Tracktest KTM X-Bow Battle
Auf eigener Achse

Mit dem X-Bow hat KTM ein straßenzugelassenens Auto geschaffen, das mehr Rennwagen ist als Pkw. Jetzt gibt es die passende Rennserie zum Austoben. Wir sind hin- und mitgefahren – beides im X-Bow, versteht sich.
Bild: xpb.cc
Platsch! Der große Wassertropfen verläuft auf dem Visier, zieht einen dünnen Film hinter sich her. Mein Blick hebt sich nach oben. Weg von den verwackelt vorbeiziehenden Asphaltflicken und Spurrillen der Autobahn, rauf zur dunklen Wolkenfront. Bitte keinen Regen. Nicht mit diesem – nun ja – Auto. 350 Kilometer, vom Sitz unserer Redaktion in Schwabach bei Nürnberg ins tschechische Most, zwei Stunden Trainings und Rennen auf der dortigen Rennstrecke und noch mal rund 200 Kilometer bisheriger Rückweg.
Tracktest-Archiv: Alle Tracktests von AUTO BILD MOTORSPORT
Die straßenzugelassenen Toyo Proxes R 888 Semi-Slicks sind an der Verschleißgrenze. Aquaplaninggefahr. Auf eigener Achse zur Rennstrecke und zurück. Ohne ein einziges Mal am Auto zu schrauben. Das ist mit dem Leichtbausportwagen X-Bow (gesprochen Cross-Bow) der österreichischen Motorradschmiede KTM in der in diesem Jahr gestarteten X-Bow -Battle möglich. Grund genug für uns, die Probe aufs Exempel zu machen. Rückblende: Nach dem schnellen Rechtsknick hänge ich meinem Vordermann direkt am Heck. Habe seine beißenden Abgase in der Nase. Höre einen wilden Kanon unserer beiden Motoren. Bekomme von seinen Hinterreifen immer wieder herumliegende Gummiwürste, den Abrieb von Slicks, ins Cockpit geschleudert.
Im Rückspiegel machen sich Verfolger im Vollformat breit
Bild: xpb.cc
Das KTM-Motto: "Ready to race"
Mit qualmenden Vorderreifen biege ich in die folgende Schikane. Vor ihm. Lohn: Platz vier in der Klasse bis 300 PS – eine von drei Kategorien, neben Serienautos und offener Klasse mit 380-PS-Monstern. Das bedeutet: in beiden Rennen Gesamtplatz acht von insgesamt 16 Autos. Und zeigt, dass echter Clubsport mit einem straßenzugelassenen KTM X-Bow tatsächlich möglich ist. Außer nachzutanken und den Luftdruck der Reifen anzupassen haben wir das gesamte Wochenende über nichts am Auto geändert. Keine Fahrwerkseinstellung, keine Bremsbalance, nichts. Denn als "Ready to race", also "Bereit zum Rennen", bewirbt KTM das erste vierrädrige Gefährt des Unternehmens. Seit 2009 haben die Österreicher rund 500 Stück verkauft. Ein klares Nischenprodukt. Das dank der in dieser Saison geschaffenen X-Bow-Battle nun aber doppelt Sinn macht: als puristischer Sportwagen für die Straße und Rennwagen in einem. Zurück im Jetzt: Ich ziehe meinen Koffer aus dem Beifahrerfußraum. Angekommen daheim. Es regnet nun in Strömen. Glück gehabt.
Service-Links