Tracktest Kia Rio V6 4x4
Der Schneekönig

Autorennen auf blankem Eis? Darum geht es in der Trophée Andros. AUTO BILD MOTORSPORT war live dabei und fuhr das Siegerauto Kia Rio V6 mit Allradlenkung und -antrieb.
Der erste Gang rastet mit lautem Klacken ein. Der Kia schüttelt sich ein bisschen. Stammfahrer Dayrout gibt letzte Anweisungen: "Vollgas bis in den Begrenzer und dann einfach die Kupplung loslassen." Gesagt, getan. Auf die brutale Art beschleunigt rast der nur 950 Kilogramm schwere Rio los, als würde er von einem riesigen Katapult abgeschossen. Mein Kopf fliegt nach hinten gegen die Nackenstütze. Der Kia mit V6-Power reißt dank der 350 Newtonmeter die Eispiste derart schnell unter seiner nackten Bodenplatte weg, dass ich kaum mit dem Schalten hinterherkomme. Die Ice Contact 3-Spikereifen krallen sich in das Eis. Die kalten Splitter schlagen lautstark in den Radhäusern umher. Insider schätzen, dass der Koreaner für den Sprint von null auf hundert weniger als vier Sekunden benötigt.
Und das auf polierten Eis, auf dem man kaum richtig laufen kann. Wahnsinn! Blitzartig reiße ich die Gänge durch das sequenzielle Getriebe. Grell aufblitzende Lampen mahnen den Gangwechsel an. Den Zeitpunkt würde ich aber auch ohne diese Erinnerung nicht verpassen. Laut und deutlich verlangt der drehzahlfreudige Sechszylinder hinter meinem Rücken nach dem nächsthöheren Gang. Erst ab 8000 Umdrehungen geht ihm dann doch die Puste aus. Bei sensiblem Umgang mit dem Gaspedal lassen sich die Bärenkräfte des Motors aber gut dosieren. So fällt es mir leicht, in den engen Kurven der Eisrennstrecke in Isola 2000 (Frankreich) saubere Drifts hinzulegen. Doch damit ist es in der Trophée Andros nicht getan. Auf den Strecken dieser legendären Eisrennserie, meistens auf beeisten Parkplätzen namhafter Skigebiete künstlich angelegt, sind die Kurven oft mehr als 90 Grad eng. Deswegen kommt beim Kia Rio wie bei allen seinen Konkurrenten die Synchron- oder auch Allradlenkung zum Einsatz.
Von null auf hundert in weniger als vier Sekunden

Schnell sind Kia-Pilot Jean-Philippe Dayraut und ein Techniker bei mir. Und noch ein Fahrer mit einer Toyota-Jacke. "Du darfst den Wagen nicht wie ein Rallyeauto fahren. Die Allradlenkung erledigt das. Einfach einlenken, als würdest Du ohne Drift fahren wollen", erzählt der Toyota-Mann. Ich höre ganz genau hin, denn der Toyota-Pilot ist kein Geringerer als der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost. Der 53 Jahre alte Franzose gehört heute zu den Star-Piloten der Trophée Andros. Ok, was Prost sagt, müsste doch eigentlich stimmen. Also Motor starten, erster Gang, Vollgas. Wieder röhrt der 370 PS starke 3,2-Liter-Motor aus dem Audi TT sein Lied.
Tschüß, Rücklicht!

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Autor Guido Naumann
Selten hat mir eine Rennserie von außen wie von innen so viel Spaß gemacht. Obwohl man auf dem blankpolierten Eis kaum laufen kann, ist man mit dem Kia Rio so locker und sicher unterwegs wie mit einem Rallyeauto auf Schotter.
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