei der Technik des 601 sind die Beschaffungsprobleme überschaubar. Aber es gibt auf dem Markt Nachfertigungen in mieser Qualität.
Ein wichtiger Punkt ist am Ende noch die Fahrgestellnummer. Es soll Fahrzeuge geben, die mithilfe einer geänderten Nummer vom Young- zum Oldtimer wurden, um weiter in Umweltzonen fahren zu dürfen. Vorsicht vor solchen "Fälschungen"!
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